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Mann oder Frau? In Südafrika interessiert es kaum jemanden © getty

Während die IAAF weiterhin über das Geschlecht Caster Semenyas rätselt, wird die Südarfrikanerin in ihrer Heimat begeistert empfangen.

Berlin/Johannesburg - Das "Golden Girl" ist wieder zu Hause und die Heimat bereitete einen heldenhaften Empfang: Tausende Menschen haben 800-m-Weltmeisterin Caster Semenya auf dem Flughafen von Johannesburg willkommen geheißen (Alle Medaillengewinnerinnen von Berlin).

Nur langsam konnte sich die wegen ihres männlichen Aussehens und ihrer tiefen Stimme umstrittene 18-Jährige den Weg durch die tanzende und singende Menschenmasse bahnen, unter der auch ihre Familie war.

Dabei wirkte die Hauptdarstellerin zwei Tage nach Ende der Leichtathletik-WM in Berlin bedrückt und in sich gekehrt. "Hallo zusammen", rief sie ihren Anhängern zwar zu, lachte ansonsten aber kaum. Die Situation schien ihr unangenehm.

Südafrikas First Lady des Sports

Auf Schildern huldigten die Menschen "Unsere First Lady des Sports". "100 Prozent Frau" und "Simply the Best", hieß es weiter. (143495DIASHOW: Die Tops und Flops von Berlin)

Auch Winnie Mandela, die Ex-Frau von Ex-Präsident Nelson Mandela, stand Spalier. Das Fernsehen übertrug live.

Am Nachmittag war ein Treffen mit Präsident Jacob Zuma geplant, der Semenya und 800-m-Weltmeister Mbulaeni Mulaudzi sowie das gesamte südafrikanische WM-Team in Pretoria empfing, ehe ein Autokorso durch die Stadt anstand.

Rassismus-Vorwürfe an die IAAF

"Caster ist ein Mädchen. Ich mache mir keine Sorgen. Sie ist wie mein Kind", sagte ihr Onkel Ben Semenya am Flughafen.

Die in diesem Jahr aus dem Nichts in die Weltspitze vorgestoßene Semenya muss sich auf Druck des Weltverbandes IAAF derzeit einem Sex-Test unterziehen, mit dem ihr Geschlecht bestimmt werden soll.

Diese Nachricht hatte ihren Sieg bei der Leichtathletik-WM in Berlin (1:55,45 Minuten) überschattet und in Südafrika eine Welle des Protests losgetreten.

Der IAAF wurde Rassismus vorgeworfen. Südafrika kündigte an, sich bei der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen zu beschweren.

Zu hoher Testosteronwert

Unterdessen berichtet der englische "Telegraph" unter Berufung auf eine nicht genannte Quelle, das Niveau des männlichen Sexualhormons Testosteron sei in Semenyas Körper dreimal so hoch wie normalerweise bei Frauen.

Das hätten Tests im Vorfeld der WM gezeigt.

Angeblich ein Zwitter

Schon vor einigen Tagen hatte die Schweizer Zeitung "Blick" geschrieben, Semenya sei nachweislich ein Zwitter mit der Chromosomen-Kombination XY - ein sogenannter Hermaphrodit.

Als Informant war ein Trainer genannt worden, der lange in Südafrika tätig war. Der Coach sagte: "Südafrika hat die Tests bereits im März gemacht. Das Ergebnis ist klar. Semenya hätte bei der WM in Berlin nicht bei den Frauen starten dürfen. Doch ihre Funktionäre haben voll auf die Karte Risiko gesetzt."

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