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Jelena Issinbajewa ist mit 5,05 m aktuelle Weltrekordhalterin im Stabhochsprung © getty

Die russische Stabhochspringerin findet noch immer keine Erklärung für ihr Debakel. Ihr Salto Nullo soll sie nun anspornen.

Berlin - Die Tränen nahmen die Schminke mit, den Schmerz konnten sie nicht fortspülen:

Als Jelena Issinbajewa bei der WM in Berlin aus dem Stabhochsprung-Himmel gefallen war, zeigte die entthronte Weltmeisterin Gefühle wie bei ihren schönsten Siegen.

Auf der Suche nach einer Erklärung zog die Russin von Mikrophon zu Mikrophon und versuchte ihr erstes Debakel nach je zweimal WM- und Olympiagold zu analysieren.

Doch eine passende Antwort fand sie nicht: "Ich weiß auch nicht was passiert ist. Ich kann es einfach nicht glauben."

"Mittlerweile kann ich wieder lächeln"

In Tränen aufgelöst war neben Issinbajewa auch Deutschlands WM-Vierte Silke Spiegelburg.

Beim Sieg der Polin Anna Rogowska (4,75) kam die Leverkusenerin höhengleich mit den beiden Silbermädels Chelsea Johnson (USA) und Monika Pyrek (Polen/je 4,65) auf Rang vier (Der Zeitplan).

"Ich habe noch nie im Leben so einen so guten Sprung gemacht wie hier über 4,75 m. Ich war so hoch drüber und dann reiße ich den", sagte die 23-Jährige, die sich erst am nächsten Morgen besser fühlte.

"Mittlerweile kann ich wieder lächeln. Wenn Jelena keinen Salto Nullo gemacht hätte, wäre es für mich als Fünfte vielleicht leichter gewesen, das Ergebnis wegzustecken."

Volles Risiko im dritten Versuch

Issinbajewa war im Höhenrausch mit 4,75 m so hoch wie nie zuvor in einen WM-Wettbewerb eingestiegen.

"Die schaffe ich im Training locker. Beim Warmmachen bin ich 4,70 gesprungen. Ich war bereit", sagte sie russischen Medienvertretern.

Nach einem Fehlversuch musste die 27-Jährige alles riskieren und ließ 4,80 auflegen.

"Zweite oder Dritte zu werden ist für mich keine Option gewesen."

Weg zum Trainer gescheut

Von "Schock" und "Schande" sprach die erste und bislang einzige 5-m-Springerin der Welt, deren Weltrekord bei 5,05 m steht.

Vor lauter Enttäuschung scheute sie sogar den Weg zu ihrem Coach Witali Petrow, der das Drama von der Tribüne aus verfolgte und dabei sichtlich ratlos war.

Er hatte Issinbajewa nach einer beim Golden-League-Auftakt Anfang Juni in Berlin erlittenen Knieverletzung empfohlen, bis zur WM zu pausieren.

Doch das "Glamour-Girl" ist vertraglich an die Golden League gebunden und konnte die Jagd nach dem Million-Jackpot nicht unterbrechen.

Zukünftig noch konzentrierter

Und so suchte Issinbajewa das Gute in ihrem ersten Salto Nullo seit drei Jahren zu finden. "Sie spornt mich an und hilft mir hoffentlich, zukünftig noch konzentrierter zu sein."

Im Vorfeld schien ein solches Szenario für sie unvorstellbar:

"Als ich auf dem Boden lag und den Beginn des Wettkampfes abgewartet habe, malte ich mir schon meinen Sieg aus."

Battke und Gadschiew enttäuschen

Enttäuschend verlief der Abend auch für die anderen beiden Deutschen neben Spiegelburg.

Für Anna Battke (Siebte) und Kristina Gadschiew (Zweibrücken/Zehnte) endete der Wettkampf mit 4, 40 m.

"Gut, dass es noch andere Dinge im Leben gibt. Jetzt feuern wir in den nächsten Tagen die Kollegen an", meinte Geheimtipp Battke.

Nachdem sich erstmals ein deutsches Frauen-Trio mit dem Stab für ein WM-Finale qualifiziert hatte, war nach der Qualifikation der Traum von einer Medaille gereift.

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