Bei Olympia 1984 stiehlt ein deutscher Gewichtheber den Muskelprotzen am Strand die Show. Wolfgang Kleine blickt zurück.

Venice Beach in Los Angeles: Ein Eldorado der Schönen und der Starken. Deshalb nennt man den Strandabschnitt in der kalifornischen Metropole auch "Muscle Beach".

Was Olympiasieger Matthias Steiner eigentlich bei der kommenden WM in Südkorea (ab 18. November) in der Halle machen wollte und verletzungsbedingt passen muss, steigt hier in kleinerer Version im Freien.

An zahlreichen Mucki-Buden trainieren die braungebrannten Muskelmänner ihren Bizeps und andere Körperteile.

Man will ja schließlich auf dem Areal der Exhibitionisten dem anderen, vor allem dem weiblichen Geschlecht, gefallen.

[image id="3cd5513e-6377-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

Starke Oberkörper, muskulöse Arme und Beine und manchmal auch ein Stiernacken. Hier wird viel geboten. Hanteln bis 200 Kilo Gewicht werden aus der Liegeposition gestemmt.

So auch während der Olympischen Spiele 1984 in L.A.

Die deutschen Gewichtheber Rolf Milser, später Olympiasieger, und Manfred Nerlinger nutzten die Chance eines freien Tages, um sich mal in der Filmstadt an dem berühmten Venice Beach umzusehen.

Milser, ein Modellathlet, und der eher pummelig wirkende Nerlinger erreichten das Hantel-Areal und schauten mal, was die knackig braungebrannten Jungs dort so machten.

Sie beobachteten das Treiben, ohne selbst groß beachtet zu werden. Gegen die kräftigen Strahlemänner kamen sie ohnehin optisch nicht an. Jeder Hantel-Stoß wurde von einigen attraktiven Damen mit Juchzer, Jubel und Beifall bedacht.

Nach rund 15 Minuten wollte Nerlinger doch einmal sehen, was die Jungs beim Bankdrücken so hoch brachten. Bei einem, der 60 Kilo aufgelegt hatte und sich dort redlich mit zwei Armen mühte, um auch damit Eindruck zu schinden, hielt der Münchner dann an.

Nerlinger fragte den Sonnyboy, ob er denn auch einmal die Hantel heben dürfe. Der sagte "Yes", räumte den Platz, aber eher mitleidig lächelnd. Was will der pummelige Dicke denn da?

Doch der pummelige Dicke legte sich nicht, wie allgemein von den Umstehenden erwartet, erst groß auf die Bank, um die Hantel mit zwei Armen hoch zu stemmen. Nein! Nerlinger blieb neben der Hantel stehen, griff mit einem Arm die Stange und brachte die Hantel unter den erstaunten Blicken der Zuschauer mit einem Arm zur Hochstrecke.

Was dann geschah, dauerte nur wenige Sekunden: Sämtliche Muskelmänner verließen verlegen das Areal. Ein pummeliger Dicker aus Deutschland hatte die Strahlemänner und vor Kraft protzenden Angeber bis auf die Muskeln blamiert.

Wolfgang Kleine hatte als Journalist seine Feuertaufe bei der Fußball-WM 1974 in Deutschland. Danach wurden für ihn zahlreiche Handball-Spiele, die Berichterstattung vom Leichtathletik-Europacup 1979 und die Begleitung der Tour de France 1996 sowie 1997 unvergessliche Erlebnisse. Aber eines bleibt besonders in Erinnerung: Das Wintermärchen der Olympischen Spiele 1994 in Lillehammer.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel