Aufwändiger Testlauf für Pyeongchang 2018
Daegu - Ahnungslose Kampfrichter und Helfer, bestellte Zuschauer, die bei fast jedem Wurf, Sprung oder Stoß im Stadion staunend "Ooohhh" riefen:
Die weltbesten Leichtathleten mussten mit ihrem WM-Auftritt in Daegu Pionierarbeit für ihren Sport leisten (DIASHOW: Die Bilder der WM).
Gastgeber Südkorea wies trotz aller Kritik erneut die Fähigkeit nach, Großereignisse mit großem Aufwand sehr gut bewältigen zu können und rechtfertigte die Wahl von Pyeongchang zum Austragungsort der Olympischen Winterspiele.
Experten sollten helfen
"Ich kann den Koreanern nur den Rat geben, in den nächsten Jahren ganz viele Wettkämpfe zu besuchen und genau hinzusehen. Außerdem sollten sie sich Experten holen, die helfen. Das muss einfach sein", erzählt Stefan Thies.
Der als Supervisor für den Medienbereich zuständige Spezialist, der bereits bei der Leichtathletik-WM in Berlin 2009 und bei den Commonwealth Games in Delhi 2010 in gleicher Funktion arbeitete, lebte in den letzten acht Monaten in Daegu und hat versucht, sich in die koreanische Mentalität einzufügen.
"Wir Europäer haben die komplett andere Gesellschaftsstruktur der Koreaner ebenso zu akzeptieren, wie die Koreaner lernbereit sein müssen", sagt Thies.
Gravierende Sprachprobleme
Das sei in Daegu nicht durchgängig gelungen. Vor allem habe es gravierende Sprachprobleme gegeben. (Medaillenspiegel)
Anweisungen des Weltverbandes IAAF seien ignoriert worden, weil sie schlichtweg niemand verstand. Zudem fiel es den Gastgebern schwer, die Entscheidungshoheit der IAAF zu akzeptieren.
"Die Hierarchie ist in Korea extrem ausgeprägt. Das macht öfters die Entscheidungswege zu lang", sagt Thies.
"Wenn aber die Fehler meistens viel zu spät erkannt und benannt werden, dann werden sie auch abgestellt."
IOC-Funktionärin Lindberg "beeindruckt"
Im Falle des 240 Kilometer nördlich von Daegu gelegenen Olympiagebietes Pyeongchang hat das Internationale Olympische Komitee sein Einwirken bereits begonnen.
Die Chefin der IOC-Koordinierungsgruppe, Gunilla Lindberg, und Sportdirektor Gilbert Felli trafen sich bereits in dieser Woche zu einem dreitägigen sogenannten Orientierungsseminar mit den Südkoreanern, die ihre Verantwortlichen um Sportminister Kim Ki Hong und Bewerbungschef Cho Yang Ho antreten ließen.
Lindberg, die auch der IOC-Evaluierungsgruppe für die Olympischen Winterspiele 2018 vorgestanden hatte, zeigte sich am Ende diplomatisch "beeindruckt" vom Empfang und vom aktuellen Stand der Vorbereitung, wies aber auch darauf hin, dass Pyeongchang viel von den Erfahrungen früherer Olympischer Spiele profitieren könne.
"Wir müssen aufpassen"
"Immer wieder wird das Rad in solchen Fällen neu erfunden. Das muss nicht sein", sagt Helmut Digel.
Das deutsche IAAF-Vorstandsmitglied ist sicher, das Pyeongchang ein exzellenter Olympia-Gastgeber sein wird.
"Wir müssen aber mit der Forderung aufpassen, dass nur die Koreaner von uns lernen sollen. Die haben schon alle sportlichen Großereignisse dieser Welt organisiert. Und sie verfügen über einige der größten Weltkonzerne", sagt Digel.
15.000 Englischlehrer
Das bereits bei der Fußball-WM 2002 gravierende Verständigungsproblem wird typisch koreanisch mit finanzieller Power angegangen.
In den nächsten drei Jahren sollen 15.000 neue Englischlehrer in den Schulen eingestellt werden. Und für den Aufbau des Wintersports ist mit Blick auf 2018 ebenfalls ein millionenschweres Programm auf den Weg gebracht.
Aber in den unzähligen kleinen Restaurants des Landes wird wie dieser Tage in Daegu sicher auch in sieben Jahren nur ein Sport auf den TV-Bildschirmen gezeigt: Baseball.
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