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Martina Strutz gewann bei der WM in Daegu die Silbermedaille im Hochsprung © dapd

Die Silbermedaillengewinnerin von Daegu lernt ein ganz neues Gefühl kennen. Nach ihrem Erfolg bricht Strutz in Tränen aus.

Daegu - Loslassen und fliegen. Sich ganz dem Gefühl des Moments hingeben, die Augen schließen und spüren, wie der eigene Körper in fast fünf Metern Höhe über die Latte gleitet.

Dann der freie Fall, das Ausschütten der Endorphine, das große Glückgefühl. Martina Strutz hat in diesem Jahr fliegen gelernt, das nächste Level erreicht.

Sie ist jetzt mehr als nur Stabhochspringerin (BERICHT: Rekord und Silber für Strutz).

Die 29-Jährige ist in Dimensionen vorgestoßen, in denen es um Rekorde und Medaillen geht. In Daegu gab es beides für die Blondine: WM-Silber mit deutschem Rekord (Medaillengewinner der Frauen).

"Heute beherrsche ich den Stab"

"Früher war es so, dass der Stab mich beherrscht hat, heute beherrsche ich den Stab. Das schönste Gefühl ist, wenn ich katapultiert werde. Dann schießt der einen natürlich richtig ab. Das ist schon ein irrsinniges Gefühl, wenn man das all die Jahre nicht gekannt hat", sagte Strutz: "Dieses Jahr habe ich zum erstem Mal das Gefühl vom Fliegen."

Der Silberschatz von Südkorea ist die große Belohnung für eine Sportlerin, die noch einmal ganz von vorn angefangen hat (SERVICE: Zeitplan der WM).

Die gelernt hat, dass Talent ohne harte Arbeit eine Verschwendung ist, dass jedes Kilo zu viel auf den Rippen einen am Boden hält. Dass man sich sein Bierchen verdienen muss.

"Ich bin ein Typ, der gerne auch mal ein Bier trinkt. Das muss ich jetzt leider auch einschränken. Ich darf mich nach einem guten Wettkampf aber immer noch belohnen. Und so lange das so bleibt, ist das in Ordnung", sagte Strutz.

Bier als Belohnung

Das heiß ersehnte "kühle Blonde" nach dem WM-Wettkampf, in dem nur die Brasilianerin Fabiana Murer (4,85) höher als Strutz (4,80) sprang, ließ allerdings etwas auf sich warten:

"Ich hatte gehofft, das gibt es schon bei der Dopingprobe, damit es schneller geht. War aber nicht so. Ich bin dann mit Jörn (Trainer Elberding, Anm. d. Red.) im Taxi ins Athletendorf und habe ungeduscht mein Bierchen in Empfang genommen."

Schuldt feiert leise

Während anschließend in Südkorea kräftig gefeiert wurde ("Ich weiß nicht, bis wann"), freute sich in Deutschland Thomas Schuldt etwas leiser (Medaillenspiegel).

Schuldt ist der Talentschmied, der aus dem früheren "Moppelchen" Strutz die Medaillenkandidatin formte. Der sie stark machte und dann nicht für sie da sein konnte, als es um alles ging.

Schuldt erlitt rund einen Monat vor den deutschen Meisterschaften Ende Juli in Kassel einen Herzinfarkt und lag zwei Tage im Koma.

"Ich stand vor dem Nichts, wusste nicht, wie es weitergeht, ob er überhaupt noch lebt, ob ich damit umgehen kann. Das hat mich ziemlich hart gemacht", sagte Strutz, die sich live im Fernsehen unter Tränen bei Schuldt bedankte 446473(DIASHOW: Die Bilder der WM).

Mehr Geld für Strutz

Für Strutz, die bereits im Juli mit 4,78 m deutschen Rekord gesprungen war, haben sich die Zeiten geändert 434833(Der DLV-Kader für die WM).

Endlich hat sie einen Ausrüstervertrag, sie springt mit in der lukrativen Diamond League. Und kann ihren Trainer anständig bezahlen. "Bis jetzt hat er gesagt: Gib, was du kannst. Jetzt bekommt er seinen Teil von der Prämie", so Strutz.

Und es soll weitergehen mit den Höhenflügen. Im offziellen Heft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gab sie als großes Ziel die Olympiateilnahme und "dann zu gewinnen" an.

"Das war mehr eine Flachserei", sagte Strutz. Doch seit Daegu ist klar: Mit ihr ist zu rechnen. Weil sie das Fliegen gelernt hat.

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