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Alexander Kosenkow (re.) und Marius Broenig sind die Pechvögel der Staffel © getty

Die DLV-Staffel patzt und lässt den Schuldigen per Biomechanik suchen. US-Girl Allyson Felix bricht Jamaikas Sprint-Dominanz.

Berlin - Amerikas Sprinter haben am siebten Tag der WM in Berlin (Alle News) Jamaikas Chance auf die totale Dominanz auf den Kurzstrecken verhindert.

Vor 42.378 Zuschauern im Olympiastadion feierte Allyson Felix ihren dritten WM-Triumph in Serie über 200 m und wies Jamaikas Olympiasiegerin Veronica Campbell-Brown (22,35) in die Schranken.

Den Titelhattrick verpasste dagegen über 400 m Jeremy Wariner, da Landsmann LaShawn Merritt (44,06) wie bei Olympia in Peking triumphierte. Damit zogen die USA mit sechs Goldmedaillen am kleinen Karibikstaat (5) vorbei.

Merrit schaltet den Turbo ein

Allyson Felix, bei Olympia Zweite hinter Campbell-Brown, zog Mitte der Zielgerade unaufhaltsam davon und wiederholte ihre WM-Triumphe von Göteborg 2005 und Osaka 2007.

Bronze gewann Debbi Ferguson-McKenzie für die Bahamas (22,41).

Für Jeremy Wariner, den viele Experten als Favoriten angesehen hatten, schien zu Beginn der Zielgerade noch die Revanche für Peking möglich.

Doch dann schaltete Merritt den Turbo ein und triumphierte in neuer Jahres-Weltbestzeit. Wariner resginierte am Ende und begnügte sich in 44,60 m Silber. Bronze ging in 45,02 an Renny Quow (Trinidad).

Müller erreicht Rang sechs

Die junge Australierin Dani Samuels hat in Berlin das erste Werfergold bei einer WM für den Fünften Kontinent gewonnen.

Die 21-jährige WM-Sechste von Osaka 2007 erzielte im fünften Versuch 65,44 m. Silber sicherte sich im letzten Durchgang die Kubanerin Yarelis Barrios mit 65,31 vor der 37-jährigen Rumänin Nicoleta Grasu, die auf 65,20 kam.

Sechste wurde die Hallenserin Nadine Müller mit 62,04 m.

Für die Titelverteidigerin und dreimalige Weltmeisterin war bereits in der Qualifikation Endstation. Die 41-jährige Neubrandenburgerin Franka Dietzsch kam in ihrer letzten internationalen Meisterschaft mit einem gültigen Versuch nicht über 58,44 m hinaus.

Keller blieb tatenlos

Fast das ganze Stadion sang Supersprinter Usain Bolt nach der Siegerehrung zum 200-m-Fabelweltrekord von 19,19 Sekunden "Happy Birthday" zum 23. Geburtstag. Jamaikas Staffel kam auch ohne hin ins 4x100-m-Finale, doch das in der Weltrangliste an Position fünf stehende deutsche Quartett verspielte zum Entsetzen des Publikums alle Chancen.

Im Vorlauf verpatzte das als Weltranglisten-Fünfter (38,40 Sekunden) nicht ohne Medaillen-Hoffnungen an den Start gegangene Quartett den zweiten Wechsel von Marius Broening auf Alexander Kosenkow, der wohl zu früh lossprintete, und schied aus.

Schlussläufer Martin Keller kam gar nicht mehr zum Einsatz, Startläufer Tobias Unger hatte den Stab aussichtsreich im Rennen liegend auf Broening übergeben.

"Unser aller Traum ist geplatzt"

"Ich war konsterniert, geschockt, es hat nicht gepasst", sagte Marius Broening, der den Wechsel so schilderte: "Ich hätte mich nicht einmal mehr zur Übergabe nach vorne werfen können. Er war zu weit weg."

Kosenkow dagegen wehrte sich gegen die Rolle des Sündenbocks: "Zu früh, zu spät, zu langsam - unsere Biomechaniker werden das auswerten. Unser aller Traum ist geplatzt, dabei haben wir uns super vorbereitet."

Erstrunden-Aus mal 22

Keller wollte niemandem die Schuld in die Schuhe schieben: "Wir hätten zusammen gewonnen, und jetzt verlieren wir alle zusammen. Alexander läuft seit drei Jahren auf der Position drei. Wenn er sagt, er ist nicht zu früh losgelaufen, dann ist das auch so."

Doch das Aus traf noch vier andere und erhöhte die Zahl der in der ersten Runde gescheiterten Einzelathleten im deutschen Team auf 22.

Auch die US-Staffel ist raus

Die amerikanische 4x100-Staffel ist wegen eines Wechselfehlers disqualifiziert worden. Nach Ansicht der Kampfrichter wurde der Staffelstab außerhalb der Wechselzone übergeben.

Das Quartett um Terrence Trammell, Michael Rodgers, Shawn Crawford und Darvis Patton hatte als Vorlaufschnellster in 37,97 Sekunden das Finale am Samstag erreicht.

Der amerikanische Verband hat bereits Einspruch gegen Disqualifikation eingelegt, eine Entscheidung soll am Samstag fallen. Für die Amerikaner würde Brasilien als achte Staffel in den Endlauf einziehen.

Drei Deutsche springen zu kurz

Während der Rostocker Mark Frank mit 80,85 m ins Speer-Finale am Samstag einzog, scheiterte Tino Hüber (Leipzig) mit schwachen 74, 11 m. Im Gewitterregen patzte das Weitsprung-Trio.

Als 23. blieb Lokalmatadorin und U-23-Europameisterin Melanie Bauschke mit 6,32 m auf der Strecke. Bianca Kappler belegte mit 6,29 m Rang 25, Beatrice Marscheck kam mit 6,19 m nur auf Platz 31.

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