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Usain Bolt hatte 2010 lange mit Achillessehnen-Problemen zu kämpfen © getty

Usain Bolt verzockt sich und erlebt nach einem Fehlstart das 100-Meter-Finale als Zuschauer. Sieger Blake ist nicht nach Feiern.

Daegu - Die große Usain-Bolt-Show platzte mit einem lauten Knall und ein Aufschrei des Entsetzens hallte aus tausenden Kehlen durch das weite Rund der WM-Arena von Daegu.

Der zweite Schuss aus der Starterpistole bedeutete das Aus für den schnellsten Mann der Welt. Augenblicklich war auch dem Jamaikaner bewusst, dass er den Fehlstart verursacht hatte.

Fassungslos riss sich der sonst so coole Showman das Trikot vom Leib und starrte finster in den dunklen Himmel von Südkorea. 446473(DIASHOW: Die Bilder der WM)

Während sich Bolt laut schimpfend verkroch, schnappte sich sein Landsmann Yohan Blake die Krone über die 100 m und ließ sich als Erbe des Sprinter-Königs feiern.

Weltverband mit Vorwärts-Verteidigung

Als die Medaillen vergeben waren, sagte Bolt kurz angebunden: "Suchen sie nach Tränen? Das wird nicht passieren. Wie es jetzt weitergeht? Die 200m sind am Freitag? Dann werden wir das am Freitag sehen."

Selbst der Weltverband IAAF sah sich nach dem Ausscheiden des Superstars zu einer Stellungnahme genötigt. "Obwohl die IAAF natürlich über den Fehlstart enttäuscht ist, ist es wichtig daran zu erinnern, dass die sportliche Glaubwürdigkeit an den Regeln hängt und sie bei allen Athleten angewendet werden müssen", hieß es in der Mitteilung.

"Die Regel besteht seit dem 1. Januar 2010 und alle Athleten hatten die Chance, sich darauf einzustellen", stellte der Verband klar.

Blake früher Dopingsünder

Blake dachte in der Stunde des Triumphes an die tragische Figur des Abends: "Ich kann keine Worte finden, um das zu erklären. Usain war immer für mich da. Ich könnte heulen."

Beide trainieren zusammen bei Glen Mills, der bereits im Winter angedeutet hatte, dass es der Sommer von Blake werden könnte.

Auf dem Triumph von Blake liegt allerdings auch ein dunkler Schatten. (Der WM-Zeitplan)

Als Usain Bolt 2009 bei der WM in Berlin die Weltrekorde über die 100 und 200 m pulverisierte, saß Blake eine dreimonatige Sperre nach einem positiven Test auf das Stimulans Methylxanthin ab - zusammen mit seinen Landsmännern Lansford Spence, Marvin Anderson und Allodin Fothergill.

Muskelspiele vor dem Start

Mit den üblichen Mätzchen hatte sich der Dreifach-Olympiasieger Bolt auf "sein" Rennen eingestimmt.

Bei der Startvorstellung zeigte der 25-Jährige nach links und rechts und schüttelte den Kopf: Niemand hier, um ihn zu schlagen.

Bolt strich sich über die Haare, kratzte sich am neuen Kinnbart und ließ für seine Fans die Bizepse der muskulösen Arme hüpfen.

Doch Blake ließ sich neben ihm nicht einschüchtern, deutete seinerseits an, dass Bolt "die Muffe geht".

Greene wettet auf Blake

Blake, der Geheimfavorit von Sydney-Olympiasieger Maurice Greene, blieb nach dem Fehlstart ganz cool und ließ Greenes Vorhersage wahr werden.

"Blake ist jung und weiß es nicht besser. Er hat keine Angst vor Bolt", hatte der fünfmalige Weltmeister gesagt.

Im eigentlichen Rennen, das bei 1,4 m Gegenwind keine Top-Zeiten zuließ, beherrschte der 21-Jährige die Konkurrenz. Er gewann in 9, 92 Sekunden deutlich vor dem US-Sprinter Walter Dix (10,08) und 2003-Weltmeister Kim Collins (10,09) von der Karibik-Insel St. Kitts und Nevis.

Bester Europäer wurde der französische Europameister Christophe Lemaitre als Vierter in 10,19. 434833(Der DLV-Kader für die WM)

Vier Giganten fehlen

Sieger Blake wird sich allerdings fragen lassen müssen, wie das Rennen gelaufen wäre, wenn die versammelte Weltelite am Start gewesen wäre.

In Daegu fehlten die ersten Vier der Weltrangliste 2011. Asafa Powell (9,78/Jamaika) und Tyson Gay (9,79/USA) sind verletzt, Steve Mullings (9,80/Jamaika) und Mike Rodgers (9,85/USA) wegen Dopings gesperrt.

Dass Usain Bolt am Ende auch nicht laufen würde, stand allerdings nicht im Drehbuch.

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