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Robert Harting gewann bei der EM 2010 in Barcelona die Silbermedaille © dpa Picture Alliance

Robert Harting geht auch ohne Training zuversichtlich ins Finale. Schließlich fehlen dort fünf der zehn Besten der Welt.

Daegu - Das Ende seiner Drehung im Diskusring fand er noch "sesselpupsermäßig".

Doch weit wichtiger waren für Robert Harting, der am Dienstag (12.55 Uhr MESZ) fitgespritzt zur Titelverteidigung in Daegu antreten wird, zwei andere Dinge.

Die Patellasehne wird laut Teamarzt Helmut Schreiber im Kampf um Gold nicht reißen.

Und nach Runde eins fehlt die Hälfte der Rivalen aus den Top 10 der Weltrangliste 2011, wenn es um die Medaillen geht. Harting selbst meisterte die Qualifikation mit der fünftbesten Weite von 64,93 m im ersten Versuch.

"Robert erhält täglich Medikamente und vor dem Finale noch eine Stunde Physiotheraphie. Er ist bei der Automatisierung der Bewegung eingeschränkt. Aber keine Angst, die Patellasehne wird halten", meinte Teamarzt Helmut Schreiber.

Ein anderer Mediziner hatte den 25-jährige Berliner davor gewarnt, dass an der schmerzenden Problemstelle im Knie etwas reißen könnte.

Der frühere 90-m-Speerwerfer Schreiber sagt allerdings: "Nach der WM muss ein Kernspin zeigen, ob möglicherweise eine Operation nötig ist. Diese würde allerdings vor Olympia 2012 in London eine lange Auszeit bedeuten."

Gute Chancen für Harting

Inklusive des schwachen Magdeburgers Martin Wierig (61,68 m) sind fünf der Top 10 nicht mehr dabei, wenn das große Finale steigt (SERVICE: Zeitplan der WM).

Auf der Strecke blieben in Runde eins Ungarns Weltranglistenerster Zoltan Kövago (62,16) und die Nummer drei Jarred Rome (USA/62,22). Erst gar nicht am Start waren die große britische Hoffnung Lawrence Okoje und der in diesem Jahr ebenfalls mit einer 67-m-Weite geführte Olympiafünfte Frank Casanas (Spanien).

Mit drei ungültigen Versuchen kam auch für den Ungarn Robert Fazekas, der 2004 in Athen wegen Dopings Olympia-Gold verloren hatte, das Aus.

Sechs Spritzen für den Erfolg

Übrig blieben nur noch vier Gegner aus den Top 10: Polens Olympia- und WM-Zweiter Piotr Malachowski mit der besten Qualikationsweite (65,48), der Spanier Mario Pestano (65,13) sowie die Olympiasieger Virgilijus Alekna (Litauen/64,21) und Gerd Kanter (Estland/63,50). Stark auch der Iraner Ehsan Hadadi, der in Hartings Gruppe A mit 65,21 m siegte.

"Ich habe mit drei Spritzen geworfen. Heute abend tut es wieder weh, morgen dann nochmal drei Spritzen, dann ist es gut", meinte der Berliner hinsichtlich der lädierten Patellasehne.

Kein Training möglich

"Meine Augen sind gelb geworden und meine Nieren wahrscheinlich doppelt so groß", hatte er schon vorher anschaulich die Nebenwirkungen der Cortisonspritzen beschrieben und selbst eine Absage des WM-Starts erwogen.

Zwei Tage lang konnte er während der Vorbereitung keinen Schritt normal gehen. An Training war überhaupt nicht zu denken. Er verdrängte dann auch die ihm prophezeite Gefahr des Sehnenrisses aus dem Kopf.

Harting ist zuversichtlich

Zur eingeschränkten Technik sagt der Weltmeister von Berlin 2009 und WM-Zweite von Osaka 2007: "Der erste Teil der Drehung geht, beim Finish muss ich am Dienstag richtig raufhauen, dann geht das schon. Jedenfalls brauche ich mit vorsichtigen Würfen erst gar nicht anzufangen. Man muss einen reinkriegen, das limitiert so. Das ist schlimm."

Seine Stimmung scheint gut, nachdem er vergangene Woche Luft abgelassen hatte durch die öffentliche Kritik am deutschen Sportsystem 434833(Der DLV-Kader für die WM).

"Ich freue mich schon auf morgen. Ich bin eigentlich auch zuversichtlich. Wenn du die ganze Zeit ackerst, dann willst du auch endlich ran."

Kläglich scheiterten dagegen die beiden anderen deutschen Diskuswerfer in der Gruppe B. Mit seinen im letzten Versuch erzielten 61,68 m wurde Martin Wierig nur 19. in der Wertung beider Gruppen, Markus Münch (Wedel-Pinneberg) schied mit indiskutablen 60,80 m als 26. aus.

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