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Speerwerferin Christina Obergföll gehört zu den deutschen Gold-Hoffnungen bei der WM © getty

Der DLV überlässt bei der WM-Vorbereitung nichts dem Zufall. Große Hitze droht. Zeitplan und Ernährung sind entscheidend.

Jeju - Kühlwesten gegen die Hitze, Schwarzbrot nach eigenem Rezept und ein ausgeklügelter Anreiseplan.

Die deutschen Leichtathleten überlassen vor der am Samstag beginnenden WM im südkoreanischen Daegu (27. August bis 4. September) nichts dem Zufall 444023(DIASHOW: Die fehlenden Stars der WM).

Und auch das Wetter spielt in der heißesten Stadt Südkoreas derzeit noch mit. Die maximal möglichen Temperaturen von bis zu 40 Grad bleiben den Sportlern möglicherweise erspart.

"Im Moment deutet nichts daraufhin, dass es so kommt", sagte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Erfahrungen aus Osaka

Der Unterschied zum Trainingslager auf der Urlaubsinsel Jeju vor der südkoreanischen Küste, wo derzeit milde Temperaturen von bis zu 25 Grad herrschen, betrage aktuell lediglich drei bis vier Grad.

"Auch in den letzten Wochen war es eher diesig. Die Luftfeuchtigkeit steigt im Vergleich zu Jeju natürlich noch einmal leicht an", so Kurschilgen.

Welche Auswirkungen hohe Temperaturen haben können, mussten die deutschen Athleten bei der WM 2007 in Oskaka erfahren.

Geher Andre Höhne erlitt im 20-km-Rennen 200 Meter vor dem Ziel einen Kollaps und verlor zwischenzeitlich das Bewusstsein, die beiden Marathonläufer Martin Beckmann und Ulrich Steidl mussten nach dem heißesten Rennen der WM-Geschichte mit Infusionen behandelt werden.

Überhitzung droht

"Die Hauptproblematik liegt in der Kombination von hohen Temperaturen und hoher Luftfeuchtigkeit und der dadurch drohenden Überhitzung des Körpers", sagt DLV Mannschaftsarzt Dr. Helmut Schreiber (434833Der DLV-Kader für die WM).

"Die Körperkerntemperatur ist bei hohen Umgebungstemperaturen und insbesondere bei Langstreckendisziplinen der leistungslimitierende Faktor."

Kältewesten sollen helfen

Aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit kann der Körper sich nicht über das Schwitzen selbst kühlen, es droht eine Überhitzung. Aber selbst, wenn die extremen Temperaturen ausbleiben, werden in Daegu Kältewesten eingesetzt.

Diese sollen die Kerntemperatur der Athleten drücken. Zusätzlich soll in der 2,5 Millionen-Einwohner-Metropole - wie schon auf Jeju - der Aufenthalt im Freien auf ein Mindestmaß reduziert werden.

"Die Athleten müssen darauf achten, dass sie sich nicht zu sehr der Hitze aussetzen", sagt Schreiber.

Ausgefeilter Anreiseplan

Um der nicht zu vermeidenden Zeitumstellung wirksam zu begegnen, hat der DLV sich einen ausgefeilten Anreiseplan für seine Athleten ausgedacht.

In drei Gruppen kommen die insgesamt 72 WM-Starter über Jeju nach Daegu. Jedem soll so ein insgesamt siebentägiger Aufenthalt in der Europa sieben Stunden vorgelagerten Zeitzone ermöglicht werden.

Vielfältige Auswirkungen

"Wir sind in der Vergangenheit gut damit gefahren, für jede Stunde Zeitverschiebung einen Tag Anpassung einzuplanen", sagt Teammanager und Cheforganisator Siegfried Schonert.

Schließlich sind die durch den Jetlag hervorgerufenen Auswirkungen wie Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit alles andere als leistungsfördernd.

Unger verschläft Training

Deshalb hat das Betreuerteam den Sportlern auch einen genauen "Fahrplan" zur Überwindung der Zeitumstellung an die Hand gegeben.

Beispielsweise sollen sich die Athleten nach der ersten Nacht nicht vor 10 Uhr dem Tageslicht aussetzen, was alles gar nicht so einfach ist.

So verschliefen die Sprinter Tobias Unger und Marius Broening nach der Anreise aufgrund des starken Jetlags gleich mal komplett das erste Training.

Schwarzbrot-Rezept ist dabei

Und auch die Ernährung hat ihre Tücken. Um eine optimale Vorbereitung zu gewährleisten, hat der DLV dafür gesorgt, dass die Sportler auch in Korea auf das geliebte heimische Schwarzbrot nicht verzichten müssen.

Nach speziellen Rezepten bewirten die Köche im Hotel die Deutschen mit zwei verschiedenen Brotsorten. Auch Pudding und Joghurt werden extra für die WM-Starter hergestellt.

"Essen und Hitze sind die Probleme - oder eben nicht", erklärt Schonert: "Wir haben gemeinsam mit unserem Ernährungsberater Rezepte entwickelt, die mit einfachen Mitteln nachzuvollziehen sind. Und das ist dem Hotel sehr gut gelungen."

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