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Shelly-Ann Fraser (r.) lief 100-m-Finale mit 10,73 Sekunden Weltjahresbestleistung © getty

Bolt, Fraser und Co. dominieren die Sprintwettbewerbe bei der WM in Berlin. Den US-Amerikanern droht ein Debakel.

Berlin - Usain Bolt ist nach dem 200-m-Verzicht seines größten Rivalen auf dem Weg zum WM-Double praktisch ohne Gegner und die "Karibik-Girls" dominieren nach Belieben:

Die nur drei Millionen Menschen zählende Insel Jamaika stellt die Sprinter der nach nach Fläche und Einwohnerzahl über hundert Mal größeren USA bei der WM in Berlin brutal in den Schatten.

Die Vereinigten Staaten laufen vier Jahre nach ihrem einzigen totalen Sprint-Triumph bei eine WM (2005 Göteborg) Gefahr, dem Karibik-Staat alle sechs Sprint-Titel zu überlassen.

Jamaika hatte schon 2008 bei Olympia in Peking auf fünf Distanzen triumphiert. Nur die Frauen-Staffel blieb nach einem Wechselfehler ohne Gold.

Sprüche vor dem Finale

Bolt machte am Dienstag deutlich, dass die Amerikaner auch über 200 m nichts zu bestellen haben dürften.

Zwei Tage nachdem der 22-Jährige die Welt mit dem 100-m-Fabelweltrekord von 9,58 Sekunden 140985(Die Bilder) in Staunen versetzte, lief er in Jogging-Tempo locker in den Zwischenlauf am gleichen Abend (20,70 Sekunden).

"Alles ist gut", sagte Bolt zu seinem Lauf. Seine Ankündigung für das Finale am Donnerstag aber dürfte seine Kontrahenten in Angst und Schrecken versetzen: "Ich werde da rausgehen und mir das Herz aus dem Leib rennen. Es wird bestimmt viel Spaß machen."

Gay startet nur noch in der Staffel

Der Einzige, der mit dem "Außerirdischen" zumindest halbwegs hätte Schritt halten können, verzichtete freiwillig auf einen Start.

Tyson Gay, der sich seit Wochen mit hartnäckigen Leistenbeschwerden plagt, sieht im direkten Duell gegen "Blitz" Bolt aufgrund seiner Verletzung keine Chance und setzt alles auf die Karte 4x100 m.

"Ich glaube, dass ich mich dadurch am besten auf den Staffelwettbewerb vorbereiten kann. Ich will unserem Team so gut ich kann helfen", sagte der Jahresweltbeste Gay (19,58 Sekunden), der damit auf jeden Fall auch den zweiten seiner drei WM-Titel von Osaka verlieren wird.

Jamaika auch bei den Frauen top

Die Staffeln am Schlusswochenende scheinen die einzige Chance der US-Sprinter auf Gold zu sein. Zu dominant präsentieren sich die Karibik-Flitzer bisher. (zum WM-Zeitplan)

24 Stunden nach Bolts Wunderlauf stürmte Olympiasiegerin Shelly-Ann Fraser im 100-m-Finale mit vier Jamaikanerinnen in Jahresweltbestzeit von 10,73 Sekunden zu ihrem Landsmann auf den Sprint-Thron.

Landsfrau Kerron Stewart machte als Zweite (10,75) den Doppelerfolg perfekt. Dem US-Team blieb nur Bronze durch Carmelita Jeter (10,90).

Sozialer Aufstieg für Fraser

"Unser Land hat in den letzten Jahren vieles einstecken müssen, da wollen wir den Leuten etwas Freude bringen. Deswegen trainieren wir so hart", erklärte Fraser.

Die 22-Jährige ist zudem ein Beispiel für die Sehnsucht nach sozialem Aufstieg durch den Sport. Als Kind wuchs Fraser im berüchtigten Kingston-Bezirk Waterhouse auf und träumte wie fast alle Jugendlichen, der Armut davonzulaufen. "Ich habe hart dafür gearbeitet, um da hinzukommen, wo ich heute bin", sagte Fraser.

Rogge glaubt an saubere Leistung

Doping-Verdächtigungen gegen Jamaika wischte IOC-Präsident Jacques Rogge höchstpersönlich vom Tisch.

"Bolt ist mehrere Dutzend Mal kontrolliert worden und immer war es negativ. Ich bin überzeugt, dass er sauber ist. Es gibt keinen Grund, an ihm zu zweifeln. Ich wäre sehr überrascht, wenn er mich irreführt", sagte Rogge der belgischen Zeitung "Le Soir".

"Ich weiß aus der Vergangenheit, dass man von anderen Athleten desillusioniert worden ist. Aber ich glaube nicht, dass Bolt auch ein solcher sein wird."

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