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Andre Höhne stellte seine Bestzeit von 3:49 Stunden über 50 km 2004 auf © getty

Beim WM-Sieg des Russen Kirdjapkin über 50 km Gehen kämpft sich Andre Höhne auf den fünften Platz vor und rehabilitiert sich.

Berlin - Kaum war Andre Höhne über den Zielstrich am Brandenburger Tor marschiert, da fiel der Berliner in die Arme der Helfer.

Völlig entkräftet, aber zufrieden mit sich und der Welt ließ sich der 31-Jährige zur Versorgungsstation führen. "Ich bin fertig, aber glücklich", sagte Höhne nach seinem fünften Platz über 50 km Gehen bei der Leichtathletik-WM in Berlin.

Für Russland wurde ein Geher-Märchen Realität, denn nach 20-km-Siegen durch die Olympiasieger Waleri Bortschin und Olga Kaniskina sorgte Sergej Kirdjapkin in 3:38:35 Stunden für den totalen russischen Triumph auf den Geher-Distanzen. (zum WM-Zeitplan)

Höhne holt auf

Zu Silber marschierte der Norweger Trond Nymark in 3:41:16, zu Bronze der bereits 39 Jahre alte Spanier Jesus Angel Garcia (3:41:37). Er hatte bei der WM 1993 in Stuttgart schon einmal den Titel geholt.

Andre Höhne legte eine famose Aufholjagd hin und senkte seine Bestzeit um 5:41 Minuten auf 3:43:19. "Ich habe mich tierisch gefreut. Mancher fünfte Platz ist so viel wert wie eine Medaille", sagte Sportdirektor Jürgen Mallow vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

"Ich wollte allen zeigen, dass ich noch ein Pfund im Kasten habe", sagte der Berliner und bot eine Aufholjagd der Sonderklasse. Nach mäßigem Beginn war er bei Kilometer fünf auf Rang 19 zurückgefallen.

Während die Top-Favoriten wie der russische Weltranglisten-Erste Denis Nischegorodow (3:34:14) oder Italiens Olympiasieger Alex Schwazer erschöpft ausstiegen, biss Höhne auf die Zähne und kämpfte sich Platz um Platz vor.

Verhaltener Beginn

"Ich wollte defensiv angehen, und hinten Boden gutmachen", sagte Höhne. Auf den letzten Runden des 1-km-Rundkurs auf dem Boulevard Unter den Linden riskierte Höhne alles und nahm zwei Rote Karten für Gehfehler in Kauf.

Bei einer weiteren Verwarnung wäre er ausgeschieden. "Ich habe meine Technik umgestellt. Das haben die Richter registriert und mich ins Ziel kommen lassen", sagte Höhne.

Beim unbefriedigenden 14. Rang sechs Tage zuvor über 20 km hatte sich der Sportsoldat durch einen Kieselstein im Schuhe eine Fersenprellung zugezogen, sein 50-km-Start war lange gefährdet.

Zum zweiten Mal in Medaillennähe

"Ich habe in den letzten zwei Tagen hervorragend regeneriert und schon auf eine Bestzeit gehofft. Dass es so gut wird, hätte ich nicht gedacht", sagte Höhne.

Mit Platz fünf kam Höhne nach Rang vier 2005 über 20 km zum zweiten Mal bei einer WM wieder in Medaillennähe. "Heute werde ich ins Deutsche Haus gehen und mir ein Bierchen genehmigen", sagte der Olympia-Zwölfte von 2008, der dann Ehefrau Janin und Söhnchen Luca Laurin in die Arme schloss.

"Ohne sie hätte ich es nicht geschafft."

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