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WADA-Cehf John Fahey und FIFA-Boss Sepp Blatter (r.) sind sich in Sachen Dopingbekämpfung uneins © imago

Die WADA hält an der Meldepflicht fest. Das IOC unternimmt neue Anstrengungen um Dopingsünder von Turin 2006 zu ertappen.

Montreal - Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA setzt weiterhin auf die umstrittene Meldepflicht für Athleten.

Zwar will die WADA dafür sorgen, dass die Einhaltung der Richtlinien für die Sportler einfacher wird, grundsätzlich soll aber an der Vorgehensweise festgehalten werden.

"Die Regeln werden nicht geändert. Es gibt keine Hinweise darauf, dass dies notwendig wäre", sagte WADA-Präsident John Fahey nach einem Treffen mit dem Exekutivkomitee.

Der Australier gestand aber auch Fehler ein: "Unsere Richtlinien hätten vielleicht etwas besser sein können. Das unterstreichen einige merkwürdige Interpretationen."

FIFA wehrt sich gegen Kontrollsystem

Nach Vorgabe der WADA-Meldepflicht müssen Sportler für die jeweils kommenden drei Monate ihre Aufenthaltsorte angeben und dort jeden Tag für eine Stunde zur Verfügung stehen.

Die "Whereabouts" sorgen nicht nur für Kritik aus den Reihen der Sportler, auch viele Verbände - darunter der Weltfußballverband FIFA - wehren sich gegen das Kontrollsystem.

Keine Einmischung bei Fußball-WM

Bei der Fußball-WM in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli) will die WADA keine besondere Rolle bei den Dopingkontrollen spielen.

Laut Fahey ist die FIFA während des Turniers verantwortlich. "Die FIFA hat als WADA-Mitglied dem Code zugestimmt und wir sind von dem für die Weltmeisterschaft vorgesehenen Programm überzeugt", so Fahey.

Beweise für Cera-Einsatz 2006

Unterdessen drohen mehr als vier Jahre nach den Winterspielen von Turin weitere olympische Dopingfälle.

Wie das IOC am Sonntag auf einer WADA-Tagung bekannt gab, sollen die 2006 in Italien entnommenen Proben auf das Epo-Derivat Cera untersucht werden.

"Wir haben Beweise, dass Cera bereits zum Zeitpunkt der Spiele von Turin verwendet wurde", sagte Arne Ljungqvist, Leiter der Medizinischen Kommission des IOC.

"Aus diesem Grund werden wir bei 30 bis 40 Proben zusätzliche Analysen durchführen." Welche Sportarten betroffen sind, ließ das IOC offen.

Medikament seit 2008 zugelassen

Das Präparat Cera (Continuous Erythropoiesis Receptor Activator), das bei Patienten mit Nieren-Insuffizienz eingesetzt wird, war im Juni 2008 als Medikament in Europa zugelassen worden.

Die WADA geht allerdings davon aus, dass Profisportler es sich schon vorher beschaffen konnten.

Größere Halbwertzeit

Der Vorteil gegenüber anderen Epo-Mitteln besteht darin, dass die Halbwertzeit von Cera nach intravenöser Verabreichung 80 bis 120 Stunden und nach subkutaner (unter die Haut) etwa 150 Stunden beträgt.

Damit kann Cera in größeren zeitlichen Abständen verabreicht werden. Nachteil ist aber auch, dass es länger nachzuweisen ist.

Peking-Sünder nachtäglich ertappt

Bereits bei den Sommerspielen von Peking 2008 hatte das IOC nachträgliche Tests auf Cera durchgeführt.

Fünf Sportler, darunter die Medaillengewinner Rashid Ramzi (Bahrain/Gold über 1500 m) und Davide Rebellin (Italien/Silber im Rad-Straßenrennen) wurden dabei positiv auf das Präparat getestet.

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