vergrößernverkleinern
Goldene Zeiten im deutschen Tennis: 1989 triumphieren Graf und Becker © getty

1989 ist der Heilige Rasen von Wimbledon fest in deutscher Hand. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Es gibt solche Tage, aber es gibt sie nicht oft! Die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera" schockte vor 20 Jahren die Engländer mit der Frage: "Sind wir sicher, dass Wimbledon in England liegt?"

Es war eine Anspielung auf zwei deutsche Tennis-Stars, die den "heiligen Rasen" in London zu ihrem Wohnzimmer umfunktioniert hatten.

Und das gleich im Doppel an einem Tag. Es war der 9. Juli 1989.

Während das diesjährige Turnier an der Church Road mit vagen Erfolgsaussichten der deutschen Damen und Herren um Sabine Lisicki, Tommy Haas sowie Philipp Kohlschreiber gestartet ist, denken die älteren Tennis-Fans gern an diesen historischen Sonntag zurück.

Die Protagonisten Steffi Graf und Boris Becker sorgten innerhalb weniger Stunden für einen Doppelschlag, den es in ähnlicher Form aus deutscher Sicht bisher zuvor nur zweimal in Paris (1936 und 1937) gegeben hatte.

[image id="587155b1-65e7-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Um 15.40 Uhr deutscher Zeit erklang auf dem Center Court von Wimbledon der magische Ausruf: "Game, Set, Match, Miss Graf!". Kaum drei Stunden später hörten die 14.000 Zuschauer den weiteren Ausruf: "Game, Set, Match, Becker!"

Geschlagen waren Tennis-Größen wie Martina Navratilova und Stefan Edberg. Die "German Wunderkinder" aus Brühl und Leimen hatten mit ihren Finalerfolgen noch eins draufgesetzt.

Vor dem TV-Schirm daheim wollte man kaum glauben, was hier geschah. Edberg sagte nach seinem Match, dass Becker mit 6:0, 7:6, 6:4 gewann: "Im ersten Satz hatte ich das Gefühl, ich würde gegen Boris bergauf spielen."

Steffi Graf, die sonst Beherrschte, zeigte bei ihrem 6:2, 6:7, 6:1-Erfolg über die große Navratilova erstmals auch große Gefühle. Unmittelbar nach dem Matchball wurde sie von einem Tränenausbruch geschüttelt. Noch bei der Ehrung durch die Herzogin von Kent kullerten die Tränen über ihre Wangen.

Die internationalen Medien feierten später "Queen Steffi" und "King Boris".

Die Foto-Session des deutschen Tennis-Traumpaares wurde dann in der "viewing line" zur Attraktion. Steffi und Boris Arm in Arm. Links der Silberteller, rechts der Goldpokal. Zwei deutsche Flaggen zierten den Spiegelsaal im Londoner Savoy-Hotel.

Viele waren jetzt auf den obligatorischen Ehrentanz der Sieger nach dem Dinner gespannt. Doch das war das einzige, was an diesem denkwürdigen Tag nicht klappte.

Während Steffi rechtzeitig vor Ort war, ließ Boris bis 23 Uhr auf sich warten. Der Ehrentanz für die Medien war geplatzt. Steffi nahm's trotzdem locker: "Ich glaube, das ist ums zum Glück erspart geblieben."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel