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Jelena Issinbajewa ist die einzige Frau, die jemals über fünf Meter gesprungen ist © getty

Die russische Weltrekordlerin pokert zu hoch und scheitert an ihrer Einstiegshöhe und wird somit Letzte im Stabhochsprung.

Beim Drama um die abgestürzte Überfliegerin Jelena Issinbajewa geriet auch die deutsche Medaillenproduktion bei der Leichtathletik-WM in Berlin ins Stocken.

Polens Stab-Mädchen Anna Rogowska und Monika Pyrek feierten Gold und Silber, nachdem Russlands Olympiasiegerin Issinbajewa auf dem Weg zum vierten WM-Sieg an 4,80 m gescheitert war.

Mit versteinerter Miene registrierte die Weltrekordlerin das Fiasko und Silke Spiegelburg weinte bittere Tränen: Höhengleich mit dem Silberrang blieb die Leverkusenerin als undankbare Vierte ohne Medaille.

Issinbajewa gibt sich kämpferisch

"Ich habe alles gemacht für den Wettkampf. Vielleicht muss ich mich noch mehr ausruhen. Es sind noch ein paar Jahre bis zu den Olympischen Spielen, die sind wichtig. Vielleicht war es an der Zeit, endlich mal zu verlieren. Diese Niederlage motiviert mich, mich noch mehr zu konzentrieren. Das könnte wertvoll für mich sein", sagte Issinbajewa mit Tränen in den Augen.

Überrascht war auch Siegerin Rogowska: "Das schockiert mich. Ich dachte, man muss viel höher springen. Ich hätte nie gedacht, dass ich hier gewinne."

Bekele gewinnt über 10.000 Meter

Im 10.000-m-Finale feierte der Äthiopier Kenenisa Bekele in Jahres-Weltbestzeit von 26:46,31 wie zehn Jahre zuvor Landsmann Haile Gebrselassie seinen vierten WM-Triumph in Serie.

"Es war ein schwieriges Rennen, aber ich habe es geschafft. Jetzt will ich auch die 5000 laufen", sagte Bekele.

Kozmus erster slowenischer Weltmeister

Im Hammerwerfen ließ Primoz Kozmus dem ersten Olympiasieg für sein Land auch den ersten WM-Titel für Slowenien folgen (80,84). Hinter dem polnischen Sydney-Olympiasieger Szymon Ziolkowski (79,30) und dem Russen Alexej Sagorni (78,09) verpasste ein deutsches Duo in einem schwachen Finale Bronze.

Sergej Litvinov (LG Frankfurt), Sohn des gleichnamigen russischen Weltmeisters von 1983 und 1987 sowie Olympiasiegers 1988, wurde Fünfter mit 76,58 m.

Esser schimpft

Markus Esser, WM-Vierter von 2005, landete mit 76,27 m auf Rang sechs und seine drei letzten Würfe im Fangnetz. "Das war der schlechteste Wettkampf meines Lebens", schimpfte Esser, der vor zwei Wochen 79,43 m geworden hatte, Litvinov war dagegen zufrieden.

Spiegelburg betrübt

Wenig später scheiterten wie Silke Spiegelburg im Stabhochsprung auch Geheimtipp Anna Battke (Mainz), Siebte mit 4,40 m, und Kristina Gadschiew (Mainz) höhengleich als Zehnte.

Spiegelburg war untröstlich, denn ihre knapp gerissenen 4,75 m ("Ich war so hoch drüber und reiße ihn") hätten zu Silber gereicht.

"Eine WM-Medaille war mein großer Traum, dass es nicht klappte, ist bitter. Ich kann mit Jelena mitfühlen. Ihr Scheitern ist eine kleine Sensation", meinte die frühere Junioren-Weltmeisterin, im März Zweite der Hallen-EM.

Trainer kann Issinbajewa nicht helfen

Jelena Issinbajewa erlebte vor ihrem Scheitern dramatische Minuten. Trainer Witali Petrow, der Sergej Bubka zu 35 Weltrekorden geführt und die 27-Jährige zur 5-m-Springerin gemacht hatte, gab auf der Tribüne genervt Anweisungen.

Issinbajewa reagierte darauf vor dem letzten Anlauf verzweifelt, sank auf die Knie und Tränen standen ihr in den Augen. Minuten später scheiterte sie ein drittes Mal an 4,80 m und ging nach zweimal Olympia-Gold und drei WM-Titeln erstmals seit dem WM-Bronze 2003 in Paris leer aus.

Zuletzt war sie am 30. August 2006 in Warschau ohne Anfangshöhe geblieben.

Jelimo muss aufgeben

Überraschend blieb im 800-m-Halbfinale Pamela Jelimo (Kenia) auf der Strecke, die 2008 in Peking mit 18 Jahren Olympiasiegerin geworden war. Über 400 m Hürden zog Jonna Tilgner (Bremen) in 56,73 Sekunden als Vorlauf-Fünfte ins Halbfinale am Dienstag ein. Bisher sind von 27 Deutschen in Vorkämpfen neun gescheitert.

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