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Thomas Bach (l., mit Wolfgang Schäuble) führt seit 2006 den DOSB © getty

Die Politik schraubt auch im Jahr nach Olympia die Fördermittel an den Spitzensport nach oben. Dem DOSB-Chef reicht das nicht.

Berlin - Der deutsche Spitzensport macht sich mit mehr Geld vom Bundesinnenministerium und einem modernisiertes Fördersystem auf den Weg zu den Sommerspielen 2012 in London.

Dabei müssen Verbände, die in Peking hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind, nicht mit finanziellen Einbußen rechnen, betonte DOSB-Präsident Thomas Bach in Berlin: "Wir haben von einem Belohnungs- und Bestrafungssystem auf Investionen in Potenziale umgestellt."

Dieses war schon vor zwei Jahren beschlossen worden und wird nun erstmals angewandt.

Anstieg um drei Millionen

Dabei hat der Sport-Dachverband in Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble weiter einen zahlungskräftigen Partner an der Seite. Sein Ministerium gibt auch im nacholympischen Jahr noch einmal mehr Geld.

Um drei Millionen auf 88 Millionen soll die Spitzensportförderung steigen, nachdem sie bereits 2008 um rund 12,5 Mio. erhöht worden war.

Diese Zahlen wurden im Sportausschuss des Bundestages vorgelegt, wo der DOSB den Abgeordneten über sein Olympiaabschneiden berichtete.

400.000 Euro mehr für Doping-Kampf

Insgesamt sieht der Haushaltsentwurf 2009 einen Zuwachs der BMI-Mittel für den Sport um 4,5 auf 147,9 Millionen Euro vor. 2008 waren sie bereits um 18,5 Millionen gestiegen.

Alles zusammengerechnet veranschlagt der Bund für 2009 eine Sportfördermittelsumme von 218,5 Millionen Euro, was gegenüber dem derzeitigen Sollstand für 2008 (217,7) rund 800.000 Euro mehr sind.

Für die Bekämpfung des Dopings sind 3,3 statt im Vorjahr 2,9 Millionen vorgesehen, zudem erhält die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) erneut einen Zuschuss in Höhe von einer Million Euro.

Für das Kulturprogramm der Leichtathletik-WM 2009 sind zwei Millionen Euro eingeplant.

Gesprächsbedarf bei Olympia-Tieffliegern

Grundlage für die künftige Fördermittel-Verteilung durch den DOSB seien die bereits vor Peking mit Blick auf 2012 abgeschlossenen Zielvereinbarungen, sagte Bach bereits am Dienstagabend nach der DOSB-Präsidiumssitzung mit Innenminister Schäuble: "In den nächsten vier Jahren wird es zu keinen signifikanten Änderungen bei der vorgesehenen finanziellen Ausstattung kommen."

Erst wenn die vereinbarten Ziele 2012 nicht erreicht würden, könne es Umschichtungen geben.

Allerdings müssen schon in den nächsten Wochen bis zu neun Verbände wie die im August besonders schwachen Leichtathleten, Schwimmer oder Ruderer sich auf sogenannte "Anpassungsgespräche" gefasst machen.

"Nicht ohne weitere Anstrengungen"

Zudem rief Bach zu einer besseren Nutzung von Ressourcen auf: "Es kann weiter dezentral trainiert werden, es kann aber nicht für 150 Trainingsgruppen Weltklasse-Biomechaniker, Mediziner oder Psychologen geben."

Trotz der gestiegenen öffentlichen Förderung sieht Bach die finanzielle Ausstattung des Sports noch nicht als ausreichend an: "Die internationale Wettbewerbssituation ist so hart wie nie zuvor und wird sich weiter verschärfen. Wenn wir mithalten wollen, wird das nicht ohne weitere finanzielle Anstrengungen gehen."

Als Beispiel nannte er Großbritannien, wo die staatliche Förderung von 2000 bis 2012 verzwölffacht wurde.

Weitere Analyse in Hennef

DOSB-Generaldirektor Michael Vesper erklärte im Bundestags-Sportausschuss, mit Blick auf London 2012 habe man sich für die Jahre 2008 und 2009 einen Gesamtaufwuchs von fast 34 Millionen und bis zu den nächsten Sommerspielen von mehr als 40 Millionen gewünscht.

Die tiefgehende Analyse der Ergebnisse von Peking will das DOSB-Präsidium bei einer Klausurtagung vom 19. bis 21. Oktober in der Sportschule Hennef vornehmen.

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