vergrößernverkleinern
Robert Harting hat bei der WM 2007 Silber und bei der WM 2009 Gold gewonnen © getty

Mit Cortisonspritzen und Schmerzmitteln vollgepumpt, will Robert Harting die Titelverteidigung im Diskuswerfen in Angriff nehmen.

Daegu/München - Mit herber Kritik am deutschen Sportsystem (Bericht) hat sich Diskus-Star Robert Harting emotional in Fahrt gebracht.

Doch seine schmerzhafte Knieverletzung könnte dem Titelverteidiger bei der Leichtathletik-WM in Daegu einen Strich durch die Rechnung machen.

"Ich weiß, es wird weh tun", sagte Harting und mutmaßte auch schon: "Die Sehne könnte reißen."

Der Berliner startet am Montag in der Qualifikation in das Projekt WM-Gold - ohne Rücksicht auf seine Gesundheit. (446473DIASHOW: Die Bilder des ersten Tages).

Nur der Sieg zählt für ihn

Für ihn zählt nur noch die Titelverteidigung: Das bekommt auch Zimmerkollege Raul Spank zu spüren.

"Ich bin mit Robert in einer WG und der strotzt schon vor Adrenalin. Das steckt ganz schön an. Aber da bin ich auch froh drum", sagte der Dresdener Hochspringer, der sich selbst Chancen auf eine Medaille ausrechnet: "Wir sind auf den Kampf eingestellt." (434833Der DLV-Kader für die WM) .

Mit Cortisonspritzen fit

Allerdings wäre ohne den drastischen Einsatz von Medikamenten an einen Start Hartings nicht zu denken gewesen.

Teilweise die dreifache Menge an Schmerzmitteln schluckte "der Harting" (so lautet die Adresse seine Homepage), um in den vergangenen Wochen das notwendige Trainingspensum absolvieren zu können.

Cortisonspritzen ins linke Knie sollten beim einzigen deutschen Titelverteidiger ebenfalls für Linderung sorgen.

Gefahr verdrängt

"Meine Augen sind gelb geworden und meine Nieren wahrscheinlich doppelt so groß", beschrieb er anschaulich die Nebenwirkungen.

Selbst eine Absage stand zeitweise im Raum. Zwei Tage lang konnte er während der Vorbereitung keinen Schritt normal gehen. An Training war überhaupt nicht zu denken.

Zuletzt ging es besser und Harting sagt, die Gefahr des Sehnenrisses habe er jetzt aus dem Kopf verdrängt. (Der WM-Zeitplan).

Kritik an Sportsystem

Ungeachtet der gesundheitlichen Probleme sorgte der Berliner im Vorfeld der WM für Schlagzeilen.

Mit deutlichen Worten machte er seinem Ärger über die Versorgung von Sportlern in Deutschland nach ihrer aktiven Zeit Luft:

"Ein polnischer Olympiasieger kriegt nach Karriereende 2000 Euro monatlich bis ans Lebensende. Da braucht man in Polen gar nicht mehr arbeiten zu gehen. Wir kriegen als Olympiasieger eine Kiste Bier - ein Jahr lang. Wie behämmert ist das?", hatte er in einem Interview mit der "Sport-Bild" erklärt.

Attacke gegen DOSB

Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bekam von dem für seine provokanten Worte bekannten Modellathleten sein Fett weg.

"Der DOSB lässt sich das Sponsoring teuer bezahlen, und wir kriegen dann eine Kiste Bier. Super. Bier. So etwas Profanes. Oder fünf Prozent auf Reiseangebote. Fünf Prozent. Das ist total lächerlich", sagte er:

"Da müsste man sich lieber etwas einfallen lassen, wie man Olympiasieger besser absichern kann."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel