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Nach dem dritten Platz bei der WM 2007 feiert Nicolas Limbach nun den Titel © imago

Der frisch gebackene Säbel-Weltmeister kann sein Glück kaum fassen. Die unterlegene Heidemann gehört zu den ersten Gratulanten.

Antalya - Die goldene Nacht des Nicolas Limbach endete irgendwann an der Hotelbar.

"Ich habe einige Bierchen getrunken, viele Athleten waren da, alle Betreuer und meine Trainer. Aber ich war nicht allzu spät im Bett", berichtete der neue Säbel-Weltmeister am Morgen nach seinem Triumph: "Ich war völlig geschafft."

Hoch über den Bergen vor Antalya entlud sich ein mächtiges Gewitter, als Limbach die Kollegen im riesengroßen Athletenhotel Kervansaray Lara zu einer Spontanparty versammelt hatte.

Vor Anrufen, Glückwünschen und Umarmungen konnte sich der Säbelchampion auch 16 Stunden nach seinem Erfolg kaum retten.

Heidemann gibt sich kollegial

Die schwer geschlagene Degen-Olympiasiegerin Britta Heidemann gehörte Stunden nach ihrem Viertelfinalaus noch in der Halle zu den ersten Gratulanten und war auch bei der Feier dabei.

"Doch noch ein Sieger, super", sagte die entthronte Titelverteidigerin. Sie warf beide Arme in die Höhe und lachte, als sei nichts geschehen.

Limbachs Handy stand überhaupt nicht mehr still.

"Ich habe im Moment des letzten Treffers fünf SMS auf einmal bekommen. Verwandte, Freunde, Bekannte haben echt massenweise angerufen", berichtete der 23-Jährige.

Mit Handy am Ohr bei der Doping-Kontrolle

Mit Telefon am Ohr saß Limbach bei der Doping-Kontrolle, sein Glück konnte er kaum fassen.

"Das wird dauern, bis ich kapiere, dass ich Weltmeister bin", sagte Limbach am Dienstag, als er bereits wieder den Kollegen die Daumen drückte.

Die Medaille verwahrte er in einer schwarzen Schatulle und ließ sie nicht aus den Augen.

Über einen Anruf freute sich Limbach ganz besonders: "Meine Freundin Anna hat das Final-Gefecht in Dormagen live gesehen, bei unseren türkischen Vermietern im türkischen Fernsehen. Sie hat sich tierisch gefreut."

Limbach will drei Tage durchfeiern

Am Freitag gibt es ein Wiedersehen, der Party-Marathon kann beginnen. "Wir werden am Freitag feiern und am Samstag und am Sonntag", so Limbach.

Vier Wochen Wettkampfpause gönnt er sich nun, in einer Woche sind die Semesterferien vorbei, er setzt dann sein International-Management-Studium fort.

Mit stählernen Nerven und fantastischem Timing schaltete Limbach seine Gegenspieler reihenweise aus. Dann kam "das schwerste Gefecht" seines Lebens gegen Luigi Tarantino.

Sieg gegen frühreres Vorbild

"Den habe ich, als ich zwölf war und mal einen Vereinsbogen ausfüllen musste, als Vorbild angegeben. Jetzt stand ich im Halbfinale und habe ihn dominiert. Das ist Wahnsinn!"

Für Limbach war vorher schon klar: "Wer das gewinnt, wird Weltmeister. Denn gegen meinen Finalgegner Rares Dumitrescu habe ich immer nur gewonnen, bestimmt 15:0 war da die Bilanz."

Lob gab es anschließend von allen Seiten. "Dieser Nico ist einfach eine Bombe", sagte Sportdirektor Manfred Kaspar. Vilmos Szabo, Disziplin-Bundestrainer, geriet richtig ins Schwärmen.

"Er macht keine Fehler"

Der 1,96-m-Mann habe "Technik, Taktik, Ruhe einfach alles. Er macht keine Fehler, er hat keine Probleme. Er war so gut, ihn hätte hier niemand stoppen können."

Britta Heidemann schien fast erleichtert, dass sie nun nicht mehr die "Unschlagbare" ist: "Es ist unmöglich, immer zu gewinnen. Ich habe das immer gewusst. Fechten ist so kompliziert, da kann man auch mal schnell verlieren."

Als ihr Viertelfinal-Gefecht beendet war, zeigte Heidemann Größe. Keine Theatralik, kein Schmerzensschrei, kein Zusammenbruch, aber Fairness und Menschlichkeit.

Britta Heidemann feierte mit ihrem Teamkollegen Limbach. Und war nicht böse darüber, dass einmal jemand anderes im Mittelpunkt stand.

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