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Radko Zoeller (r.) erkämpft im Finale gegen Frankreich mit einem Lauf wichtige Meter © imago

Das deutsche Football-Team wähnt sich "in der Mitte der Gesellschaft angekommen". An einen Boom glaubt es jedoch nicht.

Frankfurt/Hamburg - Die "Men in Black" machten ihrem Spitznamen am Sonntagmorgen alle Ehre.

Nach dem Gewinn des zweiten EM-Titels erschienen die deutschen Football-Nationalspieler mit dunklen Sonnenbrillen zum Empfang im Frankfurter Römer.

Bis in die frühen Morgenstunden hatten die neuen Europameister den 26:10-Sieg im Finale gegen Frankreich in der Diskothek A66 gefeiert, die Spuren der Nacht sollten verborgen blieben.

"Das ist für alle ein besonderer Tag"

"Immerhin waren wir zum Frühstück wieder im Hotel", sagte Safety Matthias Eck: "Deutschland ist die Nummer eins in Europa. Das macht uns alle schon ziemlich stolz."

Der deutsche Verbandschef Robert Huber freute sich derweil besonders über die Einladung ins Rathaus: "Das zeigt, dass wir mit einer Randsportart in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind. Das ist für alle ein besonderer Tag."

Der Präsident des American Football Verbandes Deutschland (AFVD) war zudem über die gelungene Qualifikation für die WM erleichtert: "Alles andere wäre eine Enttäuschung gewesen."

Eck lobt den Unterbau

Um 2011 in Österreich dabei zu sein, hätte schon Platz drei genügt. Der Gewinn der kontinentalen Krone war jedoch mehr als nur ein i-Tüpfelchen.

"Wir haben lange für diesen Erfolg gearbeitet. Der Titel ist absolut verdient", sagte Coach Brad Arbon.

Eck ergänzte: "Wir haben unsere Vormachtstellung untermauert. Das zeigt, dass in der GFL und dem Unterbau gute Arbeit geleistet wird."

Zu komplex für die Massen

Der zuvor einzige Erfolg der Deutschen lag schon neun Jahre zurück. 2001 triumphierte man ebenfalls im eigenen Land.

1987, 2000 und 2005 hatte es jeweils immerhin zu Silber gereicht. Den großen Aufschwung für ihre Sportart erhoffen sich die Spieler trotz ihres Coups in Frankfurt aber nicht.

"Man kann nicht erwarten, dass wir jetzt einen Boom ausgelöst haben. Unsere Sportart ist sehr komplex. Zudem gibt es sehr viele andere Sportarten, die für uns eine große Konkurrenz sind", sagte der Kieler Eck.

NFL überstrahlt alles

Unter anderem daran war vor drei Jahren die NFL Europa gescheitert. Der Ableger der alles überstrahlenden amerikanischen National Football League (NFL) wurde vor drei Jahren eingestellt.

Der Versuch, die US-Sportart nachhaltig auf dem alten Kontinent zu etablieren, war damit so gut wie gescheitert. Um zumindest auf nationaler Ebene für ein wenig Aufmerksamkeit zu sorgen, war der deutsche EM-Triumph umso wichtiger.

Allerdings konnten die erhofften Zuschauerzahlen bei den EM-Spielen in Frankfurt, Wetzlar und Wiesbaden nicht ganz erreicht werden. Für das Endspiel hatte man mit 10.000 Fans gerechnet. Am Ende sollen es am Samstag rund 8500 Besucher gewesen sein.

Zimmermann zum MVP gewählt

Beim AFVD zeigte man sich dennoch mit der Anzahl der verkauften Tickets zufrieden - zumal auch das sportliche Resultat stimmte. Mit Siegen gegen Bronzemedaillengewinner Österreich (22:20) und Finnland (23:4) hatten die Deutschen das Endspiel erreicht.

Hier glänzte vor allem Quarterback Dennis Zimmermann, der gegen die Franzosen drei Touchdownpässe warf und zum wertvollsten Spieler (MVP) des Turniers gewählt wurde.

"Ich bin überglücklich über diesen Sieg. Den Titel des MVP hätten aber auch andere unserer Spieler verdient gehabt", meinte der Braunschweiger.

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