Die Basketball-EM und Tennis der US Open begeistern derzeit die Massen. Auch im Juli 1986 fesselten beide Sportarten die Fans.

Parallelen sind da. Am Montag begann in Polen mit der EM ein großes Basketball-Ereignis, am "Big Apple" laufen im Tennis die US Open.

Vor 23 Jahren waren es zwar nicht die Basketball-EM, sondern die -WM in Spanien. Und es endeten auch nicht die US Open, sondern es stieg das Finale von Wimbledon.

Aber beide Sportarten mussten bzw. wollten für den Schreiber dieser Zeilen unter einen Hut gebracht werden.

Es war der 6. Juli 1986. Bei der Ankunft im Hotel des deutschen WM-Spielortes Malaga war dort der Bär los. Aber nicht wegen des bevorstehenden Basketball-Spiels der DBB-Auswahl gegen Italien, sondern wegen Tennis.

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"Bobele" spielt

"Bobele" spielte das Finale gegen Ivan Lendl. Boris Becker war Titelverteidiger in seinem "Wohnzimmer" von Wimbledon. Im großen Fernsehraum des Hotels war der Teufel los.

Die deutschen Touristen drängten sich bei der Liveübertragung des spanischen Fernsehens vor dem TV-Gerät, man hockt nur knapp unter der Mattscheibe, um ja alle mitzubekommen. Bei jedem Punkt, bei jedem Spiel- und Satzgewinn für Becker war Karnevalsstimmung angesagt.

Die Zeit verrann, fast minütlich der Blick auf die Armbanduhr. Das Spiel der deutschen Basketballer gegen Italien wartete. Ich sollte darüber berichten. Aber Becker lief noch. Tennis schauen und später zu den Korbjägern in die Sporthalle? Die Entscheidung fiel schwer. Ich blieb sitzen.

Die Erlösung

Und dann die Erlösung: Der berühmte Becker-Hecht und danach Matchball für Boris. Der junge Deutsche verwandelte gleich den ersten - und der Jubel im Saal nach dem 6:4, 6:3, 7:5-Erfolg über Lendl war riesig. Der Bär steppte. Sonne draußen - völlig uninteressant: Boris wurde nach seinem zweiten Triumph gefeiert.

Ich raste aus dem Hotel in die Sporthalle und kam gerade noch rechtzeitig zum Spiel. Und ich bekam einiges zu sehen. Hauptdarsteller waren der spanische Schiedsrichter und der deutsche Spielmacher Michael Koch, heute Trainer der Telekom Baskets Bonn.

Der Auftritt des Michael Koch

Koch spielte die Italiener schwindelig. Er zeigte die Partie seines Lebens. Die spanischen Zuschauer waren begeistert, Bundestrainer Ralph Klein ebenso. Doch der spanischen Schiedsrichter spielte nicht mit.

Durch fragwürdige, fast skandalöse Entscheidungen wirkte er auf das Spiel ein. Michael Koch allein war da machtlos. Das deutsche Team verlor schließlich mit zehn Punkten Unterschied.

Was dann kam, war beeindruckend. Koch bedankte sich bei den spanischen Fans, lief eine Ehrenrunde und wurde mit Standing Ovations durch die spanischen Zuschauer gefeiert. Ein Verlierer war der Sieger.

Weiße Taschentücher

Anders, als der spanische Schiri das Parkett verließ. Die Zuschauer zückten die weißen Taschentücher und winkten ihm zu - bis er die Halle wie ein geprügelter Hund verließ.

Das Winken der Taschentücher kommt aus dem Stierkampf und heißt: Du Feigling. Der Schiri wusste genau, was seine spanischen Landsleute ausdrückten.

Großer Ärger über Schiri-Leistung

Über das Theater konnte sich auch ein deutscher NOK-Vertreter nicht beruhigen. Noch nach der Ankunft im Quartier in Marbella ärgerte er sich über die Schiri-Leistung. Er habe solch eine ähnliche Sache mit einem guten Bekannten, der ein Regionalliga-Spiel seiner Mannschaft gepfiffen hat, erlebt.

Und dann erzählte der NOK-Mann: "Ich bin nach dem Spiel zu ihm hingegangen und habe ihn gefragt: '"Norbert, hast Du mal fünf Sekunden Zeit?' "Ja", sagte Norbert ganz freundlich. Und dann habe ich ihn gebeten: "Dann erklär' mir mal alles, was Du über Basketball weißt.'"

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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