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Malte Mohrs persönliche Bestleistung liegt bei 5,90 Meter © getty

Die deutsche Stabhochsprung-Hoffnung kritisiert die Bedingungen im DLV-Trainingslager. Kaffee-Konsum bringt ihn aus dem Rhythmus.

Jeju - Malte Mohrs Medaillenträume ertrinken in Langeweile. Der selbsternannte Goldkandidat im Stabhochsprung sitzt in der Hotellobby und trinkt Kaffee. Stunde um Stunde, Tag für Tag.

Lediglich das Getränk, der Sitzplatz oder die Gesprächspartner wechseln von Zeit zu Zeit. "Sechs Stunden habe ich gestern hier in diesem Raum gesessen, da geh ich dran kaputt", beklagte sich Mohr vor den am Samstag beginnenden Weltmeisterschaften in Daegu.(SERVICE: Der WM-Zeitplan)

Mohr fühlt sich gefangen im Vorbereitungslehrgang des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf der Urlaubsinsel Jeju.

"Ich bin Gegner von solchen Situationen hier. Es ist zwar sehr schön hier mit dem Meer, aber im Prinzip langweile ich mich hier den ganzen Tag zu Tode", sagte der Hallen-Vizeweltmeister.

"Das ist nicht die Motivation oder die Power, die ich eigentlich mitnehmen wollte zur WM. Die geht dann hier ein bisschen verloren. Und dann wird man noch eingelullt von der Musik den ganzen Tag. Das ist nicht meine Welt", sagte Mohr.

Kurzfristige Anreise bevorzugt

Viel lieber hätte sich der Wahl-Münchner in Eigenregie auf den Saisonhöhepunkt vorbereitet. Eine kürzere Anreise und ein Testwettkampf wenige Tage vor der WM wären aus seiner Sicht besser gewesen.

"Ich habe auch Wettkämpfe in der Entfernung gemacht, wo auch immer Zeitumstellung war. Ich habe immer die besten Erfahrungen damit gemacht, wenn ich einen Tag vorher angereist bin, einen Tag Pause hatte und dann den Wettkampf gemacht habe", erklärt Mohr.

Mit einer Saisonbestleistung von 5,81 m reist er Nach Daegu. Jetzt beklagt er sich: "In diesem Rhythmus wäre ich gerne geblieben. Um nicht plötzlich experimentieren zu müssen."(434833Der DLV-Kader für die WM)

"Irgendwie da raus kommen"

Verständnis für den DLV hat Mohr allerdings auch: "Das ist auch eine Kostenfrage, dass alle gemeinsam anreisen müssen. Man kann nicht jeden x-beliebig rüberfliegen."

Dennoch will er sich so etwas freiwillig nicht noch einmal antun: "Natürlich würde ich die nächsten Male versuchen, irgendwie da raus zu kommen. Das versuch ich schon die ganzen letzten Jahre. Das hat leider noch nicht funktioniert."

Sportdirektor wehrt sich

Beim DLV stößt Mohr mit seiner Kritik auf Unverständnis. "Wir müssen eine Zeitadaption und eine Klimaadaption vornehmen. Ich kann die Kritik von Malte Mohr in diesem Punkt vielleicht emotional nachvollziehen, sportfachlich ist das eine zwingende Notwendigkeit", sagte DLV-Sportdirektor Thomas Kuschilgen.

"Wenn die Sportler unmittelbar anreisen, befinden sie sich genau zum Hauptwettkampf im Jetlag."444023(DIASHOW: Die fehlenden Stars der WM).

Darüber hinaus habe er auch eine andere Vorstellung für eine Nationalmannschaft als wenn sich jeder allein in einem anderen Hotel vorbereite, so Kurschilgen: "Eine erfolgreiche Leichtathletik kann sich im Rahmen einer WM nur dann darstellen, wenn die Nationalmannschaft erfolgreich gewesen ist. Das vergessen die Athleten manchmal."

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