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Oscar Pistorius studiert neben der Karriere Betriebswirtschaftslehre © getty

Der Südafrikaner erreicht als erster beinamputierter Athlet das WM-Halbfinale. Die Debatte um seine Prothese will er beendet sehen.

Daegu - Der erste große WM-Auftritt von Blade Runner Oscar Pistorius war schon nach wenigen Schritten beendet. Abdou Razack Rabo Samma hatte gezuckt.

Mit seinem Fehlstart zögerte der Nigerianer den historischen Moment aber nur um ein paar Minuten hinaus. Dann war es soweit: (SERVICE: Zeitplan der WM).

Pistorius lief als erster beinamputierter Athlet bei einer Leichtathletik-WM der Nicht-Behinderten durchs Ziel.

Nach 45,36 Sekunden war die Show vorbei und der 24-Jährige im Halbfinale.

Pistorius erleichtert

Glücklich, dass sein Traum noch ein bisschen weiter geht: "Es war viel Druck, und ich bin froh, dass es vorbei ist. Ich bin glücklich mit der Zeit heute, aber morgen wird noch mal ein harter Tag. Ich weiß nicht, ob die Zeit reicht, um ins Finale zu kommen", sagte Pistorius.

Der Südafrikaner, Dritter des letzten 400-m-Vorlaufs, muss sich im Halbfinale am Montag (13 Uhr) allerdings noch einmal deutlich steigern, um eine realistische Chance auf den Finaleinzug zu haben.

13 Läufer waren in den insgesamt fünf Vorläufen schneller als der Südafrikaner.

Merritt mit Jahres-Weltbestzeit

Ein Ausrufezeichen setzte dabei LaShawn Merritt. Der Titelverteidiger aus den USA meldete nach abgelaufener Dopingsperre mit der Jahres-Weltbestzeit von 44,35 Sekunden Ansprüche auf seine zweite WM-Einzel-Goldmedaille über die Stadionrunde an.

Pistorius hat aber auch ohne Gold seinen Platz in den Geschichtsbüchern sicher. Zu spektakulär sind die Auftritte des Prothesen-Läufers, zu umstritten seine Teilnahme an diesen Titelkämpfen.

"In der deutschen Mannschaft dürfte Oscar Pistorius nicht laufen. Sein Start in der normalen Leichtathletik widerspricht den Grundsätzen der Leichtathletik. Seine Prothesen sind technische Hilfsmittel", hatte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), vor dem ersten Pistorius-Auftritt gesagt.

[kaltura id="0_wbnggyb9" class="full_size" title="Pr gelei in Monte Carlo"]

DLV-Trainer hält zu "Blade Runner"

Unterstützung erhält Pistorius dagegen von DLV-Cheftrainer Idriss Gonschinska: "Ich finde es faszinierend, wie er seinen Traum lebt. Er ist ein super Typ, sehr sympathisch. Für mich ist er startberechtigt", sagte Gonschinska und ergänzte: "Wir, der DLV, bewerten ihn als Mitbewerber wie jeden anderen." 434833(Der DLV-Kader für die WM).

Der DLV-Cheftrainer hob den Stellenwert des Südafrikaners hervor: "Er ist ein wichtiges Phänomen, ein Vorbild für andere Menschen und Sportler. Das ist das, was den Sport ausmacht."

Pistorius will Ende der Debatte

"Über 90 Prozent denken positiv über mich. Ich habe früher oft zu emotional auf die negativen Äußerungen reagiert. Jetzt bin ich ruhiger geworden", sagte Pistorius.

Überhaupt würde er die Diskussionen über seine Prothesen endlich gern beendet wissen: "Ich musste viele Tests über mich ergehen lassen. Jetzt gibt es ein Urteil. Damit sollte alles klar sein."

Doch so einfach ist das nicht. Lamine Diack, der Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF, hatte vor dem Auftakt der Titelkämpfe bereits schon wieder eine Einschränkung vorgenommen.

Verbannung in Staffel

Pistorius darf nur als Startläufer in der südafrikanischen 4x400-m-Staffel antreten.

"Er ist ein ganz spezieller Fall. Das einzige, was wir dem südafrikanischen Verband gesagt haben, ist, dass er als erster Läufer antreten muss, wenn er in der Staffel laufen will", sagte Diack und ergänzte: "Ansonsten ist es zu gefährlich für die anderen Athleten."

Sein Verband hatte Pistorius 2007 noch den Start bei der WM versagt.

Umstrittene Prothese

Grund ist eine Regel, nach der jede technische Hilfe, ob in Form von Federn, Rädern oder ähnlichen Elementen, dann verboten ist, wenn sie einen Vorteil bringen kann.

"Ich laufe mit diesen Prothesen seit 2004, hergestellt werden sie unverändert seit 1997. Ich darf sie nicht wechseln", rechtfertigte sich Pistorius und ergänzt:

"Kein anderer behinderter Athlet läuft mit ihnen annähernd meine Zeiten." Sein Carbon-Laufwerk sei schneller als gesunde Beine.

Mit einem Jahr amputiert

2008 hatte der Internationale Sportgerichtshof CAS verfügt, dass Pistorius bei Erfüllung der Normen mit seinen Prothesen auch bei Wettkämpfen der Nichtbehinderten starten darf.

Pistorius, dem im Alter von elf Monaten die Oberschenkel unterhalb der Knie amputiert worden waren, hatte damals jedoch die Olympianorm für Peking nicht geschafft.

In Daegu dagegen ist der Traum des Blade Runners wahr geworden.

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