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Der Spanier Juan Antonio Samaranch war von 1980 bis 2001 Präsident des IOC © getty

Einer der größten Sportführer ist tot: Juan Antonio Samaranch starb nach Herzversagen. Er machte Olympia zur Profit-Maschine.

Barcelona - Der Sport trauert um Juan Antonio Samaranch. Der Spanier, von 1980 bis 2001 Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), starb am Mittwoch im Alter von 89 Jahren in einer Klinik in seiner Heimatstadt Barcelona.

Dies teilte das IOC mit. Samaranch war IOC-Vizepräsident, nachdem der Belgier Jacques Rogge vor neun Jahren die Nachfolge des Katalanen angetreten hatte.

Am Dienstag war der am 17. Juli 1920 in Barcelona geborene Marques de Samaranch (seit 1991) mit akuter Herzinsuffizienz ins Krankenhaus eingeliefert worden und befand sich in ernstem Zustand.

Auf einer Stufe mit de Coubertin

"Die Prognosen sind schlecht", sagte ein Sprecher des Barcelona Quiron Hospitals der französischen Nachrichtenagentur "AFP". Samaranch wurde zuletzt nur noch von Maschinen am Leben gehalten, galt bereits als klinisch tot.

Der wohl größte Sportführer der Modernen neben dem IOC-Gründer Pierre de Coubertin war seit Jahren gesundheitlich angeschlagen.

Erst im Oktober 2009 war Samaranch in Monaco mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Damals hatten die Ärzte einen unregelmäßigen Herzschlag festgestellt.

Erfolglos für Madrid stark gemacht

2001 wurde er wegen "extremer Erschöpfung" ins Krankenhaus von Lausanne gebracht.

"Ich weiß, dass ich dem Ende meiner Zeit nah bin. Ich bin schließlich 89 Jahre alt", hatte Samaranch im Oktober 2009 noch gesagt, als er sich für die Olympia-Bewerbung Madrids für die Sommerspiele 2016 stark gemacht hatte.

Allerdings ohne Erfolg - den Zuschlag hatte bei der IOC-Session in Kopenhagen die brasilianische Metropole Rio de Janeiro erhalten.

"Einen großen Mann verloren"

In einem Nachruf meinte Rogge: "Das IOC ist tief traurig über den Tod von Juan Antonio Samaranch." Er sei durch seine "außergewöhnlichen Visionen" und sein Talent zum Architekten einer starken vereinigten olympischen Bewegung geworden.

"Wir haben einen großen Mann verloren, einen Mentor und Freund, der sein langes erfülltes Leben dem Olympismus verschrieben hat", formulierte Rogge.

Bach lobt konsequentes Modernisieren

IOC-Vize Thomas Bach drückte als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) seine Trauer aus. "Juan Antonio Samaranch war über Jahrzehnte die herausragende Führungspersönlichkeit des Weltsports."

Er hat die Führung der Olympischen Bewegung zu einem Zeitpunkt übernommen, als sie vom Scheitern bedroht war. Er hat sie dann konsequent modernisiert und zu neuen Höhen geführt", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach in Berlin.

Kommerzialisierung hält Einzug

Samaranch hatte das IOC mehr 21 Jahre lang geprägt, nur Coubertin (1896-1925) war länger im Amt.

Als der Spanier am 16. Juli 1980 das Amt von Lord Killanin übernommen hatte, befand sich das IOC in finanziell schwierigen Zeiten. Als Spielball der Politik standen die Spiele mit den Boykotts 1980 in Moskau und 1984 in Los Angeles fast vor dem Aus.

Doch Schritt für Schritt machte der "Herr der Ringe" das IOC zu einem Milliarden-Unternehmen. Unter Samaranch wurden die Olympischen Spiele für Profisportler geöffnet und die Kommerzialisierung hielt Einzug.

Bestelltes Feld für Rogge

Samaranch bewies in seiner Amtszeit diplomatisches Geschick, wusste als Krisenmanager zu überzeugen und bündelte die Kräfte der olympischen Bewegung.

So konnte der Grande bei der Stabübergabe 2001 an Jacques Rogge ein bestelltes Feld hinterlassen. Danach wurde er auf Lebenszeit zum IOC-Ehrenpräsidenten gewählt.

Das Olympische Museum in Lausanne trägt seinen Namen.

1954 ins NOC Spaniens

Samaranch war in seiner aktiven Zeit Eiskunstläufer und Torhüter der Rollhockey-Nationalmannschaft Spaniens.

Der Katalane wurde 1954 Mitglied des Nationalen Olympischen Komitees von Spanien. Bei den Olympischen Spielen 1956, 1960 und 1964 betreute er die spanische Olympiamannschaft als Chef de Mission, 1966 wurde er Mitglied im IOC.

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