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Britta Heidemann gewann 2004 in Athen bereits Silber mit der Mannschaft © getty

Die Degen-Olympiasiegerin kommt mit dem Gehabe des Jamaikaners nicht klar. Sie findet Kraft und Selbstbewusstsein in der Familie.

Antalya - Das Olympiagold von Peking lugt unbewacht aus ihrer kleinen weißen Handtasche, als Britta Heidemann sich die Hand aufs Herz legt.

"Hier drin", erklärt die deutsche Ausnahmefechterin, "nur hier drin ist es wichtig. Dort sind die Gefühle meiner Erfolge gespeichert. Die Medaillen bedeuten mir nicht viel. Sie sind nur ein Stück Metall."

Nur für Pressetermine holt die 26-Jährige ihre Goldstücke hervor, ansonsten dürfen die stolzen Eltern aufpassen. Heidemann braucht sich ihre Erfolge nicht ständig vor Augen zu führen, das narzisstische Gehabe mancher Superstars ist ihr fremd.

"Ich bin der Gegenentwurf zu Usain Bolt. Ich renne nicht rum und sage mir: 'Boah, du bist die Größte!' Ich freue mich tierisch über Siege, aber lieber im kleinen Kreis."

Familienbetrieb Heidemann

Der kleine Kreis ist ihre Familie, Quell der Kraft und des beeindruckenden Selbstbewusstseins.

"Mein Leben steht im Moment auf vier Säulen", sagt Heidemann, "dem Fechten, den Veranstaltungen, bei denen ich Vorträge über mentale Stärke halte, zudem bin ich in einer Unternehmensberatung tätig. Dazu kommt, ganz wichtig, die Familie."

Die ist so gut wie immer dabei: "Mein Bruder macht meine Pressearbeit, mein Freund reist auf die Turniere, mein Vater ist mein Konditionstrainer - und mit meiner Mutter gehe ich sehr häufig essen."

Gefragte Person

Trotz des - "nicht nachlassenden!" - nacholympischen Hypes bleibe somit "mehr Zeit für Privates, als man denkt: Abends einmal einen Film anschauen, morgens Shoppen gehen oder doch zwei Stunden auf der Couch sitzen. Mein Zeitmanagement ist optimal."

Dies ist angesichts der Terminfülle auch nötig. Ihre beeindruckenden Mandarin-Kenntnisse, perfekten Umgangsformen und natürlich die Diplomarbeit über Windkraft in China haben Heidemann zusätzlich dort zum Star werden lassen.

"Termine und Anfragen gibt es en masse", sagt sie bei einer kurzen Unterbrechung des Trainings. Dann geht es weiter zur Physiotherapie, hier ein kurzes Foto, da ein schnelles Interview auf dem Weg.

Heidemann will sich neu beweisen

"Es läuft richtig gut", stellt Britta Heidemann abschließend fest. "Ich hätte nach Olympia nie gedacht, dass ich so schnell das Feuer wieder anzünden und die EM gewinnen könnte."

In Antalya soll es möglichst wieder Gold werden. "Ich beherrsche die Kunst, mich in eine positive Stimmung hineinzureden. Um die Spannung hochzuhalten, um das Gefühl zu bekommen. Ich will mir immer neu beweisen, dass ich gut bin."

London als Ziel gesteckt

Bis zu den Sommerspielen in London 2012 soll es mindestens weitergehen. "Das steht ganz groß auf meiner Agenda. Danach sehen wir weiter, ob ich noch einen Vier-Jahres-Zyklus dranhänge."

Keine Sekunde wird sie des Degenfechtens überdrüssig, aber: "Ich habe ja sämtliche Rekorde geschlagen. Ich hätte statistisch bereits Olympia nicht gewinnen dürfen. Ein Lauf wie dieser ist außergewöhnlich für die Fechtgeschichte."

Drei Jahre kreative Phase

Parallel also dreht Heidemann an den Stellschrauben für die Zeit nach dem Spitzensport. "Meine Zukunftsplanung ist gerade extrem spannend. Die nächsten drei Jahre werden die kreative Phase", sagt sie.

Dann dreht sie sich schwungvoll um, holt sich zehn Meter entfernt ihre kleine weiße Handtasche und geht. Das Gold von Peking ist noch da.

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