Die versuchte Rettung des Bonner Schwimmsports wurde zur Bauchlandung. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Die Schwimmer wachen allmählich aus ihrem Dornröschenschlaf auf. Ab 19. Juli steigt in Rom die WM. Die deutschen Asse wie Paul Biedermann, Britta Steffen und Co. müssen zuvor die schärfsten Normen schaffen, die jemals aufgestellt wurden, um dabei zu sein.

Heute kommen die DSV-Topschwimmer aus Berlin, Magdeburg, Essen, Wuppertal usw., aber nicht mehr aus Bonn.

Das war in den 60er- und 70er-Jahren noch anders, als ein Startrainer wie Gerhard Hetz dort agierte. Nach seinem Weggang aber ging mit den SSF Bonn bergab.

Diese Durststrecke des Traditionsvereins wollten die Stadtoberen, Firmenbesitzer und andere Prominente in den 80er-Jahren beenden. Bonn war zwar noch 1989 Austragungsort der EM, aber von den SSF kam kein Star.

In einer konzertierten Aktion sollten die Schwimmsport-Freunde wieder an die nationale Spitze gebracht werden.

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Über die Bemühungen berichtete dann auch eine Bonner Zeitung. Der Redaktionsleiter selbst hatte mit viel Herzblut den Artikel geschrieben und mit dem zuständigen Chef vom Dienst (CvD) in Köln die Überschrift abgesprochen.

Der CvD gab die Überschrift ("Prominenz will die SSF flottmachen") an seinen Produktionsleiter weiter. Der notierte sie auf einem Zettel, hatte aber wohl nicht ganz richtig zugehört.

Er produzierte in der Kölner Zentrale seine Version am Computer. Danach konnte die Geschichte samt Überschrift für die Bonner Ausgabe in Druck gehen. Das Unglück nahm seinen Lauf.

In der Zeitung sahen die erstaunten Leser dann aber nicht über der Aufmacher-Geschichte die geplante Überschrift, sondern "Prominenz will die SSF plattmachen".

Der Bonner Redaktionsleiter, selbst einst Wasserball-Torwart bei den SSF, wurde schon um 6.30 Uhr aus dem Bett geklingelt. Er eilte sofort in die Redaktion, um die Gemüter am Telefon zu beruhigen. Einer der Prominenten war nämlich Dr. Hans Riegel, Chef des bekannten Weltunternehmens "Haribo".

Die Aufregung um die Überschrift hätte den Redaktionsleiter, wie er später zugab, zehn Jahre seines Lebens gekostet.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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