Vor 20 Jahren war die Entscheidung bei der Tour de France so knapp wie nie. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Der Anblick sorgte bei den Radsport-Fans für Aufsehen. Da raste ein Profi beim Zeitfahren mit einer eigenartigen Lenker-Konstruktion sehr windschnittig auf seiner Maschine in Richtung Champs-Elysees. Unglaublich schnell.

Es war Greg LeMond. Der US-Amerikaner benutzte an diesem 23. Juli 1989 erstmals den Triathlon-Lenker und den Tropfenhelm, um im abschließenden Kampf gegen die Uhr doch noch die Tour de France zu gewinnen.

Über 1000 Kilometer entfernt hockte an diesem Tag vor 20 Jahren ein damals 15-Jähriger vor dem Fernsehschirm und verfolgte begeistert das Duell zwischen LeMond und dem bis zu der Schlussetappe nach Paris führenden Franzosen Laurent Fignon.

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Der Ausgang ist bekannt. LeMond nutzte die technische Innovation, war im Zeitfahren 58 Sekunden schneller als Fignon und gewann die Tour mit dem bisher minimalsten Vorsprung von acht Sekunden.

Völlig erschöpft, aber überglücklich die Finger hebend saß LeMond im Ziel auf dem Asphalt, während Fignon nach dem Drama viel Zuspruch der Betreuer benötigte.

Der vor dem TV-Schirm saß, war einer, der dann acht Jahre später in Paris triumphierte: Jan Ullrich. Wie er später selbst sagte, habe ihn das packende Duell zwischen den beiden Protagonisten LeMond und Fignon so fasziniert, dass er sich vornahm, auch einmal auf den Champs-Elysees im Gelben Trikot zu fahren. Doping war da noch weit weg.

Die am Samstag in Monaco beginnende Tour 2009 wird dagegen von der Frage überschattet: Hat der spätere Sieger auch eine weiße Weste?

Zurück zu LeMond und Fignon - zwei Ex-Profis, die auch gegen Schicksale kämpfen mussten.

LeMond wurde ein Jahr nach seinem ersten Tour-Erfolg 1986 mit dem drohenden Tod konfrontiert. Der Amerikaner erlitt Ostern 1987 bei einem Jagdunfall mit seinem Schwager lebensgefährliche Verletzungen.

Er war versehentlich mit Schrotkugeln angeschossen worden. LeMond überlebte, weil ein zufällig in der Nähe vorbeifahrender Rettungswagen im Einsatz war. Dutzende der Kugeln sind noch heute in seinem Körper.

Damals kämpfte sich LeMond durch, setzte sich wieder aufs Rad und gewann 1989 sowie 1990 die Tour.

Laurent Fignon steht der größte Kampf seines Lebens noch bevor. Mit 48 Jahren leidet er an Bauchspeicheldrüsen-Krebs. Der Franzose erklärte nach einigen Chemotherapien: "Ich weiß nicht, wie lange mir noch bleibt."

Und dann wies er auf ein Problem hin, das heute vor dem Start der Tour 2009 alle Diskussionen überlagert: Doping!

"Ich kann nicht behaupten, dass Doping bei meiner Krankheit keine Rolle gespielt hat." Und er sagt: "Was wir damals nahmen, ist gegenüber dem, was heute läuft, noch harmlos. Ich rechne damit, dass die heutigen Profis in zehn oder 20 Jahren dafür bezahlen müssen."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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