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Dreimaliger Olympiasieger im Segeln: Jochen Schümann © getty

Im zweiten Teil des Sport1.de-Interviews gewähren Müller-Spreer und Schümann Einblicke in den sportlichen Alltag. Außerdem verraten sie, was eine Wettkampf-Yacht von einem Serien-Boot unterscheidet.

Jürgen Blöhs

"Obwohl wir abends immer im Hafen sind, schreibt das Reglement Kojen und WC vor. Aber die werden natürlich nicht benutzt", sagt Schümann.

Auch zum Rechtsstreit im America's Cup nehmen die beiden Stellung.

Sport1: Wie groß ist der Trainingsaufwand? Sind die 14 Segler die ganze Zeit über zusammen? Werbung

Müller-Spreer: Für mich ist es ein Teil meiner so genannten freien Zeit, die ich Familie und Firma abknapsen muss. Aber die nehme ich mir. Wenn ich nicht dabei sein könnte und nur als Eigner im Hintergrund wäre, würde es mir keinen Spaß machen.

Schümann: Anfangs der Saison bei der Bootsvorbereitung waren wir einen längeren Zeitraum zusammen. Normal treffen wir uns drei Tage vor Start der Regatta. Das genügt, da es alle erfahrenen Segler sind. Und für die nötige Fitness muss jeder eigenverantwortlich sorgen. Natürlich wäre es schön, noch häufiger gemeinsam zu trainieren und an der Technik zu feilen.

Sport1: Was sind Ihre Aufgaben an Bord?

Müller-Spreer: Ich habe mich in dieser Saison bewusst in den Dienst der Profis gestellt. Herr Schümann hat einfach ein ungleich höheres Maß an Erfahrung, so dass ich die Sache sozusagen aus der Afterguard beobachten kann. Ich bring' mich aber auch taktisch ein.

Schümann: Das ist nicht einfach. Herr Müller-Spreer ist natürlich auch als Steuermann groß geworden. Wenn wir beide tun würden, was wir am besten können, würden wir beide steuern. Wir sind Herrn Müller-Spreer sehr dankbar, dass er sich derzeit zurücknimmt. Sobald das Team das Boot richtig beherrscht, wird es sicher Gelegenheit geben, dass Herr Müller-Spreer die Pinne selber in die Hand nimmt.

Müller-Spreer: Aber egal, wer das ist, jeder ist wahnsinnig davon abhängig, dass das Boot schnell ist. Das erfordert 100 Prozent der Konzentration. Da muss man sich auf die Crew verlassen können.

Schümann: Das muss Hand in Hand gehen. Keiner kann allein ein Boot schnellmachen.

Sport1: Wie hoch sind die Kosten einer Kampagne?

Müller-Spreer: Wir investieren in dieser Saison rund vier Millionen Euro. Es gibt aber auch Konkurrenten, die acht Millionen eingeplant haben.

Sport1: Wie müssen wir uns ein Boot vorstellen. Leicht vom Material und innen total entkernt, um Gewicht zu sparen?

Müller-Spreer: Das müssen Sie sich vorstellen, wie in der DTM. Da denkt man von außen auch, so einen Wagen, den hab' ich doch auch in der Garage stehen. Aber weder innen noch beim Material gibt es Gemeinsamkeiten mit dem normalen Serienwagen.

Schümann: Obwohl wir abends immer im Hafen sind, schreibt das Reglement Kojen und WC vor. Aber die werden natürlich nicht benutzt.

Sport1: Sie geben als Ziel für die erste Saison im Audi MedCup einen Podestplatz vor. Beste Platzierung bisher: Platz vier. Was fehlt noch?

Müller-Spreer: Ziele sollte man schon haben, und wir sind nah dran. Wenn nicht in dieser Saison, dann eben in der nächsten. Im Sport muss man langfristig planen. Ich habe ja im Drachenboot auch nicht gleich in der ersten Saison den Goldpokal gewonnen. Insgesamt habe ich das 13 Jahre lang aktiv betrieben.

Schümann: Es fehlt überall ein Quäntchen, um die Potenziale, die wir haben, auch auf dem Wasser umzusetzen. Uns fehlt einfach noch die Perfektion, weniger Fehler zu machen, als die anderen. Aber dafür stehen wir ja auch noch am Anfang des Weges.

Sport1: Derzeit findet der America's Cup vor Gericht und nicht auf dem Wasser statt. Befürchten Sie negative Auswirkungen auf den Cup?

Schümann: Nein. Der America's Cup ist die älteste Trophäe im Sport. Für einen Segler gibt es nichts Größeres, als die bedeutendste Segelsport-Veranstaltung zu gewinnen.

Müller-Spreer: Auch aus Sponsoren-Sicht ist nichts mit dem America's Cup zu vergleichen. Ich hoffe, Alinghi und BMW Oracle kommen bald zueinander, damit der Fokus wieder auf den Sport gerichtet ist.

Sport1: Werden wir das Gespann Müller-Spreer/Schümann im America's Cup erleben?

Müller-Spreer: Das wird die Zeit erweisen. Ich bin der Meinung, dass ein Hochtechnologie-Land wie Deutschland im America's Cup nicht nur dabei sein, sondern auch eine führende Rolle übernehmen muss. Wir haben 83 Millionen Einwohner, Neuseeland fünf Millionen. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir keine gescheite Kampagne auf die Beine stellen sollten.

Schümann: Ich habe den Cup mit einem kleinen Land wie der Schweiz gewonnen. Es gäbe für mich nichts Größeres, als unter deutscher Flagge den Cup zu gewinnen.

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