vergrößernverkleinern
Die deutschen Damen starten erfolgreich bei der Fecht-WM in Kasan
Imke Duplitzer wurde bereits sechs Mal Deutsche Meisterin © getty

Bei der Heim-EM springt die zweite Reihe für die Favoriten in die Bresche. Der Bundestrainer nimmt seine Athleten in Schutz.

Leipzig - Enttäuschte Favoriten, eine überglückliche zweite Reihe: Bei der Heim-EM in Leipzig stand die deutsche Fecht-Welt auf dem Kopf.

Während die beiden Olympiasieger Britta Heidemann und Benajmin Kleibrink ebenso wie der dreimalige Weltmeister Peter Joppich leer ausgingen, schafften ihre Teamkollegen einige Überraschungen und bescherten dem Deutschen Fechter-Bund mit sechsmal Edelmetall eine zufriedenstellende Medaillenausbeute.

Einmal Gold durch Degenfechterin Imke Duplitzer, zweimal Silber und dreimal Bronze standen in der Bilanz des DFeB, und am Donnerstag gab es vor den Augen von IOC-Vizepräsident und Fecht-Olympiasieger Thomas Bach einen versöhnlichen Abschluss.

"Schlüssel zu dauerhaftem Erfolg"

Die Degen-Herren erkämpften sich mit einem 34:33 gegen Schweiz die Bronzemedaille. Nur mit einer Goldmedaille in diesem Wettkampf hätte das deutsche Team allerdings noch an das gute Ergebnis der Vorjahres-EM in Plowdiw (2-1-3) heranreichen können.

"Man muss eben mit vielen Chancen ins Rennen gehen, eine kommt dann durch", sagte DFeB-Präsident Gordon Rapp, der die Verbandsstrategie, alle Waffen zu fördern, bestätigt sah: "Es ist wichtig, dass wir die finanzielle Stärke erhalten, alle sechs Diszipinen zu fördern. Nur darin liegt der Schlüssel zu dauerhaftem Erfolg."

Nur Limbach erfüllt Erwartungen

Das bekam der Verband in Leipzig am eigenen Leibe zu spüren. Mit großformatigen Plakaten hatte der DFeB für die Heim-EM geworben.

Darauf zu sehen: Die Olympiasieger Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink, der dreimalige Weltmeister Peter Joppich und Weltmeister Nicolas Limbach.

Doch ausgerechnet diese "Aushängeschilder" sollten fast komplett ohne Medaille aus Leipzig abreisen. Nur Säbel-Spezialist Limbach erfüllte die Erwartungen. Mit Silber im Einzel und Bronze mit der Mannschaft war er der einzige deutsche Athlet, der gleich doppelt dekoriert wurde.

Damenteam gehandicapt, trotzdem Vierter

Anstelle der Etablierten standen andere im Rampenlicht. Allen voran Imke Duplitzer, der nicht viele noch einmal einen großen Einzeltitel zugetraut hatten.

Die Bonnerin gewann im Degen-Wettbewerb das Prestigeduell gegen Heidemann und holte am Ende den Titel. Ihr zweiter EM-Triumph nach elf Jahren war gleichzeitig die einzige Goldmedaille für Deutschland.

Im Mannschaftswettbewerb gehörte dann aber auch Imke Duplitzer zu den Geschlagenen. Platz vier stand für das mitfavorisierte, aber durch Verletzungen gehandicapte Damenteam zu Buche.

Klemm springt "in die Bresche"

Sibylle Klemm gehörte ebenfalls zu den positiven Erscheinungen.

Sie erwischte den wohl besten Tag ihrer Karriere und gewann überraschend Bronze im Säbel. Schnurstracks nach dem Wettkampf setzte sie sich dann ins Auto und fuhr nach Würzburg, wo sie am nächsten Tag eine BWL-Klausur schreiben musste.

"Es ist wichtig, dass auch mal die in die Bresche springen können, die normalerweise nicht ganz oben stehen", sagte DFeB-Sportdirektor Manfred Kaspar, dessen Medaillenwunsch "drei plus" bereits nach den Einzelwettbewerben erfüllt war.

"Das sind keine Vollprofis, sondern Studenten"

Zu den Enttäuschungen gehörten die Florett-Herren. Sonst vor allem im Mannschafts-Wettbewerb eine sichere Medaillenbank, schieden Kleibrink und Joppich mit dem Team früh aus, nachdem sie bereits im Einzel hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren.

"Natürlich ist das enttäuschend, aber nach so vielen Jahren in der Weltspitze muss man ihnen auch mal ein kleines Tief verzeihen", sagte Bundestrainer Ulrich Schreck: "Das sind keine Vollprofis, sondern Studenten. Da nehme ich sie in Schutz."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel