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Usain Bolt lag im Ziel mehr als sechs Zehntel vor dem Zweiten Alonso Edward © getty

Nach seiner zweiten Fabel-Zeit hofft Usain Bolt auf den Ritterschlag und Ruhe, ist aber "bereit für den nächsten Weltrekord".

Berlin - Erst spielte der Superstar den "Witz-Bolt", dann sprengte er als "Außerirdischer" jede menschliche Vorstellungskraft, jetzt will er zum Ritter geschlagen werden.

"Wenn mir die Queen den Titel 'Sir Usain' verleihen würde - das wäre großartig. Das klingt doch wunderbar", sagte Usain Bolt nach seinem 200-m-Fabelweltrekord von 19,19 Sekunden.

Damit versetzte der Sprint-Dominator nach seinem 100-m-Wunderlauf die Welt ein zweites Mal in ungläubiges Staunen. Und der Showman kündigte bereits Teil III der Bolt-Festpiele von Berlin an. (zum WM-Zeitplan)

Am Geburtstag "lange schlafen"

"Ich bin bereit für meinen nächsten Weltrekord. Ich hoffe, meine Teamkollegen sind es auch", sagte "Mister 200.000 Bolt" (L'Equipe) mit Blick auf den 4x100-m-Staffelwettbewerb am Samstag.

Sollte der Mann von der Karibik-Insel dort sein drittes Gold mit Bestzeit holen und damit den Dreifach-Triumph mit Weltrekord-Triple von Olympia in Peking wiederholen, würde er sich endgültig unsterblich machen.

Sein größter Wunsch für seinen 23. Geburtstag am Freitag waren aber weder Titel noch Rekorde: "Ich will lange schlafen. Ich bin echt müde."

"Das wird niemals wieder jemandem gelingen"

Bei seinem berauschenden 200-m-Triumph bewies der 1,93 große Schlacks, dass Grenzen für ihn offenbar nicht existieren.

In seiner phänomenalen Siegerzeit war Bolt um elf Hundertstel schneller als bei seinem Olympiasieg (19,30) und nur um drei Hundertstel langsamer als die doppelte 100-m-Weltrekordzeit (9,58) - trotz einer Kurve.

"Noch nie hat irgendjemand zuvor so eine Kurve hingelegt, und es wird auch niemals wieder jemandem gelingen", sagte der legendäre Michael Johnson. Bolt sei zwar nicht mit Technik gelaufen, aber er habe die Bahn gerockt.

Unterwegs zum Überschall?

Der nach dem verletzungsbedingten Verzicht seines größten Rivalen Tyson Gay (USA) praktisch konkurrenzlose Bolt erwischte einen fantastischen Start (5,6 Sekunden auf den ersten 50 m) und ließ seine Gegner von der ersten Sekunde an wie Anfänger aussehen.

"Ich habe ihn maximal drei Sekunden gesehen", gestand der Dritte Wallace Spearmon (USA/19,85). Dem Silbermedaillen-Gewinner Alonso Edward aus Panama (1981) erging es nicht besser.

Die Medien übertrafen sich wie schon nach Bolts erstem Wunderlauf mit Superlativen. "Bestialisch! Usain Bolt, der König Midas der modernen Leichtathletik", schrieb die spanische Zeitung Sport. Frankreichs Sportblatt L'Equipe vermutet, der Jamaikaner würde erst bei der Überschallgeschwindigkeit an seine Grenzen stoßen.

Neue Motivation über 400 m

"Ich weiß nicht, wo meine Grenzen sind. Man muss sie einfach ignorieren", meinte Bolt, dem Ex-Weltmeister Frankie Fredericks und andere Experten sogar zutrauen, als erster Mensch die 19-Sekunden-Schallmauer zu durchbrechen.

"Ich setze mich nicht unter Druck", meinte der Reggae-Boy cool: "Ich habe den Leuten bewiesen, dass das in Peking kein Witz war. Mein wichtigstes Ziel bleibt, eine Legende zu werden. Ich bin auf einem guten Weg."

Da Bolt über die Sprintstrecken die Gegner ausgehen, könnte ihm ein Wechsel auf die Stadionrunde neue Motivation geben. "Ich beschäftige mich im Training damit", veriet er.

Bolt betont: "Ich bin echt"

400-m-Weltrekordinhaber Johnson fürchtet bereits um seine zehn Jahre alte Bestmarke (43,18): "Das ist sehr gut möglich. Aber das wird nicht so schnell gehen wie über 100 und 200 m."

Doch nicht alle stimmen in den Jubel-Chor mit ein. Die New York Times zum Beispiel äußerte Zweifel an der Sauberkeit des Supermanns: "Das Kopschütteln hält an. Es ist das Usain-Bolt-Syndrom, und es ist nach den Läufen Bolts zum Ritual geworden."

Der Überflieger weiß, dass er das Doping-Gespenst nicht so leicht abschütteln kann wie seine Gegner: "Ich kann nur immer wieder betonen, dass ich sauber bin. Ich werde ständig getestet, ich trainiere hart, ich bin echt."

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