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Shelly-Ann Fraser ist die viertschnellste Frau über 100 Meter aller Zeiten © getty

Nach Usain Bolt am Vortrag sichert sich auch bei den Frauen die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser den Titel über 100 Meter.

Berlin - Das "Königspaar" der Leichtathletik kommt aus der Karibik: Einen Tag nach dem phänomenalen Weltrekord-Lauf ihres Landsmannes Usain Bolt 140985(Die Bilder) stürmte auch die Jamaikanerin Shelly-Ann Fraser im WM-Finale der Frauen über 100 m in Jahresweltbestzeit von 10,73 Sekunden auf den Sprint-Thron.

Sie wiederholte wie der ebenfalls 22-Jährige Bolt den Olympia-Triumph von Peking. Die Olympia-Zweite Kerron Stewart machte in 10,75 Sekunden den jamaikanischen Doppelsieg perfekt. Dritte wurde die US-Amerikanerin Carmelita Jeter (10,90).

Fraser, die im Ziel auf die Bahn sank und ihr Gesicht in den Händen vergrub, machte damit in der ewigen Bestenliste einen Sprung auf Platz vier und ist nach der dopinggeständigen Marion Jones (1999/10,70) die zweitschnellste Weltmeisterin der Geschichte.

Weltrekord bleibt unangetastet

Der 21 Jahre alte Weltrekord der bereits im Alter von 38 Jahren unter mysteriösen Umständen verstorbenen Florence Griffith-Joyner (USA) mit 10,49 Sekunden blieb jedoch erwartungsgemäß unangetastet.

Mit vier von sechs möglichen Einzel-Medaillen stellt Jamaika die USA im Duell der beiden Sprint-Großmächte wie schon bei Olympia vor einem Jahr auch bei den Titelspielen in Berlin bislang klar in den Schatten. 141213(Die Bilder des dritten Tages)

Dem US-amerikanischen Team droht angesichts der jamaikanischen Dominanz ein ähnlich siegloses Fiasko wie in Peking.

Erst zum dritten Mal in der WM-Geschichte haben sich eine Frau und Mann aus dem selben Land zeitgleich die Sprint-Krone aufgesetzt. Zuvor waren dies nur dem Lauryn Williams und Justin Gatlin (2005) sowie der Dopings-geständigen Marion Jones gemeinsam mit Maurice Greene (1997 und 1999) geglückt.

Vier Jamaikanerinnen im Finale

In einem hochkarätig besetzten Feld mit vier Jamaikanerinnen ließ Fraser von Beginn an keine Zweifel an ihrem Sieg.

Nach einem starken Start bewies sie auch das notwendige Stehvermögen und wehrte den Angriff ihrer Landsfrau Stewart erfolgreich ab.

Sailer scheitert im Halbfinale

Die deutsche Meisterin Verena Sailer war zweieinhalb Stunden vor dem Finale in 11,24 Sekunden erwartungsgemäß in der Vorschlussrunde ausgeschieden, sicherte sich aber zumindest den inoffiziellen Titel der besten Europäerin und weckte Titelhoffnungen für die EM in Barcelona im kommenden Jahr.

"Das ist doch auch eine schöne Sache, bis zur EM ist es aber noch lange hin. Aber ich bin auf dem richtigen Weg", sagte die Mannheimerin.

Fraser ursprünglich vom Verband gestrichen

Dass sich ausgerechnet Fraser zur neuen Sprint-Königin kürte, dürfte für Gesprächsstoff und weiteren Wirbel sorgen.

Eigentlich hätte die sie gar nicht starten sollen, nachdem der jamaikanische Verband JAAA sie und fünf weitere Athleten, darunter auch Asafa Powell, Bronze-Gewinner bei den Männern, aus dem WM-Kader gestrichen hatte.

Die Sportler waren nicht im Trainingscamp der Jamaikaner in Herzogenaurach erschienen.

Sanktionen noch möglich

Erst nach Intervention des Weltverbandes IAAF knickte die JAAA ein nahm die Suspendierung zurück. Allerdings hält sich die Verbandsspitze Sanktionen nach der WM offen. "Wir wussten nicht, dass die Teilnahme verbindlich war", verteidigte sich Fraser. (zum WM-Zeitplan)

Die 22-Jährige hat das Talent von ihrer Mutter Maxine geerbt, die ebenfalls eine vielversprechende Läuferin war, ihre Karriere als Teenagerin aber zugunsten der Familie beendete.

"Meine Mutter ist wohl der wichtigste Grund, warum ich laufe", sagte Fraser, die in ärmlichen Verhältnissen im Kingston-Ghetto Waterhouse aufgewachsen ist.

"Als Kind bin ich barfuß gerannt. Ich habe hart dafür gearbeitet, um da hinzukommen, wo ich heute bin", erklärte der Star.

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