vergrößernverkleinern
Usain Bolt ist nun Weltmeister, Olympiasieger und Weltrekorler über 100 m © getty

Nach seinem Fabelweltrekord träumt Usain Bolt bereits vom nächsten Coup. Ein Dopingexperte hegt Zweifel an dem Weltrekord.

Berlin - "Mars-Mensch", "Monster", "Galaktischer": Nach dem Wunderlauf wie von einem anderen Stern liegt die Welt Usain Bolt zu Füßen.

Und der "Außerirdische" träumt nach seinem Fabel-Weltrekord von 9,58 Sekunden bereits vom nächsten Coup: einer Zeit von 9,4 Sekunden. Doch der Zweifel bleibt, denn das Doping-Gespenst läuft immer mit.

"Das ist ein großer Moment der Geschichte. Alles lief perfekt. Ich wollte einfach nur rausgehen und gewinnen", sagte Bolt nach seinem WM-Sieg. 140985(Die Bilder)

Der Rekordlauf rief vor 50.000 Zuschauern im Olympiastadion und einigen hundert Millionen Menschen vor den Fernsehern zeitgleich Faszination, Fassungslosigkeit und viele Fragenzeichen hervor.

Dopingexperte zweifelt

9,58 Sekunden für die Geschichtsbücher, 41 Schritte bis zur eigenen Unsterblichkeit, aber auch mit 44,72 km/h Richtung Dopingverdacht.

"Diese Leistung spricht gegen alle wissenschaftlichen Lehren über die menschliche Leistungsfähigkeit", sagte Dopingexperte Fritz Sörgel.

"So etwas ist ohne Doping nur schwer vorzustellen. Zumal die Tests in Jamaika alles andere als zuverlässig sind."

Die Zweifel scheinen Bolt nicht zu stören, er peilt sogar eine neue Dimension an und gibt damit Wasser auf die Mühlen der Skeptiker. "Ich denke, es wird bei 9,4 aufhören. Aber man weiß nie, bei mir ist alles möglich", antwortete der Sprint-Gigant.

Nicht so stark wie in Peking

Dank einer Höchstgeschwindigkeit von 44,72 km/h (zwischen 60 und 80 m) pulverisierte der Jamaikaner seine alte Bestmarke, die er auf den Tag genau ein Jahr nach dem ersten seiner drei Olympiasiege in Peking (43,9 km/h) aufgestellt hatte, gleich um elf Hundertstel.

Damals trudelte der 22-Jährige weit vor dem Ziel aus, weshalb der Peking-Bolt für ihn stärker ist als der Berlin-Bolt: "Ich bin definitiv in Form, aber nicht in der Form von Peking."

Solche Sätze deuten darauf hin, dass der 1,93 m große Schlaks tatsächlich in naher Zukunft als erster Mensch der Welt die Schallmauer von 9,50 Sekunden durchbricht. Seine Vorgänger auf dem WM-Thron zweifeln daran nicht.

Ex-Weltmeister Greene sieht Bolt erst am Anfang

"Usain läuft auf dem Mars, alle anderen auf der Erde", sagte der ehemalige US-Weltmeister Maurice Greene und gab zu bedenken: "Mit seinen 22 Jahren lernt er gerade erst laufen. Er wird sich noch steigern."

Die Medien übertrafen sich mit Superlativen. "Der Urknall des Mars-Menschen", schrieb die "Kronen-Zeitung" in Österreich. Und die "Gazzetta dello Sport" sprach Bolt sogar jegliche Menschlichkeit ab: "Bim Bum Bolt - er ist einfach ein Monster."

Für die "L'Equipe" lief der Außerirdische schneller als die Zeit: "Das elektrisierende Finale kommt zu einer fantastischen Entladung."

Ausnahmezustand in Jamaika

In Bolts Heimat brach der Ausnahmezustand aus. Zehntausende tanzten auf den Straßen den Bolt-Tanz, Ministerpräsident Bruce Golding verlieh dem bekanntesten Einwohner des Landes den Helden-Status:

"Usain Bolt ist ein Beweis für den Erfolg, den wir durch Disziplin und harte Arbeit erreichen können. Sein Weltrekord macht uns alle stolz."

Bolts Eltern, die das Spektakel von der Tribüne aus verfolgten, suchten dagegen verzweifelt nach Worten. "Ich habe erwartet, dass Usain gewinnt. 9,58! Ich bin immer noch geschockt", sagte Vater Wellesley der "Bild"-Zeitung.

Gay als fairer Verlierer

Selbst der entthronte Champion Tyson Gay erkannte die Unschlagbarkeit des Widersachers an. "Ich bin glücklich, dass er diese Zeit gelaufen ist. Ich habe immer gesagt, dass das irgendwann jemand schafft. Leider war ich nicht derjenige", sagte Gay, der sich mit Silber und der drittbesten Zeit der Geschichte (9,71) trösten musste.

Bronze ging an Bolts Landsmann Asafa Powell (9,84).

Kein Showdown über 200 Meter

Über die 200 m, die bereits am Dienstag (10.05 Uhr) mit den Vorläufen beginnen, wird es nicht zur Revanche zwischen Bolt und Gay kommen. (zum WM-Zeitplan).

Titelverteidiger Gay klagt über Leistenprobleme sagte seinen Start ab. Das sagte sein Manager der Nachrichtenagentur "Reuters".

Bolt geht dennoch nicht davon aus, dass er seinen in Peking aufgestellten Weltrekord (19,30) verbessern werde. Aber genau das hatte er auch vor dem 100-m-Finale behauptet.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel