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Friedrich (re.) und Blanka Vlasic verbindet gesunde Konkurrenz - kein Zickenkrieg © getty

Die Bronzemedaille ist für die Hochspringerin nicht nur ein sportlicher Erfolg. Blanka Vlasic' Erfolg erkennt sie neidlos an.

Berlin - Die großen Rivalinnen konnte sie im Wettkampf (zum WM-Zeitplan) nicht vernaschen, endlich aber die erste Schokolade nach Wochen der Enthaltsamkeit.

Mit Bronze am Hals knabberte Ariane Friedrich genüsslich an einer "Knusperflocke" und schwärmte am Morgen nach dem Hochsprung-Krimi: "Die war sowas von gut."

Obwohl das große Duell gegen Titelverteidigerin Blanka Vlasic (Kroatien/2,04) mit 2,02 m verlorengegangen war, fühlte sich Deutschlands größte Goldhoffnung nach Rang drei mit der höhengleichen Zweiten Anna Tschitscherowa (Russland) als Siegerin, mindestens der Herzen. (Alle News)

Bronze war auch Gold wert für ihre Psyche. "Da waren Männer im Stadion, die hatten meinen Namen auf ihren Oberkörper geschrieben. Das ist ein sehr großes Kompliment. Das ist toll."

"Das war ein schlimmer Druck"

"Überhaupt kein Wehmut", spürte die 25-Jährige. "Die anderen waren besser, das erkenne ich neidlos an. Davon lebt die Leichtathletik. Ich bin sehr, sehr glücklich." Mit zwei Niederlagen bei 18 Saisonwettkämpfen hat sie weiter die beste Quote aller Top-Springerinnen. Vlasic verlor bei 19 Auftritten viermal.

Friedrich plauderte am Freitag, als sei sie von einer Zentnerlast befreit.

"Die Wochen vorher, das war ein schlimmer Druck."

"Da wurde ein Haufen Mist geschrieben"

Alle hatten seit ihrem deutschem Rekord (2,06) Anfang Juni beim ISTAF an gleicher Stelle und dem Sieg gegen Vlasic das Duell der beiden dominierenden Springerinnen der Saison hochstillisiert.

"Da wurde ein Haufen Mist geschrieben", behauptete Vlasic, für die die ISTAF-Niederlage ein Schlüsselerlebnis war: "Da ist ein bisschen von meinem Druck auf Ariane übergegangen. Das war gut so."

Friedrich fasziniert von Bolt

Der WM-Showdown vor 57.000 Besuchern in Friedrichs "Wohnzimmer", wo sie 2008 erstmals 2,00 m im Freien gesprungen war und 2009 den deutschen Rekord aufstellte, wurde der erwartete Krimi.

Friedrich musste zwischendurch sogar auf die Toilette. "Nervöses Pippimachen nennt man das."

Und dann störte Usain Bolt mit seinem Sturm zum 200-m-Weltrekord (19,19 Sekunden). "Da hatte auch ich Boltmania. Eine Wahnsinns-Leistung. Wow. Toll."

"Hab' Spaß! Genieße das!"

Gespenstische Stille herrschte im weiten Rund, wenn die deutsche "Hochsprung-Rakete" anlief und vorher per Handbewegung auf den Lippen zur Ruhe mahnte.

"Ich war schon sehr, sehr aufgeregt. Da wäre es für mich fatal gewesen, wenn ich auch noch 57.000 Händepaare hinter mir gehabt hätte."

Nur sie selbst feuerte sich an: "Ich schaff' das! Hab' Spaß! Genieße das!", rief sich Friedrich zu.

Beim letzten für 2,06 aufgehobenen Versuch nützte es nichts mehr. "Der war dann richtig gut, nur ein bisschen zu dicht. Ich wäre nicht ich gewesen, hätte ich nicht noch um den zweiten Platz gekämpft und diese Höhe versucht."

Es gibt keinen Zickenkrieg

Für Friedrich ist WM-Bronze mehr als eine Medaille. "Jetzt bin ich nicht mehr das German Girl, sondern Ariane Friedrich, eine gute Hochspringerin, die auch so wahrgenommen wird."

Und dabei "mal wild, mal quirlig - mal ruhig, mal laut" ist. "Das bin einfach ich. Ich werde mir jetzt keinen Imageberater zulegen."

Den Moment des Erfolges nutzte Friedrich, um mit Vorurteilen aufzuräumen. Von einem Zickenkrieg mit Vlasic war berichtet worden. "Den gibt es nicht. Wir sind gesunde Konkurrentinnen und können uns ein Küsschen und die Hand geben. Wir beide sind sehr, sehr fair."

Wellness-Urlaub für den Coach

Urlaubsreif fühlt sich nach der Nervenschlacht Trainer und Manager Günter Eisinger.

Sechs Wochen lang musste er einen Medienhype abblocken, der seine Athletin zu erdrücken drohte: "Wenn Ariane das mitgemacht hätte, wäre sie in Berlin nicht gesprungen. Das kenne ich nicht mal von Heike Henkel."

Friedrich beobachtete, wie ihr Coach litt: "Ich weiß, dass er ganz wenig Schlaf in den Knochen hat und Ruhe braucht. Ich hoffe, dass ich ihm mit einem Wellness-Urlaub etwas Gutes tun kann."

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