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Robert Harting gewann in Berlin 2009 und in Daegu 2011 WM-Gold im Diskuswerfen © dapd

Die Goldmedaille in Daegu soll nicht die letzte gewesen sein: Harting steckt sich große Ziele. Die Schmerzen unterdrückt er.

Daegu - Für den Mann mit dem goldenen Arm (Bericht) und dem lädierten Knie war die Feier um 3.20 Uhr zu Ende.

"Dann habe ich das Handy abgestellt und war für niemanden mehr da", sagt Robert Harting.

Am Tag nach dem zweiten WM-Gold der Karriere war "die Berliner Schnauze", die vor den großen Auftritten im Diskusring das Adrenalin durch deftige Kritik und deftige Sprüche hochputscht, im Fokus der Kameras lammfromm.

Und sagte: "Ich mache weiter bis 2018, so lange müsst ihr mich noch ertragen. Ich hoffe, dass Berlin dann die EM bekommt. Ich wäre dann 33."

EM 2018 als Ziel

Kein Zweifel: Harting will wie der fünfmalige Weltmeister Lars Riedel zum Dauerbrenner im Diskusring werden. Gold bei Olympia 2012 in London ist das Ziel vier Jahre nach dem medaillenlosen vierten Rang von Peking.

Und 2016 will der Mann, der angesichts der schmerzenden Patellasehne in den letzten Wochen schon an den WM-Verzicht gedacht hatte, auch in Rio de Janeiro noch einmal in die Manege treten.

Mit Blick auf Berlin 2018 sagt er: "Zur Not fahre ich halt mit dem Rollstuhl in den Ring." (SERVICE: Zeitplan der WM)

Harting kämpft sich durch

"Man hält den Schmerz aus. Das Training ist zwar hart, aber bisher waren die Verletzungen nicht so schlimm, dass ich fürchten muss, dass der Körper in einigen Jahren nicht mehr mitspielt", sagt Harting.

Nach dem souveränen Sieg von Daegu will er die chronische Entzündung im Knie "mit viel Eis und den probaten Mitteln" behandeln 446473(DIASHOW: Die Bilder der WM).

Denn bevor in zwei Wochen ein MRT zeigen muss, ob eine Operation nötig ist, will er am Donnerstag kommender Woche noch in der Diamond League in Zürich werfen und am 11. September beim ISTAF in der Heimatstadt Berlin.

Harting "in einer anderen Liga"

Und vielleicht startet er dann auch noch beim Meeting von Gerd Kanter in Tallinn.

Der estnische Olympiasieger (66,95) war der Einzige, der Harting im Finale von Daegu halbwegs das Wasser reichen konnte. Hinterher gab der Balte zu: "Robert Harting hat heute in einer anderen Liga geworfen."

Konkurrenz gibt auf

Und das trotz heftiger Reaktionen der lädierten Patellasehne. "Der vierte, fünfte und sechste Wurf waren schon schlimm zu ertragen", sagt der Schmerzensmann 434833(Der DLV-Kader für die WM).

Doch da war die Konkurrenz schon geschlagen. Kanter, Litauens zweimaliger Olympiasieger Virgilijus Alekna und Polens Europameister Piotr Malachowski leisteten so wenig Widerstand, dass Harting sich nur noch wunderte:

"Ich hatte einen Schlagabtausch im Bereich von 67 m oder 67,50 m erwartet. Nach dem Beinahe-69er haben sie wohl aufgegeben, das hat mir Kanter dann bestätigt."

Harting sagt: "Das Gold von Daegu war extrem erlösend nach der wochenlangen Durststrecke durch die Knieverletzung." Er empfand es ganz anders als vor zwei Jahren beim "Rausch der Emotionen" in Berlin (Medaillenspiegel).

Harting braucht Adrenalin

Den Rausch und das Adrenalin braucht Harting schon vor dem Wettkampf so sehr wie den Diskus in der Hand.

Vor Highlights schaukelt er seine Emotionen immer hoch, es scheint, als brauche er ein solches Ritual. Durch Kritik am Umfeld, an Missständen im Sportsystem - oder durch Interviews mit heftigen Inhalten.

So wie kürzlich, als er in einem großen Blatt erklärte, es wäre mal schön, einen Donnerstagabend mit Freunden rumzuhängen, in eine Bar zu gehen, sich danebenzubenehmen, die Bedienung zu bequatschen, das Lokal zu zerlegen und dann wieder zu gehen."

Harting lacht. "Zu 50 Prozent ist das ein Ritual, durch das ich mich aufputsche. Bei den anderen 50 Prozent ist es so, dass ich viele Interviews gebe und nicht immer das Gleiche erzählen will. Dann haue ich schon mal so einen Spruch raus."

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