Nach seinem Triumph gegen Tony Thompson kokettiert Wladimir mit der Idee des Bruderduells gegen den Rückkehrer Vitali. Das größte Hindernis könnte der Vater aus dem Weg schaffen.

München - Jeder Box-Fan kennt das Versprechen, das Wladimir und Vitali Klitschko ihrer Mutter gegeben haben.

Niemals würden die beiden Brüder gegeneinander in den Ring steigen, um Nadeschda nicht das Herz zu brechen.

Ein unantastbarer Grundsatz, so schien es bislang. Doch nun enthüllt Wladimir Klitschko, dass es zumindest eine Hintertür gibt, die zu dem Duell führen könnte.

Es gibt einen Mann, der das "Dream Match" möglich machen kann: Wladimir Rodionowitsch, der Vater des schlagkräftigen Brüderpaars.

"Er hält die Fäden in der Hand"

"Wenn überhaupt, dann höchstens mein Vater Wladimir", erklärt Wladimir junior in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung auf die Frage, wer seine Mutter denn umstimmen könnte.

"Er ist das Familienoberhaupt, er hält in der Familie die Fäden in der Hand", fügt der jüngere Klitschko-Bruder hinzu.

Überall sonst entscheiden Multi-Millionen-Dollar-Börsen, Marktkalkül und harte Promoter-Verhandlungen über Kampfansetzung - bei den Klitschkos ist es eine Familiensache.

"Was zählt alles Geld der Welt gegen das Herz einer Mutter?", fragt Wladimir.

Motivation könnte sich ergeben

Eine Motivation, den Papa zu bitten, Mutter Nadeschda zu bearbeiten, könnte er aber bald haben.

Denn bekanntlich hat der 32-Jährige das erklärte Ziel, alle bedeutenden WM-Titel im Schwergewicht um seine Hüften zu schnallen - und da könnte ihm der ältere Bruder demnächst im Weg stehen.

Wladimir hat schon die Titel der Verbände IBF und WBO, die er am Samstag gegen Pflichtherausforderer Tony Thompson aus den USA verteidigte.

Vitali-Sieg würde Begehrlichkeiten wecken

Es fehlen die Gürtel der WBA und des WBC - und letzterer könnte bald in Besitz von Vitali sein.

Der 36-Jährige soll am 11. Oktober sein mehrmals verschobenes Comeback feiern und fordert dabei WBC-Champ Samuel Peter aus Nigeria heraus.

Dass ein Sieg bei Promotern und Fans neue Begehrlichkeiten nach dem Bruderkampf wecken wird, ist absehbar.

"Es gäbe eine Schlacht"

Das dürfte auch Wladimir wissen - und da ist es kein Wunder, dass er das Thema nun wieder ins Gespräch bringt und mit der Möglichkeit kokettiert.

In dem Interview macht er sich nämlich durchaus ausführliche Gedanken dazu. "Es gäbe eine Schlacht", prophezeit er: "Bei aller Bruderliebe geht es da um die sportliche Ehre. Und wir beide sind ehrgeizig, keiner von uns würde da nachgeben."

Wie das Duell in etwa aussehen könnte, kann sich Wladimir aus gemeinsamen Amateur-Zeiten ableiten, als die beiden oft Sparrings-Partner waren.

Wladimir wettet gegen sich

Meist war Vitali der Sieger. "Er war der Stärkere", gibt Wladimir zu.

Auch heute noch fürchtet er, seinem älteren Bruder unterlegen zu sein.

Auf die Frage, wer das Duell gewinnen würde, antwortet er: "Weil ich meinen Bruder liebe, sage ich jetzt: Vitali - aber 'nur' nach Punkten."

Martin Hoffmann

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