Von jeden noch so unbedeutendem Sportereignis wird im TV berichtet. Mittlerweile regiert das Prinzip Masse statt Klasse.

Borussia Dortmund gegen Inter Mailand. Tagelang fieberten die Zuschauer und Fans diesem Europacup-Spiel der Fußball-Landesmeister entgegen.

Ein sportliches Großereignis, weil selten. Und vor allem: Die Partie mit Aki Schmidt, "Hoppi" Kurrat und Co wurde auch noch live im Fernsehen übertragen - in Schwarz-Weiß.

Millionen saßen an diesem Abend in den 50er-Jahren vor den TV-Schirmen.

Der Hamburger SV gegen die Profi-Truppe des FC Barcelona. Auch im Jahre 1961 fieberten die Fans in Deutschland dem Halbfinal-Hinspiel der Landesmeister am 12. April in Nou Camp (0:1) und dem Rückspiel am 26. April im Volksparkstadion (2:1) entgegen.

Beide Begegnungen mit Uwe Seeler, Charly Dörfel, Klaus Stürmer und Co. wurden live in der ARD gezeigt - in Schwarz-Weiß. Wieder saßen Millionen vor den TV-Schirmen.

[image id="d2b44ad4-65de-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Fußball-Fans hatten tagelang zuvor die Medien beobachtet, um eine Antwort auf die Frage zu bekommen: Wird das Spiel live übertragen oder nicht? Das war damals nicht selbstverständlich. Die Nachricht, dass ein Spiel im Fernsehen live gezeigt wird, wurde wie ein Weihnachtsgeschenk entgegen genommen.

Die Zeiten haben sich gewandelt. Nicht zum Besseren. Da zeigt das Fernsehen im Kampf um die Quoten ein relativ unbedeutendes Qualifikationsspiel zur Gruppenphase der Europa League zwischen Werder Bremen und dem kasachischen Außenseiter-Klub Aktobe live - und in Farbe.

90 quälende Minuten lang konnte man dann sehen wie die Werder-Fans litten, als Aktobe im Weserstadion, wie dann die Bremer nach einer Standpauke von Trainer Thomas Schaaf nach der Halbzeit aufdrehten und - was Wunder - noch mit 6:3 gewannen.

Stuttgart spielt gegen Timisoara - live im TV. Heute ist es nicht die Medien-Sensation, wenn bekannt wird, dass eine Europacup-Partie im TV gesendet wird. Heute sorgt man eher für Schlagzeilen, wenn man verkündet, dass ein Spiel nicht im Fernsehen gezeigt wird - siehe das Rückspiel zwischen Aktobe und Werder.

Sechs deutsche Klubs sind international im Einsatz - sechs von 18. Wenn man die Tabelle runter liest, findet man wenigstens noch Vereine, die sich auf nationale Einsätze beschränken.

Supercup, Champions League, Europa League, UI-Cup usw., usw. Qualifikation, Gruppenspiele, K.o.-Spiele usw., usw. Quantität statt Qualität. Jeder will was vom Kuchen abhaben. Amerikaner und Engländer sagen, man ist "overnewsed".

Doch nicht nur der Fußball setzt auf Quantität. Im Handball und Basketball ist es nicht anders.

Im Handball sind in der kommenden Saison sieben der 18 Bundesliga-Klubs international dabei. Kiel, HSV, Rhein-Neckar Löwen, Lemgo, Gummersbach, Flensburg und Göppingen spielen in irgendwelchen europäischen Wettbewerben.

Das Profiboxen lässt grüßen: Findet sich kein Titelkampf mehr, wird einfach ein neuer Verband gegründet. Und schon geht's um die WM.

Die Handballer fabulierten noch in den letzten Monaten von einer Rebellen-Liga.

Doch den Vogel schießt der international zweitklassige deutsche Basketball ab. Hier sind gleich sieben von 18 mehr oder weniger unbedeutenden Klubs im Einsatz.

Euroleague, Euroleague-Qualifikation, Eurocup, Eurocup-Qualifikation, EuroChallenge-Qualifikation. Oldenburg, Berlin, Bonn, Bamberg, Göttingen, Frankfurt und Quakenbrück spielen international. Und das noch meist defizitär. Kaum einer will das sehen, aber sie spielen. Einfach lächerlich!

Quantität geht über Qualität. Man nennt es auch Ramsch-Ware.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel