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Shelly-Ann Fraser gewann in Berlin Gold über 100m und mit der 4x100m-Staffel © getty

Bei der WM in Daegu will die IAAF mit tausenden Kontrollen für sauberen Sport sorgen. Der Doping-Experte Franke zweifelt.

Daegu - Als 100-m-Olympiasieger rannten Justin Gatlin (USA) und Shelly-Ann Fraser (Jamaika) in die Dopingfalle.

Jetzt kehren der WM-Star von Helsinki 2005 und die Weltmeisterin von Berlin 2009 am Samstag beim WM-Auftakt in Daegu/Südkorea auf die Laufbahn zurück. Dutzende Doper sind nach dem Ende ihrer Strafe wieder startberechtigt, mehr als 100 wurden seit der letzten WM gesperrt.

Im Frühsommer erwischte es Kroatiens Diskus-Europameisterin Sandra Perkovic. Zuletzt rannten Steve Mullings (Jamaika) und Mike Rodgers (USA) als Kandidaten auf den Gewinn von fünf Sprintmedaillen ins Aus (SERVICE: Der WM-Zeitplan).

"Wer sich in Daegu erwischen lässt, muss schon bekloppt sein. Keiner der finanziell gut situierten Spitzenathleten wird dort ins Netz gehen", sagt Professor Werner Franke.

Vielleicht ein Abschreckungseffekt?

Der Heidelberger Anti-Doping-Kämpfer meint zur Ankündigung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, er wolle die fast 2000 Teilnehmer in einer bisher einmaligen Aktion Blutkontrollen unterziehen: "Die kommen natürlich für die WM zu spät. Sie hätten in der entscheidenden Trainingsphase stattfinden müssen."

Doch er gibt Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler recht: "Vielleicht haben sie einen Abschreckungseffekt."

Franke empört sich über vieles im Anti-Doping-Kampf, den die IAAF wie der Schwimm-Weltverband FINA nach seiner Auffassung "nicht richtig ernst" nimmt (434833Der DLV-Kader für die WM).

Er wirft den Funktionären vor: "Das insulinähnliche Wachstumshormon IGF-1 ist seit über einem Jahrzehnt ein beliebtes Mittel. Aber noch immer gibt es kein Nachweisverfahren."

Ausbau der Blutprofile

Der Schritt der IAAF, die außerdem rund 500 Urinkontrollen angekündigt hat, ist ein Novum und kostet den seit seiner Finanzmisere nicht gerade auf Rosen gebetteten Verband rund eine halbe Million Dollar.

"Wir verfolgen drei Schritte", kündigt der Weltverband an: "Es ist ein erster Fingerabdruck für bisher noch nicht auf Blut getestete Athleten. Bei anderen dienen sie dem Ausbau bereits existierender Blutprofile. Und drittens sollen Referenzmarken für biologische Merkmale gewonnen werden."

Auch wenn Athleten nicht gleich überführt werden, weil die Substanzen oft noch unbekannt sind, so müssen sie doch über Jahre fürchten, nachträglich entdeckt zu werden.

60 aus 5646 Proben positiv

Bei der WM 2001 in Edmonton/Kanada wurden nur wenige Athleten überführt, aber 2003 wurden nach dem Balco-Skandal in den USA um die Designerdroge THG insgesamt 17 gesperrt, sechs bekamen die Goldmedaille aberkannt.

Bei der WM 2009 in Berlin gab es drei Dopingfälle. Die IAAF korrigierte am Mittwoch in Daegu die Angaben ihres eigenen Handbuchs, in dem von sechs Fällen die Rede war.

"Da wurden Athleten mitgezählt, die bereits vor Berlin positiv getestet worden waren, deren Ergebnisse aber erst anschließend bekannt wurden", sagte ein IAAF-Sprecher.

Seit 1983 wurden bei Weltmeisterschaften nach 5646 offiziell dokumentierten Dopingproben insgesamt 60 Athleten erwischt.

"Das sind einfach zu viele"

An die Spitze der Dopingsünder-Kartei hat sich inzwischen ein Land gesetzt, das in der Vergangenheit selten auffiel und auch keine Medaillenkandidaten hat.

Fast zwei Dutzend Athleten aus dem Milliarden-Volk Indien gingen zuletzt in die Falle.

Hier will die IAAF gezielt Schritte unternehmen. Generalsekretär Pierre Weiss am Mittwoch in Daegu: "23 Athleten aus einem Land in einem Jahr sind einfach zu viel, das geht so nicht weiter."

Hinter Indien folgt dann in der Statistik der Doper schnell Jamaika - auch wenn die IAAF Weltstar Usain Bolt absolute Sauberkeit bescheinigt hat.

Fothergill wieder dabei

Vor der Berliner WM hatte der Inselstaat fünf unter Dopingverdacht stehenden Sprinter nicht eingesetzt. Sie kamen nach positiven Tests auf die Stimulans Methylxanthin mit Drei-Monats-Sperren davon.

Nun sind Yohan Blake (21), Marvin Anderson (29), Lansford Spence (28) und Allodin Fothergill (24/beide 4x400 m) wieder am Start 444023(DIASHOW: Die fehlenden Stars der WM).

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