Der Rudersport hat in Deutschland viele Persönlichkeiten hervorgebracht. Doch das Schicksal meinte es nicht immer gut mit ihnen.

Seit 1999 fuhr zwischen Hamburg und München der ICE "Karl Adam" mit Höchstgeschwindigkeit über die deutschen Bahnschienen.

Geschwindigkeit war auch immer der Wunsch von Karl Adam, den sie den "Ruder-Professor" nannten. Der Physik- und Sportlehrer aus Ratzeburg weckte die deutschen Ruderer aus dem Dornröschen-Schlaf.

Mit ihm verbunden ist vor allem der Deutschland-Achter. Das Flaggschiff des DRV gilt auch für die kommende WM in Polen (ab 23. August) nach den bisherigen Saison-Leistungen und dem Sieg auf dem Luzerner Rotsee als Topfavorit.

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Drei Personen, stellvertretend für viele andere Haudegen und Größen, die mit dem Deutschland-Achter Geschichte schrieben, hebe ich hier heraus.

Karl Adam:

Er machte als Trainer das deutsche Großboot bei Olympia 1960 mit dem Triumph in Rom zur Legende. Mit neuen didaktischen, technischen und psychologischen Methoden brachte der in Hagen geborene Westfale in Fahrt.

Er ließ seine Recken Gewichte stemmen, führte das Intervall-Training ein und bastelte an den Materialien des Bootes. Sein Psycho-Trick: Die Energie zwei "verfeindeter" Lager muss gebündelt werden. Adam: "Ich hetze sie mental gegeneinander auf und dann lassen sie ihre Wut an den Ruder-Riemen aus."

Das wirkte. Klaus Bittner, Karl-Heinz Hopp, der spätere Professor Hans Lenk, Manfred Rulffs, Frank Schepke, Kraft Schepke, Walter Schröder, Karl-Heinrich von Groddeck und Steuermann Willi Padge ließen Kanada und die CSSR klar hinter sich.

Karl Adam hatte die Ruder-Welt aufgemischt. Später erkämpften sich seine Boote insgesamt 29 Goldmedaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften. Eine große Trainer-Karriere endete ausgerechnet in meiner Heimatstadt Bad Salzuflen tragisch. Am 18. Juni 1976 brach Karl Adam beim 4000-m-Lauf fürs Sportabzeichen nach 3000 Metern zusammen und starb. Er wurde 64 Jahre alt.

Dr. Gunther Tiersch:

Wir kennen ihn alle heute, wenn er den Fernsehzuschauern nach seiner Wettervorhersage im "ZDF" auf den Weg gibt: "Und machen Sie es gut." Der Chefmeteorologe des Senders ist aber nicht nur Klimakenner, sondern auch ein ehemaliger Schüler von Karl Adam.

Tiersch, der später an der TU Berlin studierte und promovierte, brachte mit 14 Jahren als Steuermann mit seinen Kommandos und Anfeuerungen acht "Riesen" im Boot in Fahrt.

Und zwar erfolgreich. Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko trieb er Horst Meyer, Dirk Schreyer, Rüdiger Henning, Wolfgang Hottenrott, Lutz Ulbricht, Egbert Hirschfelder, Jörg Siebert und Niko Ott zur zweiten Olympia-Goldmedaille eines deutschen Flaggschiffs vor Australien und der UdSSR.

Bahne Rabe:

Als im Olympia-Finale 1988 in Seoul der bundesdeutsche Achter bei 1000 Metern noch gleichauf mit dem DDR-Boot lag, genügte ein kleiner Ruck von Bahne Rabe und das Flaggschiff ging ab wie die Post. Der Schlagmann, 2,01 Meter groß mit Bärenkräften, hatte sein Boot auf Gold-Kurs gebracht. TV-Reporter Wolfram Esser lief wie Rabe am Mikrofon zur Höchstform aus und vollendete eine später preisgekrönte Reportage.

Was aber dann kam, überraschte selbst die feiernden Teamkollegen Thomas Möllenkamp, Matthias Mellinghaus, Armin Eichholz, Eckhardt Schultz, Ansgar Wessling, Wolfgang Maennig, Thomas Domian und Steuermann Manfred Klein. Bahne Rabe schaute sich bei der Siegerehrung die Goldmedaille an und fragte nur: "Das soll es jetzt gewesen sein?"

Der lange Bahne Rabe wollte immer mehr. Er war mit dem Erreichten unzufrieden. Er trieb sich an, holte das Letzte aus seinem Körper heraus. Doch irgendwann passten Körper und Geist bei dem gebürtigen Lüneburger nicht mehr zueinander.

Rabe, der 1989 als Schlagmann von Roland Baar abgelöst wurde, beschritt einen einsamen Weg. Er trainierte, aber aß nicht mehr. Rabe wurde magersüchtig. Ihm konnte keiner mehr helfen, Bahne ließ niemanden an sich rankommen. Eltern, Freunde und Ex-Kollegen waren rat- und machtlos.

Am 5. August 2001, fast 13 Jahre nach seinem großen Triumph von Seoul, ist Bahne Rabe im Alter von 37 Jahren gestorben.

Gold macht nicht glücklich.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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