Sport1.de-Redakteur Wolfgang Kleine erinnert sich an eine deutsche Fechtlegende, die einem bekannten Franzosen ähnelte.

Die Rede ist von einem kleinen Mann, der ein ganz Großer wurde. Er ähnelte Napoleon - herrisch, dickköpfig, ehrgeizig, aber ohne die berühmte Stirnlocke. Er wollte auch nicht, wie der große Franzose die Welt, sondern nur die Fecht-Welt erobern. Die Rede ist von Emil Beck.

Matthias Behr saß an diesem 12. März 2006 in seiner Wohnung in Tauberbischofsheim, als um 21.30 Uhr das Telefon klingelte. Der Bürgermeister war am anderen Ende der Leitung und überbrachte die schlimme Nachricht vom Abschied eines "Eroberers".

Emil Beck ist tot. Eine Fecht-Legende hatte mit 70 Jahren die große Sport-Bühne verlassen. Behr war betroffen. Die Szene hatte einen Macher, aber auch einen Sturkopf verloren.

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Wenn ab Mittwoch im türkischen Antalya die deutschen Fechter bei der WM um Gold, Silber und Bronze kämpfen, wenn ein Peter Joppich oder eine Britta Heidemann in einer Randsportart mit ihren Erfolgen in den Medien Beachtung finden, dann ist das auch ein Verdienst eines Fechtverrückten wie es Emil Beck war. Er schuf die Grundlage.

Für Matthias Behr, der wie Alexander Pusch, Thomas Bach und Harald Hein früh seinen Vater verloren hatte, war Beck nicht nur der große Meister, sondern auch der Ersatzvater.

Behr erklärte nach dem Tod des "Magiers" im Sport1.de-Interview: "Er war ein väterlicher Freund. Für mich auch ein Ersatzvater. Er war fürsorglich, aber er ließ auch keinen Widerspruch zu. Sein Motto war immer: Wenn du nicht für mich bist, bist du gegen mich."

Emil Beck polarisierte. Vielleicht auch ein Geheimnis seines Erfolges. Als 16-Jähriger kam der damals gelernte Friseur 1951 durch einen Bericht in der Kino-Wochenschau zum Fechten. Das Fieber hatte ihn gepackt. In Bad Mergentheim ließ er sich zum Fechter ausbilden.

Im Heizungskeller trainierte er seine ersten Schüler, gab seinen Beruf auf und widmete sich ganz dem Sport. Die Erfolge stellten sich dann in den 70er-Jahren ein.

1973 gewann das Degen-Team bei der WM Gold. Die begeisternden Radio-Übertragungen von Karl-Bernd Skamper und Carl-Friedrich Brauns habe ich jetzt noch in den Ohren. Alexander Pusch, der berühmteste der Beck-"Musketiere", wurde 1975 Weltmeister und gewann 1976 in Montreal Olympia-Gold.

Es folgten unter Becks Führung insgesamt 163 Medaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften.

1988 dann der Höhepunkt in Seoul: Anja Fichtel, Sabine Bau und Zita Funkenhauser, die heutige Frau Behr, gewannen im Florett-Fechten Gold, Silber und Bronze. Beck überstrahlte alles.

Das Zentrum in Tauberbischofsheim wurde zum Mekka des Weltfechtens. Doch elf Jahre später kam der Knick in die Karriere des Fecht-Papstes. Nach Querelen musste Beck 1999 das Zentrum als Leiter verlassen.

Beck wurde jetzt Opfer dessen, was ihn als Macher immer auszeichnete: seiner Starrköpfigkeit. Seine ehemaligen Schüler Pusch und Behr muckten gegen den Meister auf. Das Gängeln der Athleten wurde nicht mehr hingenommen.

Matthias Behr schilderte das bei Sport1.de so und bezog sich dabei auf eine Aussage von Ex-Weltmeister Elmar Borrmann: "Wenn Emil befahl, setz Dich hin, dann hast du gar nicht erst geguckt, ob da ein Stuhl ist."

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

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