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Den "Huberbuam" gelang 2008 die erste Besteigung der Westwand des Holtanna ©

Alexander und Thomas Huber klettern am Limit: Das Sport1.de-Interview über Todesgefahr, Stürze und Konkurrenz untereinander.

Von Michael Spandern

München - Klettern "Am Limit" - das ist ihre Welt. Wie im gleichnamigen Film, der die Brüder Alexander und Thomas Huber berühmt gemacht hat.

Unter den Bergsteigern sind die "Huberbuam", wie sich die oberbayrischen Naturburschen nennen, längst Legende, vereinen zahllose Rekorde und Pioniertaten auf sich. 187391(DIASHOW: Antarktische Action der Huberbuam)

Vor dem nächsten Abenteuer, das die beiden Profis einmal mehr nach Patagonien führt, sprechen Alexander (40) und Thomas Huber (43) im Interview der Woche von Sport1.de über ihre Motivation, Ängste und Reibungspunkte.

Alexander Hubers 17-Meter-Sturz bei den Dreharbeiten zum 2007 erschienenen Dokumentarfilm "Am Limit" haben beide unterschiedlich verarbeitet.

Sport1.de: Wie viel Ruhe gönnen sich die Huberbuam rund um die Festtage?

Alexander Huber: Ich hoffe, dass ein wenig Ruhe einkehrt, ich habe erst am Montag meinen letzten Vortrag gehalten.

Thomas Huber: Viele Leute kennen uns jetzt und kommen zu unseren Vorträgen. Das Leben wird immer schneller und stressiger. Fast zu schnell und zu stressig.

Sport1.de: Was machen Sie um abzuschalten?

Thomas Huber: In die Berge gehen - oder mit meiner Familie Weihnachten feiern. (So feiern die Stars Weihnachten)

Alexander Huber: Ich kann sehr gut abschalten, dann ziehe ich mich zurück und tue einfach nichts. Oder ich lese, "Tuareg" von Alberto Vazquez-Figueroa fand ich zum Beispiel hervorragend.

Sport1.de: Müssen die Huberbuam oftmals getrennte Wege gehen?

Thomas Huber: Wir sehen uns die meiste Zeit auf den Expeditionen. Wir haben unterschiedliche Freunde, leben nicht in derselben Stadt...

Alexander Huber: Es ist auch nicht so, dass wir alle Touren gemeinsam machen. Wir haben beide unsere eigenen Ziele.

Sport1.de: Sind Sie arg unterschiedliche Menschen?

Thomas Huber: Ja, das ist ja bekannt.

Sport1.de: Sie gelten als der Waghalsigere.

Thomas Huber: Das wäre mir neu. Wir haben einfach unterschiedliche Mechanismen. Ich bin ein bisschen der verrückte Spinner, mein Bruder plant strategischer. Beides ist aber beim Bergsteigen sehr wichtig.

Alexander Huber: Was uns erfolgreich gemacht hat, ist der positive Konkurrenzkampf zwischen uns. Keiner will, dass der Andere an ihm vorbeizieht. Das ist der beste Ansporn für uns beide.

Sport1.de: Wer liegt denn im Moment knapp vorne?

Alexander Huber: Das ist gar nicht wichtig. Es geht am 15. Januar nach Patagonien. Da werden wir schon sehen, wer gut in Form ist. Es geht auch nicht darum, besser zu sein, sondern sich gegenseitig voranzutreiben.

Thomas Huber: Ich kann nicht sagen, wer besser ist. Ich weiß, was ich kann, und dass ich vielleicht so fit wie noch nie bin.

Sport1.de: Welche Voraussetzungen braucht es, um diese extremen Touren zu meistern?

Alexander Huber: Zunächst mal einen leistungsfähigen Körper. Aber darüber hinaus auch mentale Stärke und die nötige Erfahrung.

Sport1.de: Sie haben auch schlimme Erfahrungen gemacht, sind beim Dreh zu "Am Limit" 17 Meter tief gestürzt...

Alexander Huber: Es war kein senkrechtes Gelände, sondern es waren zu 70 Grad geneigte Felsplatten. Normalerweise ist man geneigt, den Sturz zu stoppen und sich festzukrallen. Dadurch besteht allerdings die Gefahr, unkontrolliert zu stürzen und mit dem Kopf an den Felsen zu stoßen. Das wäre fatal. Ich bin runter gesprungen und habe mich vom Felsen abgedrückt - so konnte ich auf beiden Füßen aufkommen. Ich hatte zwar Knochenbrüche in den Fußgelenken, aber ich habe es überlebt.

Sport1.de: Wie hat Sie dieser Sturz verändert?

Alexander Huber: Es hat mich nicht verändert, aber es war für mich ein einschneidendes Erlebnis. Wenn ich nicht hundertprozentig richtig reagiert hätte, wäre es vorbei gewesen. Es ist natürlich gut zu sehen, dass Erfahrung auch das Überleben sichern kann. Trotzdem ist es nie schön, sich zuzugestehen, dass es ganz knapp war.

Sport1.de: Thomas, Sie haben das Drama miterlebt. Was ist davon bei Ihnen hängengeblieben?

Thomas Huber: Er hat einfach Glück gehabt. Damit ist die Geschichte für mich beendet.

Sport1.de: Doch Sie selbst sind auch mehrmals gestürzt. Was haben Sie daraus gelernt?

Thomas Huber: Im richtigen Moment umzudrehen und sich nicht beeinflussen zu lassen. Das, was beim Film "Am Limit" passiert ist, das war mit Sicherheit fremdgesteuert. Der Schlüssel zum Bergsteigen ist, sich die tödliche Gefahr bewusst zu machen.

Sport1.de: Und trotzdem haben Sie keine Angst?

Alexander Huber: Eine gewisse Angst ist immer da. Auf der anderen Seite ist dieses unangenehme Gefühl auch die Würze und der Grund, warum wir immer wieder zu unseren Abenteuern aufbrechen.

Thomas Huber: Meine Familie hat schon Angst um mich, ob ich zurückkomme. Für mich ist die Angst die wichtigste Lebensversicherung. Angst bringt mich wieder zurück nach Hause.

Sport1.de: Thomas, Sie haben einmal gesagt: Meine Familie lebt davon, dass ich aufs Schlachtfeld gehe und den Herkules spiele...

Thomas Huber: Das habe ich mit Eigenironie gesagt. Aber das Bild stimmt teilweise: Manchmal geht es beim Klettern um Leben und Tod, dann sind wir moderne Gladiatoren.

Sport1.de: Stehen Sie mit dem "Schlachtfeld" Berg manchmal auf Kriegsfuß?.

Thomas Huber: So habe ich das nicht gemeint. Der Berg ist mein Freund, mein Partner und ich muss ihn erkennen.

Sport1.de: In der Antarktis haben Sie den Ulvetanna, den Wolfszahn erklommen - den schwierigsten Berg dort und einen der schwierigsten der Welt. Wie wichtig sind Ihnen die Superlative? (Nerius und Biedermann "Sportler des Jahres)

Alexander Huber: Wenn ich schon eine Reise in die Antarktis unternehme, dann will ich auch spüren, welche Herausforderung sie zu bieten hat - und das war hundertprozentig der Ulvetanna. Wir wurden nicht enttäuscht. Manchmal war es wirklich schwer den Glauben an sich selbst zu bewahren und die nötige Energie aufzubringen, um am Ende oben zu stehen.

Sport1.de: Im Sommer waren Sie in Pakistan. Was war dort der Superlativ? (SONDERSEITE: Der Sport1.de-Jahresrückblick)

Alexander Huber: Die legendäre Route "Eternal Flame" hinauf auf den "Nameless Tower", auf der die letzten vier Seilungen ein ungelöstes Problem waren. Wir sind die ersten Freikletterer, die es gelöst haben.

Thomas Huber: Es war ein wunderbarer Endpunkt einer großen Geschichte "Thomas und der Klettersport". Für mich wird es in Zukunft vornehmlich zu großen Wänden im Himalaya und im Karakorum gehen.

Sport1.de: Ist Ihre Geschichte nicht die der "Huberbuam"?

Thomas Huber: Nein. Wir sind ein wahnsinniges Team, aber haben auch unsere individuelle Geschichte.

Sport1.de: Aber eben auch auf Leben und Tod verbunden...

Thomas Huber: Wichtig ist, dass man lebendig zurückkehrt.

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