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Bei der Weltmeisterschaft waren 1984 Athleten aus 201 Ländern am Start © getty

Die WM ist ein voller Erfolg: Für den Sport, die Stadt und den DLV. Die Verantwortlichen überschlagen sich mit lobenden Worten.

Berlin - Usain Bolt machte die 12. Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin mit seinen Fabelzeiten zum historischen Ereignis.

Er war die Lichtgestalt beim Weltsportereignis 2009, und Gastgeber Deutschland trat nach dem Olympia-Desaster von Peking aus dem Schatten.

Der angesichts nur einmal Bronze 2008 oft spöttisch belächelte Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) hatte schon vor dem Finaltag neun Medaillen gewonnen - mehr als Realisten erwarten durften.

"Eine exzellente WM. Es war wunderschön. Berlin hat in allen Punkten meine Erwartungen erfüllt", lobte Lamine Diack (Senegal) als Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF.

Thomas Bach ist "begeistert"

"Die Leichtathletik hat mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie vor der WM hatte", stellte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble fest.

Thomas Bach meinte als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB): "Ich bin begeistert, wie die deutschen Leichtathleten sich aus dem Tief herausgezogen haben. Wir haben neue Siegertypen gesehen, die auch für Olympia in London 2012 hoffen lassen."

"Leichtathletik in faszinierender Weise"

"Berlin hat gewonnen", resümierte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit.

Und für DLV-Chef Clemens Prokop war im Fazit der neuntägigen Medaillenschlacht von 1984 Athleten aus 201 Ländern wichtig: "Wir haben die Leichtathletik in faszinierender Weise erlebt. Und der deutschen Mannschaft ist es gelungen, weite Teile der Bevölkerung zu begeistern, die Einschaltquoten beim Fernsehen waren sensationell."

333.000 Dollar für Bolt

Bolts Leistungssprüngen zu 9,58 Sekunden über 100 m und 19,19 über 200 m folgte am vorletzten WM-Tag in 37,31 Sekunden über 4x100 beim dritten Gold des 23-Jährigen im Gegensatz zu Peking (37,10) kein Weltrekord.

Bolt geht auch so in die Geschichte ein: Als erster Sprinter, der ein Olympia-Triple bei der WM wiederholt und in zwei Disziplinen Weltrekord läuft.

"Ich will Jahr für Jahr Champion werden, das ist meine Motivation", sagt der Ausnahmeläufer, der 2010 die 400 m in den Mittelpunkt rücken will. Versüßt wurde ihm die Gala von Berlin mit Prämien in Höhe von 333.000 Dollar.

Berlin-Silber fast wertvoller als Osaka-Gold

Den dritten Weltrekord von Berlin lieferte die Polin Anita Wlodarczyk, die im größten Frauen-Hammerwurf aller Zeiten mit 77,96 die Marke der nach ihrer Dopingsperre als Siebte gescheiterten Russin Tatjana Lysenko (77,80) verbesserte.

Sie konnte die grandios kämpfende Frankfurter Titelverteidigerin Betty Heidler mit ihrem deutschen Rekord von 77,12 gerade noch in Schach halten.

"Dieses Silber ist für mich fast wertvoller als das WM-Gold von Osaka 2007", meinte die gebürtige Berlinerin, hinter der Klubkameradin Kathrin Klaas (74,23) Vierte wurde.

Prokops Tipp war top

Zu Bronze reichte es nach dem Aus der US-Frauen für die deutsche 4x100-m-Staffel in Europa-Jahresbestzeit von 42,87 Sekunden.

"Neun Medaillen 2009 waren nach sieben von 2007 und fünf in 2005 seit Mittwoch mein Tipp", meinte DLV-Präsident Prokop nach zweimal Gold, dreimal Silber und viermal Bronze.

Mehr Edelmetall hatte der DLV zuletzt 1999 (4/4/4) in Sevilla gewonnen, mehr Gold 2001 bei nur sieben Medaillen (3-3-1) in Edmonton/Kanada.

International brachte die WM auch einen Europarekord durch den Franzosen Bouabdellah Tahri bei Bronze über 3000 m Hindernis (8:01, 18) und Jahres-Weltbestmarken in 20 von 47 Entscheidungen.

Bolt und Bekele mit je zwei Einzeltiteln

Erfolgreichstes Team waren einmal mehr die USA mit zehn Titeln (Alle Leichtathletik-News) vor Jamaika (7), Kenia und Russland (je 4).

Ansonsten lag nur Polen (2/4/2) vor Deutschland, das Sechster im Medaillenspiegel wurde.

Die USA gewannen am Schlusstag noch drei Titel, seinen zweiten Langstrecken-Star Kenenisa Bekele (Äthiopien), der neben Bolt einziger Athlet mit zwei Einzeltiteln war.

Kenia überragt Äthiopien

Auch bei den Frauen triumphierte Jamaika über 4x100 m und gewann das Sprinter-Duell der Männer und Frauen über 100, 200 und 4x100 m 5:1 gegen die nur durch Allyson Felix (200) siegreichen USA.

Diese schlugen sich wie bei Olympia in Peking in beiden Sprintstaffeln, durch Verletzung bei den Frauen und Überlaufen der Wechselmarke bei den Männern.

Kenia gewann das Läufer-Duell klar gegen Äthiopien, Russland war erneut Europas stärkste Nation.

Issinbajewa ist die Verliererin

Zu den Helden der WM zählt auch Australiens angeschlagener Olympiasieger Steven Hooker, der als erster Stabhochspringer mit nur einem gültigen Versuch (5,90 m) Gold gewann.

Umstrittenste Siegerin war über 800 m die Südafrikanerin Caster Semenya, die Gefahr läuft, nach einem Geschlechtstest in wenigen Wochen ihr Gold an Janeth Jepkosgei (Kenia) zu verlieren.

Die große Verliererin der WM war Jelena Issinbajewa (Russland). Der haushohen Favoritin unterlief im Finale wie ihrem Mentor Sergej Bubka 1992 bei Olympia in Barcelona ein "salto nullo".

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