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Usain Bolt hat bei den Olympischen Spielen in Peking drei Goldmedaillen gewonnen © dpa Picture Alliance

Der Weltrekordler bestimmt nach der Disqualifikation die Schlagzeilen. Ex-Athlet Frank Busemann mutmaßt über eine PR-Aktion.

Daegu - Usain Bolt hat sein Schweigen gebrochen, aber nichts gesagt.

Der Lautsprecher der Sprintwelt, der beim 100-m-Finale nur die Starterpistole geschlagen hatte, suchte eine Nacht lang nach Worten, um sein klägliches Scheitern bei der WM in Daegu zu erklären. (Bolt-Show platzt mit lautem Knall)

Heraus kamen ein paar Allgemeinplätze, weichgewaschen in bester Politiker-Manier. "Sehr enttäuscht" sei er, er habe sich "großartig" gefühlt und sei bereit gewesen "schnell" zu laufen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit nach dem großen Knall in Südkorea.

Das Warum bleibt unbeantwortet. Warum riskiert der mit Abstand schnellste Mann auf dem Planeten in einem WM-Finale also leichtfertig einen Fehlstart?

Mätzchen wie immer

War Bolt nervös? Wohl kaum, angesichts seiner üblichen Mätzchen unmittelbar vor dem Start mit der Verhöhnung der Gegner und der Darstellung eigener Stärke.

Hatte Bolt Angst zu verlieren? Sicher, der spätere Sieger Yohan Blake machte in Vorlauf und Halbfinale einen guten Eindruck.

Aber Bolt spielte in den beiden Läufen nur ein bisschen mit der Konkurrenz und wirkte bärenstark. 446473(Diashow: Die Bilder der WM).

Busemann vermutet PR-Aktion

Wollte Bolt den besonderen Knalleffekt? Verursachte er absichtlich einen Fehlstart? War das alles nur eine große PR-Aktion?

Nicht wenige Kenner der Szene stellten bereits in der südkoreanischen Nacht diese These auf.

Auch Frank Busemann, der Olympia-Zweite im Zehnkampf von 1996, äußerte bei der "Sportschau" diesen Gedanken: "Vielleicht hat er aber auch einen total gewieften PR-Berater. 'Mensch, der Pistorius schnappt uns die ganze Publicity weg, mach mal was Unkonventionelles.'" (Medaillengewinner der Herren)

Pistorius im Mittelpunkt

In den Tagen von Daegu dreht sich alles um Bolt und "Blade Runner" Oscar Pistorius, den Prothesen-Läufer aus Südafrika, der mit seinem Start bei den Titelkämpfen Geschichte schreibt.

Zwar wird der sympathische Blondschopf keine Medaille gewinnen, aber seine Geschichte verkauft sich gut.

Ein weiterer WM-Sieg von Bolt, wahrscheinlich ohne Weltrekord, wäre kaum mehr als eine Randnotiz gewesen. Aber der Knalleffekt nach dem Fehlstart ist unbezahlbar.

Sieger genervt

Nachzufragen bei den drei Medaillengewinnern von Daegu.

Was war mit Bolt? Das mussten Blake, Walter Dix und Kim Collins immer wieder beantworten, sichtlich genervt davon, wie wenig die eigene sportliche Leistung in diesem Moment wert war.

Superstar Bolt hatte außer Schimpfworten und dem Halbsatz "Suchen sie nach Tränen? Das wird nicht passieren" nichts zu sagen. (Medaillenspiegel)

IAAF rechtfertigt sich

Dafür sah sich der Weltverband IAAF genötigt, eine Pressemeldung aufzusetzen: "Obwohl die IAAF natürlich über den Fehlstart enttäuscht ist, ist es wichtig daran zu erinnern, dass die sportliche Glaubwürdigkeit an den Regeln hängt und sie bei allen Athleten angewendet werden müssen."

Man stelle sich vor: Lionel Messi sieht im WM-Finale die Rote Karte für eine Notbremse und die FIFA rechtfertigt anschließend ihr Regelbuch.

Davon abgesehen ist die entfachte Diskussion um die seit Januar 2010 geltende Fehlstartregel vor allem heiße Luft.

Regel im Sinne des Sports

Die Sprinter in der Prä-Bolt-Ära hatten mit ihren Fehlstart-Orgien dafür gesorgt, dass Zuschauern die Lust am Sprint-Spektakel gründlich vergangen war. Die Regeländerung war im Sinne des Sports und des Geschäfts.

Ein Geschäft, von dem Usain Bolt gut leben kann, das ihn und andere zu Millionären gemacht hat. Und ein Geschäft, das immer weitergeht. Auch in Daegu.

Bolt-Show geht weiter

Denn die große Bolt-Show ist nicht vorbei, nur weil der erste Akt ins Wasser gefallen ist.

"Ich weiß, dass ich in guter Form bin und werde mich darauf fokussieren, über die 200 Meter gut auszusehen", ließ der Jamaikaner am Montag wissen.

Am Freitag stehen die Vorläufe über 200 m an. Die halbe Welt am Bildschirm will wissen, was nun folgt. (SERVICE: Zeitplan der WM).

Das freut die Sponsoren und die IAAF. So werden Geschäfte gemacht.

Traum, Legende zu sein

Bolt hat gesagt, dass er eine Legende werden will. Legenden leben von guten Geschichten.

Mit Olympiasiegen, WM-Titeln und Weltrekorden hatte Bolt schon ein paar passende Kapitel für seine Story gesammelt.

Mit dem Fehlstart von Daegu hat er nun ein ganz Besonderes hinzugefügt, über das noch lange gesprochen wird.

Auch wenn Bolt schweigt.

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