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Betty Heidler hält den Weltrekord mit 79,42 Metern © dpa Picture Alliance

Die Hammerwurf-Weltrekordlerin ist mit den Bedingungen unzufrieden und reist früher als geplant zum WM-Austragungsort Daegu.

Daegu - Nach heftiger Kritik an den schlechten Bedingungen verlässt Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler das WM-Trainingslager des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) auf der Insel Jeju am Freitag vier Tage früher als geplant.

Dies kündigte die Europameisterin auf ihrer Homepage an.434833(Der DLV-Kader für die WM)

Ähnliche Kritik wie die Weltmeisterin von 2007 hatte am Vortag bereits Stabhochspringer Malte Mohr geübt, der zu den Mitfavoriten zählt, doch er sprach dabei nicht von einer beabsichtigten früheren Abreise zum eine Flugstunde entfernten WM-Schauplatz Daegu (27. August bis 4. September). (BERICHT: Lagerkoller bei Mohr)

Verärgerung verständlich

"Das ist keine Boykott-Situation. Aber Betty Heidlers Verärgerung verstehe ich durchaus. Sie geht jedoch sehr professionell mit dem Problem um und wird sich nicht von ihrem Gesamtziel abbringen lassen", erklärte Thomas Kurschilgen, Sportdirektor des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

Er machte deutlich, die Entscheidung für den früheren Umzug nach Daegu sei im Einvernehmen getroffen worden. Kurschilgen: "Natürlich reisen auch Kathrin Klaas und beider Trainer Michael Deyhle früher nach Daegu. Dort können sie sich in der Tat besser vorbereiten."

"Negativ überrascht"

Betty Heidler schrieb sich ihren Ärger von der Seele, nachdem sie am ersten Tag bereits von den Trainingsbedingungen der Hammerwerfer enttäuscht gewesen war.

"Wir waren leider negativ überrascht. Eigentlich hieß es, dass alles gut wäre und die Bedingungen super. Dem ist leider nicht so. Der Kraftraum ist als solches für uns nicht nutzbar, da wir die Hantelstangen fallen lassen müssen und dies nicht möglich war. Also musste alles auf den Parkplatz getragen werden damit wir einen festen Untergrund hatten. Doof wurde es nur, als es anfing zu regnen ..."

Hügeliger Ring

Heidler nennt weitere Unzulänglichkeiten: "Der Hammerwurfring befindet sich auf einem extra Platz. Das an sich ist nicht schlimm, aber durch den Wind ist die Hälfte des Käfigs umgekippt. Außerdem ist der Ring uneben. Das heißt, man dreht zur Mitte des Ringes von unten nach oben und ab der Mitte bis zum Ende wieder nach unten. Das ist alles andere als optimal und gut."

Heidler zieht Konsequenzen

Als Konsequenz daraus verkündet sie: "Außerdem ziehe ich meine Abreise von hier nach Daegu nach vorne. Ursprünglich sollte ich am 30.08. nach Daegu anreisen, nun wird das schon am 26.08. sein."

Vom Athletendorf in Daegue hat sich biser nur Positives gehört: "Die Bedingungen im Athletendorf sollen sehr gut sein, und so werde ich dort die letzte Vorbereitung absolvieren!"

Ring erst unbrauchbar

Laut Kurschilgen entstand das Problem, weil zum Zeitpunkt der Entscheidung für den Ort des Trainingslagers auf Jeju der Betonring für den Hammerwurf noch nicht gegossen war: "Er war nicht brauchbar, wurde dann nachträglich von den Koreanern abgeschliffen, aber man konnte dennoch nicht vernünftig auf ihm trainieren."

Inspektion wird ausgeweitet

Der für Wurf und Sprung zuständige Cheftrainer Herbert Czingon sagt: "Beim Kraftraum hat sich gezeigt, dass keine ausreichende Auffangvorrichtung für die Gewichte vorhanden ist." Die Konsequenz daraus habe man schon gezogen. Czingon: "Künftig werden vor der Entscheidung über ein Trainingslager neben dem Teammanager Siegfried Schonert noch ein oder zwei Trainer hinzugezogen."

Kurschilgen verteidigt jedoch den Standort Jeju: "Von der Zeitumstellung und Klimaanpassung war das genau der richtige Ort. Für die anderen Athleten waren die Trainingsbedingungen auch in Ordnung."

Werfer im Medaillenfokus

Für Diskus-Ass Robert Harting sind die Bedigungen laut Czingon kein Problem: "Die anderen Werfer haben hervorragende Trainingsleistungen. Wir hoffen, dass unsere Trümpfe stechen."

Hoffnungen auf Edelmetall dürfen sich neben dem Trio der Sieganwärter sowie der Weltranglisten-Vierten Kathrin Klaas und Malte Mohr auch mindestens fünf andere machen.

Aus dem Kreis der Werfer vor allem der EM-Zweite Matthias de Zordo (Speer) und Diskus-Mitfavoritin Nadine Müller (Halle/Saale). Hinzu kommen Jennifer Oeser (Leverkusen), WM-Zweite von 2009 im Siebenkampf und das Stab-Duo mit DLV-Rekordlerin Martina Strutz und Silke Spiegelburg.

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