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Robert Harting ist zweimaliger Deutscher Meister im Diskuswurf © getty

Eine Ausschluss-Forderung des früheren Bahnradsportler Uwe Trömer soll der Auslöser für Hartings Verbal-Ausraster bei der WM sein.

Berlin - Die heftige Verbal-Attacke von Diskus-Mitfavorit Robert Harting auf die deutschen Dopingopfer hatte bei der Leichtathletik-WM in Berlin offenbar einen aktuellen Anlass.

Laut Jürgen Mallow, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), hatte ein führender Vertreter des Vereins der Dopingopfer unmittelbar vor Hartings Äußerungen den Ausschluss des WM-Zweiten von Osaka 2007 aus der Nationalmannschaft gefordert.

Damit hätte der Weltranglistenvierte auch in Berlin nicht mehr starten dürfen.

Mallow wollte ansonsten zu der Affäre nicht mehr Stellung nehmen, machte jedoch deutlich, dass er nicht glaube, dass die entstandene Problematik sich auf die sportlichen Chancen des Berliners am Mittwochabend im Diskusfinale auswirke.

Er habe ihn beim Frühstück gesehen, zwar nicht mit ihm gesprochen, aber Harting habe sehr viel Zuversicht ausgestrahlt.

Streit um Goldmann

ARD-Doping-Experte Hajo Seppelt stellte am Mittwoch klar, nicht der zuerst genannte Gerd Jacobs sondern der frühere Bahnradsportler Uwe Trömer habe im Deutschlandfunk den Harting-Ausschluss gefordert.

"Die Namensverwechslung ist bedauerlich, aber eigentlich ändert es nichts am Sachverhalt", reagierte Mallow auf die von ihm weitergegebene Fehlinformation.

Der frühere DDR-Diskuswerfer Jacobs hatte vergangenes Jahr Hartings Trainer Werner Goldmann der Weitergabe von Dopingmitteln in den achtziger Jahren bezichtigt. Goldmann war daraufhin vom DLV entlassen worden, steht aber vor der Wiedereinstellung. Er betreut Harting bei der WM. (Alle WM-News)

Harting rudert zurück

Harting hatte nach erfolgreicher Qualifikation für das Finale erklärt: "Wenn der Diskus aufkommt, soll er gleich gegen eine der Brillen springen, die die Dopingopfer hier verteilt haben - damit sie wirklich nichts mehr sehen. Die Leute, die die Sachen vor den Kopf bekommen, sollen sich Gedanken machen."

In einer Erklärung, die der DLV fünf Stunden nach Hartings Attacke über seinen "Vize" Eike Emrich verbreitete, "bedauerte" der Berliner "seine Aussagen gegenüber Dopingopfern" und bat um Nachsicht, "dass die Anspannung des Qualifikations-Wettkampfes nachwirkte und zu unakzeptablen Äußerungen geführt hatte."

Harting will sich am Donnerstag in der DLV-Pressekonferenz äußern. Nach der WM soll ein ausführliches Gespräch mit Harting stattfinden, der schon öfter durch Äußerungen Eklats verursacht hatte. (Der Zeitplan)

Entrüstung bei den Dopingopfern

Entrüstet hatten die Dopingopfer auf Hartings Attacke reagiert. "Das ist ein offizieller Angriff gegen Geschädigte", sagte Andreas Krieger, selbst Dopingopfer: "Wenn so die neuen Helden im deutschen Sport aussehen, ist es um den deutschen Sport schlecht bestellt."

Vizeweltmeister Harting zielte auf eine Kampagne der Doping-Opfer-Hilfe-Verein (DOHV). Diese verteilt vor dem Berliner Olympiastadion 25.000 Schutzbrillen, um symbolisch gegen die ihrer Meinung nach zu harmlose deutsche Anti-Doping-Politik zu protestieren.

Die Papierbrillen verwehren den Durchblick auf einen vom Doping belasteten Sport.

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