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Jan Ullrich holte bei der Tour de France 1997 den Gesamtsieg © getty

Im Rechtsstreit mit Werner Franke kommt es angeblich zum Durchbruch. Breuer streitet eine Doping-Behandlung als 13-Jährige ab.

Hamburg - Auf der Schlussetappe seines vierjährigen Rechtsstreits mit dem Heidelberger Dopingexperten Werner Franke droht dem früheren deutschen Radstar Jan Ullrich eine juristische Niederlage.

Das Landgericht Hamburg schloss am Freitag nachmittag die Beweisaufnahme ab und wird sein Urteil am 13. August (9.55 Uhr) verkünden.

Der ehemalige Tour-de-France-Gewinner hat Franke verklagt, weil ihm der Molekularbiologe Verbindungen zwecks Doping zu einem spanischen Arzt vorhält.

Dagegen ist ein Ende der Auseinandersetzung im Verfahren der ehemaligen Leichtathletik-Welt- und Europameisterin Grit Breuer gegen Franke noch nicht in Sicht.

Juristischer Durchbruch?

Das Gericht hörte die frühere 100-m-Weltmeisterin Katrin Krabbe-Zimmermann als Zeugin an, das Verfahren wird jedoch zu einem noch nicht bekannten späteren Termin fortgeführt.

Frankes Rechtsbeistand Michael Lehner wertete die Anhörung im "Fall Ullrich" in der Hansestadt als juristischen Durchbruch.

"Erstmals hat die Gegenseite nicht mehr bestritten, dass Blutdoping in großem Stile betrieben wurde", erklärte Lehner. Franke selbst meinte nur ironisch: "Das passt alles terminlich ganz wunderbar zum Start der Tour de France." (Alle Radsport-News)

Ullrich abwesend

Das Ullrich-Lager argumentierte, Franke habe dem ehemaligen Radprofi zu Unrecht unterstellt, er habe in Spanien "sein Zeug bezogen".

Diese Formulierung beziehe sich unzutreffenderweise auf eine Substanz und nicht auf eine Methode.

Während Ullrich in seiner Funktion als Kläger in Hamburg nicht erschienen war, verfolgte Breuer nervlich äußerst angespannt ihr Verfahren gegen Franke.

"Ich lebe ein völlig anderes Leben"

Die mittlerweile 37-Jährige wehrt sich mit rechtlichen Mitteln gegen eine Veröffentlichung des Dopingbekämpfers, in der der 70 Jahre alte Wissenschaftler behauptet, Breuer sei schon als 13-Jährige mit dem DDR-Dopingmittel Oral-Turinabol behandelt worden.

Eine Vorhaltung, die Zeugin Krabbe-Zimmermann aus eigenem Erleben nicht bestätigen konnte. Die Neubrandenburgerin verwies bei ihrer Aussage auf Gedächtnislücken:

"Das ist alles schon mehr als 25 Jahre her. Ich kann mich an vieles nicht mehr erinnern, ich lebe mittlerweile ein völlig anderes Leben."

Vergleich kommt nicht zustande

Breuer, so Krabbe-Zimmermann weiter, sei drei Jahre jünger und daher in einer anderen Trainingsgruppe gewesen: "Wir kannten uns nur vom Sehen."

Franke-Anwalt Lehner beantragte eine Vereidigung der 40-Jährigen, dies lehnte das Gericht ab. Ein sich abzeichnender Vergleich kam nicht zustande, obwohl sich Klägerin Breuer diesen gewünscht hätte:

"Dass dieses Thema irgendwie nie zu Ende geht, belastet mich sehr. Ich kann nur immer wieder sagen, dass ich als Kind keine Dopingmittel bekommen habe."

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