vergrößernverkleinern
Robert Harting gewann bei der EM 2010 in Barcelona die Silbermedaille © getty

Nur dank vieler Schmerzmittel kann Diskuswerfer Harting bei der WM in Daegu teilnehmen. Doch die Patellarsehne ist lädiert.

Jeju - Das Knie der Leichtathletik-Nation sieht auf den ersten Blick eigentlich ganz normal aus.

Doch wenn Diskus-Weltmeister Robert Harting von seiner Leidenszeit erzählt, wird das ganze Ausmaß seiner Verletzung an der Patellarsehne deutlich.

"Meine Augen sind gelb geworden und meine Nieren wahrscheinlich doppelt so groß", erklärt der 2,01 m lange Berliner die Auswirkungen seiner Schmerzmittelkur.

Ohne den drastischen Einsatz von Medikamenten wäre an einen Start des Titelverteidigers bei der am Samstag beginnenden Weltmeisterschafat im südkoreanischen Deagu (27. August bis 4. September) nicht zu denken gewesen.

"Ich habe teilweise die dreifache Menge genommen", verdeutlicht der 26-Jährige. Zur Nachahmung ist diese Therapie jedenfalls nicht geeignet. Frei nach dem Motto: Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen sie ihren Arzt oder Apotheker.

"Konnte nicht laufen"

Langes Sitzen, das morgendliche Ausstrecken im Bett, viele alltägliche Dinge - für den Modellathleten sind sie derzeit ohne Schmerzen nicht möglich.

"Vor fünf Wochen konnte ich zwei Tage überhaupt nicht trainieren und nicht laufen", erzählt er: "Klar gab es da auch Überlegungen, die WM-Teilnahme abzusagen."

Dennoch entschied er sich anders. Und kam am Montag mit dem zweiten deutschen Tross im Trainingslager auf der Insel Jeju vor der südkoreanischen Küste an 444023(DIASHOW: Die fehlenden Stars der WM).

Die Sehne kann reißen

Dass seine Gesundheit mit dem WM-Start noch weiter leiden könnte, ist dem 26-Jährigen durchaus bewusst.

"Die Patellasehne ist entzündet. Es kann sein, dass die Sehne beim Wettkampf reißt. Das haben mir die Ärzte gesagt", sagte Harting der "Bild".

"Wenn ich mit dem Sport aufhöre, möchte ich mich natürlich schon ordentlich bewegen können. Die Aussichten darauf sind aber gerade nicht so rosig. Natürlich möchte ich irgendwann mal meinen Enkel hochheben können", sagt er mit einem Achselzucken und rechnet ganz nebenbei schon einmal die Kosten für die Reha-Maßnahmen nach seiner Karriere aus.

Über das, was ihn ab kommenden Montag im Diskusring erwartet, macht sich Robert Hartin denn auch keine Illusionen: "Ich weiß, es wird weh tun. Aber da muss ich durch. Wenn man sich sieben Wochen mit dem Knie gequält hat, dann ist man froh, wenns endlich losgeht."

Harting mit flotten Sprüchen

Vor zwei Jahren bei der Heim-WM in Berlin feierte Harting seinen größten Erfolg. Im letzten Versuch holte er Gold. Die Bilder, als er im Jubel sein Trikot zerriss, sind unvergessen. Seitdem steht "der Harting" im Fokus der breiten Öffentlichkeit.

Seitdem ist er wohl das Aushängeschild der deutschen Leichtathletik. Auch wegen seiner markanten Sprüche (434833Der DLV-Kader für die WM).

Operation vielleicht nötig

Die hat er auch vor der malerischen Kulisse der zu den zehn schönsten Reisezielen der Welt zählenden Urlaubsinsel nicht verloren.

"Hinkommen, auf den Tisch hauen und gucken, was rauskommt", sagt er auf die Frage, wie er denn jetzt mit der Verletzung in den Wettkampf geht: "Es kommt dann drauf an, wie stark die Schmerzen sind und wie die Tagesform ist."

Erst nach der WM wird sich entscheiden, ob eine Operation nötig ist. Die Auswirkungen auf einen Start bei Olympia 2012 in London sind noch ungewiss.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel