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Beim Ironman in Frankfurt 2007 musste Faris Al-Sultan aussteigen © getty

Im zweiten Teil des Interviews der Woche mit Sport1.de spricht Faris Al-Sultan über Freiheiten, die er sich nicht nehmen lässt.

Von Michael Spandern

München - Faris Al-Sultan ist keiner, der sich Vorschriften machen lässt.

Deshalb trainiert der Langstrecken-Spezialist auch eigenständig.

Selbst der Verband kann ihn nicht einfangen. Im zweiten Teil des Interviews der Woche spricht Al-Sultan über Motivations-Probleme und Freiheiten, die er sich nicht nehmen lässt.

Sport1.de: Ist heute die Unterstützung vom Verband da?

Al-Sultan: Na ja. Der Verband hat sich aufgrund der Differenzen zwischen ITU und Ironman ein wenig aus der Langdistanz zurückgezogen. Langdistanzler sind auch schwer zu kontrollieren, weil sie große Individualisten sind. Das ist wie ein Sack voller Flöhe hüten. Die machen gerne was sie wollen und nicht das, was irgendein Verband will. Man hat dann versucht das wiederzubeleben. Mit einer Art Langdistanz-Nationalmannschaft. So wie das bis jetzt läuft ist es ganz gut. Es ist nicht so, dass der Verband uns irgendwelche Vorschriften machen würde.

Sport1.de: Sie sagen: Schwerer als einen Sack Flöhe zu hüten. Würden sie sich als so einen Floh bezeichnen. Und würden sie sich gerne hüten lassen?

Al-Sultan: Also definitiv! Aber ich lasse mich eben nicht gern hüten. So wie die meisten anderen Langdistanzler auch nicht. Wir haben dann große Probleme, wenn uns von Verbandsseite irgendetwas aufgetragen werden soll. Wobei man sagen muss, dass der Verband das die letzten Jahre nicht mehr versucht hat und uns alle Freiheiten lässt. Und man freut sich auch über unsere Erfolge. Wir arbeiten gut zusammen. Und der Verband versucht auch für jüngere Leute aus der Langdistanz etwas zu machen.

Sport1.de: Auf welche Freiheiten wollen sie konkret nicht verzichten? Haben sie ganz besondere Trainingsmethoden?

Al-Sultan: Das fängt mit Trainingsmethoden und der Saisonplanung an. Das machen wir alles selbstständig. Was immer wir auch machen. Jeder entscheidet das für sich selbst. Oder man hat auch einen privaten Trainer. Man schafft sich ein eigenes System mit Trainern und Betreuern. Bei der Kurzdistanz wird da viel vom Verband übernommen.

Sport1.de: Was machen sie zum Beispiel anders als andere?

Al-Sultan: Es gibt natürlich einen generellen Unterschied im Training. Weil eben die einen Kurzdistanz und die anderen Langdistanz machen. Aber zum Beispiel wann wir ins Höhen-Trainingslager fahren oder wie viel Krafttraining wir machen, das unterscheidet sich eben.

Sport1.de: Im Vorjahr, als sie in Frankfurt ausgestiegen sind, sprachen sie davon, dass sie ein Motivations-Loch hatten. Haben sie das überwunden?

Al-Sultan: Ich denke da bin ich wieder gut raus. Ich hatte ja dann noch den Wettkampf in Wiesbaden, den ich glücklicherweise gewinnen konnte. Das hat mich dann wieder aufgebaut. Dann war ich noch zweieinhalb Wochen im Höhentraining. Das hat mich auch motiviert. Weil man sich schon Gedanken macht , ob es für Hawaii noch reicht. Aber nach dem Sieg in Wiesbaden war klar, dass ich in Hawaii noch in vorzeigbarer Form erscheinen kann. Dann macht das natürlich auch Spaß.

Sport1.de: In vorzeigbarer Form ist gut. Sie haben da 2005 gewonnen. Macht es das schwerer, das gleich noch mal zu schaffen? Ist ein zweites Mal Hawaii zu gewinnen schwerer als ein erstes Mal?

Al-Sultan: Ja es ist schwerer. Ich habe ein Jahr später noch mal ein sehr gutes Rennen hingelegt und bin Dritter geworden. Das hat mich fast noch mehr gefreut als der Sieg, obwohl natürlich der Sieg schon etwas ganz besonderes ist. Aber es ist schwer im Folgejahr ein gutes Ergebnis zu bringen, weil man mehr im Fokus steht und die Gegner einen auch nicht mehr weglassen.

Sport1.de: Was nehmen sie sich für 2008 vor? Gibt es da eine Platzierung die sie ins Auge fassen, oder sagen sie, sie wollen sich erstmal in Bestform präsentieren?

Al-Sultan: Natürlich erstmal in Bestform präsentieren. Ich habe für mich gesagt: Du hast das Rennen mal gewonnen und so lange du das professionell betreiben willst, muss eine Platzierung unter den ersten Fünf das Ziel sein. Also das ist auch dieses Jahr mein Ziel. Ich denke, dass ich eine Form erreichen werde, mit der das möglich ist.

Hier geht's zurück zum ersten Teil des Interviews

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