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Ariane Friedrich wurde bei Olympia 2008 Siebte im Hochsprung © getty

Die deutsche Hochspringerin verliert das Nervenspiel gegen ihre Konkurrentin Blanka Vlasic. 2,02 Meter reichen nur für Bronze.

Berlin - Der verpasste Gold-Sprung schmerzte nur Sekunden.

Einen Moment lang ging Hochspringerin Ariane Friedrich auf der Matte in sich, dann machte die 25-Jährige den Diener vor dem Berliner Publikum und klatschte für die große Rivalin Blanka Vlasic bei ihren Weltrekord-Versuchen über 2,10 m Beifall.

Während die Kroatin wie 2007 mit 2,04 siegte, tröstete sich Friedrich mit Bronze: höhengleich mit Silbermedaillengewinnerin Anna Tschitscherowa aus Russland (Alle News).

Es war das sechste deutsche Edelmetall der Heim-WM (zum WM-Zeitplan).

Publikum gehorcht Friedrich

Dabei glich Friedrichs Auftritt bis zum ersten Fehlversuch über 2,02 einer wahren Machtdemonstration.

Bei der Vorstellung klatschte sie demonstrativ alle Konkurrentinnen ab und schaut ihnen dabei unbeschwert ins Gesicht.

Als der Wettkampf für die Siegerehrung von Diskus-Weltmeister Robert Harting unterbrochen wurde, bewegte sich die 25-Jährige glücklich lächelnd im Rhythmus der Nationalhymne mit.

Beim ersten Anlauf über 1,92 verlangte Friedrich dann absolute Ruhe und das Publikum gehorchte.

"Gut", kommentierte Trainer Günter Eisinger. So ging es weiter über 1,99, ehe der Bruch bei 2,02 kam.

Erst die zweite Niederlage im 20. Saison-Wettkampf

Dann das Nervenspiel:

Tschitscherowa und Vlasic sind drüber, Friedrich steht unter Druck. Letzter Anlauf. Drüber. "So springt man hoch. Das will ich sehen, dass war die Medaille. Jetzt wird gekämpft", rief Trainer Günter Eisinger von der Tribüne.

Doch mit der Ferse riss Friedrich hauchdünn die 2,06 m, für die sie ihren letzten Anlauf aufbewahrt hatte.

Es war ihre zweite Niederlage im 20. Saison-Wettkampf.

"Ich bin über diese Medaille einfach nur glücklich", sagte Friedrich: "Blanka war heute einfach überragend. Auch Anna war stark. Deshalb bin ich heute sehr zufrieden. Ich habe die letzten Nächte so schlecht geschlafen. Ich habe mir immer wieder diese tolle Atmosphäre hier vorgestellt."

Vlasic scheitert an Weltrekord-Höhe

Vlasic, die 2,04 schafft, biss sich aber am 22 Jahre alten Weltrekord von Stefka Kostadinowa (Bulgarien) die Zähne aus. Das konnte sie allerdings verschmerzen.

"Es war großartig, ich habe viel Druck gespürt, ich bin so glücklich. Es fühlt sich an wie beim ersten Mal, es war ein sehr emotionaler Wettkampf. Deshalb bin ich froh, dass er vorbei ist", meinte Weltmeisterin Vlasic.

Friedrich-Coach Eisinger hatte immer gewarnt, das Gold schon fest einzuplanen."Die Weltspitze ist eng." Es zeigte sich in Berlin. Eisinger ist der Vater von Friedrichs Erfolgen.

Der Coach und Manager führt die Hochspringerin seit Jahren besonnen. "Ihm vertraue ich voll", sagt die Polizei-Kommissarsanwärterin, deren Aufstieg in die Weltspitze mit dem ersten 2,00-m-Sprung im Januar 2008 begann.

Mit eigener Matratze im Hotel

Nichts ließ die Hochspringerin in der WM-Vorbereitung unbedacht, nachdem ihre hochfliegenden Pläne bei den Sommerspielen im Vorjahr in Peking aufgrund einer Verhärtung der Gesäßmuskulatur mit Rang sieben gescheitert waren.

Nach dem Motto: "Wie man sich bettet - so fliegt man" brachte Friedrich sogar ihre eigene Matratze mit ins Athletenhotel.

Am Tag vor dem Wettkampf fuhr sie mit ihrem Trainer nochmals in den ruhigen Kraftraum des Bundesleistungszentrums im brandenburgischen Kienbaum, um sich den letzten Pepp zu holen.

Kröger landet auf Rang elf

Dabei wäre das große Duell mit Vlasic beinahe schon vor Qualifikation geplatzt, denn die Friedrich-Rivalin hatte sich am Dienstag beim Verlassen des Hotelzimmers am Türrahmen eine böse Kopfwunde geholt und musste im Krankenhaus mit sechs Stichen genäht werden.

Meike Kröger als zweite deutsche Final-Teilnehmerin belegte beim Heimspiel in Berlin mit 1,87 Rang elf.

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