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Die NADA führte 2008 fast 13.000 Tests durch - 3500 mehr als im Jahr zuvor © getty

Viel mehr Trainingskontrollen, Verdächtige unter Dauerbeobachtung: Deutschlands Dopingjäger sind emsig und selbstbewusst.

Berlin - Deutschlands Dopingjäger haben sich am Donnerstag in Berlin als Meister von Wort und Tat präsentiert.

Selbstbewusst verkündete die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) in ihrer Bilanz-PK 66 Dopingfälle für das Jahr 2008 - sechs weniger als 2007.

Die Bewertung ließ NADA-Geschäftsführer Göttrik Wewer indes offen. Er sei nicht "blauäugig". Es gäbe weiter eine "Grauzone".

Trotzdem fühlt sich die NADA stark wie nie zuvor. Wewer berichtete von begonnenen Nachkontrollen eingefrorener Dopingproben.

Nachtests auf Insulin und CERA

"Bestimmte Athleten sind unter Dauerbeobachtung, bei denen ein gewisser Rauch zu erkennen, aber das Feuer noch nicht zu sehen ist."

Von diesen würden die Proben aufbewahrt. "Ich wage die These, dass keine NADA so intensiv nachanalysiert wie wir."

Bisher habe es jedoch keine positiven Ergebnisse gegeben. Unter anderem sei auf Insulin und das neue EPO-Präparat CERA nachgetestet worden.

Auch ein Verdachtmoment gezählt

Die Quote von Dopingfällen zu Tests sank 2008 deutlich auf 0,51 (2007: 0,76), was an der Erhöhung der Zahl der Tests auf 12.926 liegt - 3500 mehr als 2007.

Die Zahl der Trainingskontrollen verdoppelte sich fast: von 4872 auf 8026. 4900 Wettkampfkontrollen 2008 standen 4661 im Jahr 2007 gegenüber.

In den 66 Dopingfällen enthalten sind zehn Kontrollverweigerungen und die Verfolgung eines

Verdachtsmomentes.

Kontrollsystem "ohne Lücken"

In Zukunft will die NADA verstärkt Blut- und Steroidprofile beobachten, um laut Wewer den "ganz bösen Buben" auf die Schliche zu kommen.

Zudem seien Indizienprozesse in Vorbereitung. "Aber erst wenn der Sack voll ist, würden wir das Thema angehen."

Mit Stolz verkündete der NADA-Vorsitzende Armin Baumert, auf deutschem Terrain gebe es ein Kontrollsystem, "das ohne Lücken und Sonderregelungen durchgesetzt wird. Wir lassen uns von niemandem umblasen."

Dankbare Zusammenarbeit mit dem DFB

Dann holte er tief Luft und meinte mit Blick auf die Diskussion zwischen Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) und Fußball-Weltverband FIFA um die abgewendete "Lex Fußball": "Ließe sich die WADA durch große Namen einschüchtern, wäre sie schon auf der Verliererstraße."

Die FIFA würde versuchen, die Welt mit ihrer Forderung nach Kontrollpausen für urlaubende Fußballer "einzulullen": "Da muss einem ja der Geduldsfaden reißen."

Dagegen sei er für die gute Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) "äußerst dankbar". Diese entstand aus dem Fall Hoffenheim. "Der DFB musste einsehen, dass er seine Wettkampfkontrollen nicht im Griff hatte."

Auch Kufencracks im Boot

Baumert wiederholte seine Forderung an WADA und Internationales Olympisches Komitee (IOC), für gleiche Bedingungen weltweit zu sorgen. Die deutschen Athleten erwarten, dass es auch für ihre Konkurrenten "kein Hintertürchen" gäbe. (Doping-Kontrollsystem vor dem Aus? )

Konsequent zeigte sich die NADA 2008 auch bei der Verfolgung von Meldepflichtverstößen. 239 Fälle wurden sanktioniert.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB), vor einem Jahr laut Baumert noch das "Sorgenkind", sei erfolgreich ins Kontrollsystem integriert worden. (NADA kontrolliert das deutsche Eishockey)

"Es ist gibt ein Druckmittel, das ist die öffentliche Finanzierung." 26 Fachverbände hätten zudem mittlerweile eine Vereinbarung mit dem Deutschen Sport-Schiedsgericht geschlossen, 13 stünden kurz davor.

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