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Ob Sam Effah (r.) Favorit Usain Bolt auf den 200 Metern gefährlich werden kann? © getty

Usain Bolt will sich über die 200 Meter das "Herz aus dem Leib rennen". Fredericks glaubt an den nächsten Fabel-Weltrekord.

Berlin - Der größte Rivale kapituliert, die Wettanbieter resignieren, die hohen Funktionäre geben Rückendeckung: Dem Sprint-Superstar Usain Bolt wird auf dem Weg zu seinem WM-Double auf der blauen Piste des Berliner Olympiastadions der rote Teppich ausgerollt.

Nur dreieinhalb Stunden vor seinem 23. Geburtstag könnte sich der Jamaikaner mit dem zweiten WM-Sieg und zweiten Weltrekord selbst die größten Geschenke machen.

Vor dem 200-m-Finale am Donnerstag zweifelt niemand an Teil zwei der Bolt-Festpiele.

Auch deshalb nicht, weil er sich im Halbfinale wieder einmal schonen konnte. In 20,08 Sekunden überlief Bolt die Linie.

Nur um sieben Hundertstel verpasst hat das Finale Robert Hering. Der deutsche Meister kam in 20,52 als Fünfter ins Ziel.

200 Meter in unter 19 Sekunden?

"Ich werde den Rekord nicht jagen, aber ich werde mein Bestes geben. Ich werde da rausgehen und mir das Herz aus dem Leib rennen. Es wird bestimmt Spaß machen", sagte Bolt, der im 100-m-Finale am Sonntag die Welt mit einem Fabelweltrekord von 9,58 Sekunden in Staunen versetzt hat. 140985(die Bilder)

Die 200-m-Bestmarke liegt bei 19,30 Sekunden, aufgestellt bei Bolts zweitem von insgesamt drei Olympiasiegen in Peking.

Laut Frankie Fredericks, 200-m-Weltmeister 1993 in Stuttgart, könnte der Mann von der Karibik-Insel sogar die 19-Sekunden-Schallmauer durchbrechen: "Nicht undenkbar, dass Bolt unter 19 Sekunden bleibt."

Keine Revanche des 100-m-Finales

Die nächste Mauer soll in Berlin fallen.

Auf die leistungssteigernde Wirkung seiner Rivalität mit Tyson Gay muss der schnellste Mensch der Welt jedoch verzichten. 141844(Die Bilder des fünften Tages)

Der US-amerikanische Titelverteidiger sieht angesichts seiner Leistenprobleme keine Chance im direkten Duell mit seinem Widersacher und sagte die Revanche für das 100-m-Rennen ab.

Ob der Jahresbeste (19,58) Bolt hätte gefährlich werden können, bleibt zu bezweifeln, obwohl der "Außerirdische" nach den Qualifikationsrunden sogar menschliche Züge zeigte. (zum WM-Zeitplan)

"Ich bin ein bisschen müde, aber okay", meinte Bolt. Das solle jedoch niemand als Zeichen verstehen, er würde schwächeln: "Das ist nichts, was man mit einer guten Portion Schlaf nicht beheben kann."

Bolt vermießt Wettanbietern das Geschäft

Eine angenehme Nachtruhe kann - wie schon beim ersten WM-Triumph - im Maximalfall (Sieg und Weltrekord) 160.000 Dollar Wert sein, ganz zu schweigen von den zusätzlichen Prämien seiner Sponsoren.

Die Sportwettenanbieter dagegen verdienen schon lange kein Geld mehr mit Bolt.

Nach dem 100-m-Rennen sank bei "bwin" die Quote auf einen Sieg des Jamaikaners über die doppelte Distanz von 1,06 auf 1,03.

Als Gay seinen Verzicht bekannt gab, wurde die Wette sogar kurzzeitig aus dem Angebot genommen. "Das kommt ganz, ganz selten vor", sagte "bwin"-Direktor Jörg Wacker: "Favoritensiege sind immer schlecht für das Geschäft." Nach vielen Anfragen dürfen die Leute wieder auf Bolt setzen, viel Geld ist bei einer Quote von 1, 05 aber nicht zu holen. Für 100 Euro Einsatz gäbe es 105.

Rogge und Bach lassen Vorverurteilung nicht zu

Dass Bolts Dominanz nicht nur mit dem enormen Talent zu erklären ist, haben Kritiker aktuell angemahnt.

IOC-Präsident Jacques Rogge dagegen verteidigte den Sprinter: "Er ist mehrere Dutzend Mal kontrolliert worden und immer war es negativ. Ich bin überzeugt, dass er sauber ist. Es gibt keinen Grund, an ihm zu zweifeln. Ich wäre sehr überrascht, wenn er mich irreführt."

Auch DOSB-Präsident Thomas Bach hält eine Vorverurteilung für falsch.

"Der Sport lebt von Sternstunden, und er lebt auch von ganz besonderen Talenten. Man darf diese Faszination nicht mit einem Generalverdacht ersticken", hatte Bach in einem Interview mit Zeitungen der "WAZ"-Gruppe gesagt.

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