Im Radsport geht es mitunter skrupellos zu. Doch 1995 gab es ein Beispiel für Fair-Play. Zumindest auf den ersten Blick.

Es gibt solche und solche. Im Radsport sind es die einen, die Unbelehrbaren, Betrüger, Doper, die Gedopten, die Überführten und die dringend Verdächtigten.

Andreas Klöden ist einer dieser Unbelehrbaren. Er reagiert verstockt, wenn es um Doping-Vorwürfe gegen seine Person geht. Er ist einer, der dann zurückledert und einen Kronzeugen wie Patrik Sinkewitz für unglaubwürdig erklären lässt.

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So auch nach der Pressekonferenz der extra eingesetzten Freiburger Experten-Kommission zur Aufklärung der Manipulation an der Freiburger Uni-Klinik.

Klöden wurde massiv belastet, Mitglied des sogenannten Telekom-"Rheinkonvois" mit Sinkewitz und Matthias Kessler gewesen zu sein. Der fuhr zum Start der Tour de France 2006 zwecks Blutdoping direkt zur Freiburger Sportmedizin.

Klöden und Co. sind von der Sorte, die einem ehemaligen Fan den Radsport verleiden. Was bei der Tour 1998 mit dem "Festina-Skandal" begann, setzte und setzt sich Woche für Woche, Monat für Monat und Jahr für Jahr fort - einfach widerlich!

Aber es gab auch die anderen. Und das ist immer noch eine schöne Erinnerung. Es war am 20. September 1995 bei der Vuelta, auf der 238 km langen Etappe hoch in die 2300 Meter hohe Sierra Nevada. Und dieser andere hieß Laurent Jalabert.

Der frühere Telekom-Profi Bert Dietz war auf dem langen Schlussanstieg ausgerissen, kämpfte sich in Führung liegend die letzten 15 Kilometer allein hoch in Richtung Ziel.

Alle gönnten ihm den Etappensieg. Er kämpfte um jeden Meter, doch die fünfköpfige Verfolger-Gruppe mit Jalabert, Abraham Olano und Johan Bruyneel kam immer nächer.

Der Vorsprung schmolz, die Motorrad-Kameras des spanischen Fernsehens spiegelten das dramatische Duell zwischen dem Ausreißer und den Verfolgern gnadenlos wider.

Dann geschah es: Rund 100 Meter vor dem Ziel schloss Jalabert als Führender der Verfolger-Gruppe mit großem Tempo auf Dietz auf.

Alle, die Fans am Anstieg und vor den TV-Geräten, bedauerten Dietz. Sie erwarteten, dass Jalabert vorbei flog und sich den Etappensieg sicherte.

Doch dann geschah etwas Überraschendes. Jalabert bremste, winkte und rief Dietz zu, er solle sich beeilen. Der Franzose wollte dem Telekom-Profi den Erfolg nicht mehr stehlen. Dietz sollte die Früchte der langen Solo-Fahrt ernten.

Und so kam es: Dietz schleppte sich mit letzter Kraft als erster über den Zielstrich, erst dann trat Jalabert an, als Olano als "Reifenlutscher" von dieser tollen Geste profitieren wollte. Jalabert wurde Zweiter. Den Spanier ließ er nicht mehr vorbei.

Schade, dass auf dieses große Rennen mit dieser großen Geste später ein Schatten fiel. Bert Dietz gestand, dass auch er in die Doping-Affären beim Team Telekom verwickelt war.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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