Kölns zweite Kraft war in der Krise - das rief die Medien auf den Plan. Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich.

Zugegeben: Es gab und gibt den 1. FC. Aber es gab und gibt auch in Köln die Fortuna. Und die war und ist in der Domstadt Kult.

Der Klub des verstorbenen Präsidenten Jean Löring sprach zwar nicht so sehr die anwesenden Zuschauer an - die verloren sich bei Heimspielen sehr oft im weiten Rund der alten Radrennbahn und des Südstadions - aber die Herzen der Fußball-Fans.

Und so war es auch in der Saison 1991/92. Der Fortuna stand nach vielen Jahren in der Zweiten Liga wieder einmal das Wasser bis zum Hals. Der Abstieg drohte. Die zweite Kölner Fußball-Kraft schien in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

[image id="a958b23d-65e5-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Und da kommt die Kölsche Seele ins Spiel. Nicht nur Politiker, Promis und Sänger wie Bläck-Fööss-Chef Hartmut Priess, sondern auch die Kölner Medien riefen zur großen Aktion "Rettet die Fortuna" auf.

In Berichten und Artikeln wurden die Bürger und Fans immer wieder zur Unterstützung der Mannschaft aufgerufen. Tag für Tag, Woche für Woche.

Das hatte sich aber noch nicht überall am Dom und im Umkreis herumgesprochen. So hatten Vertreter der Werbe- und Vertriebsabteilung einer Zeitung zu oft die wenigen Zuschauer gezählt und kamen dann zu dem Schluss: "Da müssen wir handeln." Und die Leute handelten. Kultverein hin, Kultverein her.

Wenige Tage später erhielt die Sportredaktion eine Mail von der Werbe- und Vertriebsabteilung: "Wir haben im Kölner Südstadion wegen der zu geringen Zuschauer-Resonanz unsere Werbeflächen abgebaut."

Der Produktionsleiter der Sportredaktion, die alle Kräfte mobilisiert hatte, damit die Fortuna den Klassenerhalt noch schafft, nahm die Mail zur Kenntnis, atmete kurz durch, lächelte gequält und konstatierte nur lakonisch: "Soviel zum Thema 'Rettet die Fortuna!'"

Zum Ende der Saison stand die Fortuna zunächst als Absteiger fest, aber durch den Lizenzenzug von Blau-Weiß 90 Berlin waren die Kölner doch noch gerettet.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eins bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel